Grippeimpfung (Foto: picture alliance / ANP | "Sem van der Wal")

Grippeimpfung in gut 40 Apotheken möglich

  16.09.2021 | 10:10 Uhr

Das Modellprojekt zur Grippeimpfung in Apotheken soll im Saarland um ein weiteres Jahr verlängert und zusätzlich auf Rheinland-Pfalz ausgedehnt werden. Während die Krankenkasse AOK und der Apothekerverein sehr zufrieden mit der Bilanz sind, sieht die Kassenärztliche Vereinigung das Projekt weiterhin eher kritisch.

Seit knapp einem Jahr können sich AOK-Krankenversicherte - und mittlerweile auch Mitglieder der IKK Südwest - in rund 40 Apotheken im Saarland gegen Grippe impfen lassen. Eine Übersicht über die teilnehmenden Apotheken gibt es auf der Internetseite www.apothekerverein-saarland.de.

335 Personen nutzten Impf-Möglichkeit

Nach Angaben der AOK nutzen im vergangenen Jahr 335 Personen dieses Impf-Angebot. Fast alle seien so zufrieden gewesen, dass sie sich erneut in der Apotheke impfen lassen würden. Das ergab eine Auswertung der Saar-Uni, die das Modellprojekt begleitete.

Trotz der vergleichsweise geringen Anzahl an Teilnehmern sind die AOK und der Saarländische Apothekerverein (SAV) sehr zufrieden mit dem Projektverlauf. Insbesondere das Ziel, mehr Menschen zur Grippeimpfung zu bewegen, sei erreicht worden. So habe jede vierte geimpfte Person angegeben, dass sie sich gar nicht hätte impfen lassen, wenn es die Apotheke nicht angeboten hätte, sagte die SAV-Vorsitzende Susanne Koch.

KV bei Impfung in Apotheken eher skeptisch

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Saar sieht die Impfungen in Apotheken nach wie vor eher skeptisch. "Impfung ist eine klassische ärztliche Leistung", sagte KV-Vorstand Dr. Joachim Meiser. Kontraindikatoren - also ob jemand überhaupt geimpft werden kann - müssten ebenso beachtet werden wie mögliche Komplikationen, die zwar äußerst selten sind, aber eben auftreten können.

Inwiefern hier die Schulung, die die Apotheker durchlaufen müssen, das auffängt, kann Meiser nicht beurteilen. Er sagt aber auch, dass er sich nicht grundsätzlich gegen die Impfungen in Apotheken stellt, wenn sie mit der nötigen Verantwortung durchgeführt werden.

Impfnachfrage im vergangenen Jahr gestiegen

Aus Sicht von Meiser sind sie aber vorerst aber ein Nischenangebot - angesichts der rund 240.000 Grippeimpfungen, die im vergangenen Jahr in saarländischen Arztpraxen durchgeführt worden.

In der Grippesaison 2020/21 gab es - auch bedingt durch die Sorgen wegen der Coronapandemie - eine deutlich stärkere Nachfrage nach Influenza-Impfungen. Bundesweit stieg die Zahl um knapp 40 Prozent auf 14 Millionen, wie aus Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung hervorgeht.

Niedrige Impfquote im Saarland

Im Jahr davor hatte das Saarland nach Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen bei den über 60-Jährigen die niedrigste Impfquote. Nur etwas mehr als jede dritte Person in dieser Altersgruppe war nach Angaben des Robert-Koch-Instituts geimpft.

Ärzte und Gesundheitsministerium im Saarland haben bereits Mitte August gemeinsam dazu aufgerufen, sich auch in diesem Jahr gegen Influenza impfen zu lassen. Empfohlen wird die Impfung für ältere Menschen, Schwangere, medizinisches Personal und Personen in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr.

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