Masken hängen zusammen mit Taschen und Rucksäcken an Kleiderhaken in einem Klassenraum einer Grundschule (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Patrick Pleul)

Ministerrat berät über Lockerung der Maskenpflicht an Schulen

Sandra Schick   21.09.2021 | 07:15 Uhr

Der saarländische Ministerrat will heute über eine Lockerung der Maskenpflicht an Schulen beraten. Der saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband, der Homburger Virologe Jürgen Rissland und die Gesamtlandeselternvertretung stehen einer möglichen Abschaffung kritisch gegenüber.

Nach Angaben der Staatskanzlei will der Ministerrat heute darüber beraten, die Maskenpflicht im Schulunterricht zu lockern. Grund sei die aktuell sinkende und stabile Infektionslage.

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte: "Bei aller nach wie vor gebotenen Vorsicht ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, die Maskenpflicht zumindest im Unterricht zu lockern und den Schülerinnen und Schülern so den Schulalltag etwas zu erleichtern." Man setze nach wie vor auf die Teststrategie, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Sie habe viele Infektionen nach dem Schulstart verhindert.

Auch Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) setzt sich nach Angaben des Bildungsministeriums für eine Lockerung ein. Man habe schon letzte Woche gesagt, dass, wenn es Lockerungen geben könne, auch die Kinder und Jugendlichen davon profitieren sollen, insbesondere in den Schulen, teilte das Ministerium mit.

Virologe Rissland gegen Lockerung

Der Homburger Virologe Jürgen Rissland sieht eine Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht skeptisch. Er plädierte im Gespräch mit dem SR dafür, die Maskenpflicht beizubehalten. "Vor allem, wenn jetzt das Wetter wieder schlechter wird und die Saisonalität eine stärkere Rolle spielt." Die Maskenpflicht verringere das Infektionsrisiko entscheidend und sei auch im Hinblick auf die Quarantäneentscheidungen von Bedeutung.

Lehrerverband betont Belastungen

Auch der saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband äußert im Gespräch mit dem SR Bedenken. Die Vorsitzende Lisa Brausch sagte: "Ich bin nicht sicher, ob wir uns eine Abschaffung leisten können." Die Gefahr sei groß, dass dadurch die Fallzahlen an Schulen steigen würden. Man wolle nicht wieder zum Hybridunterricht zurückkehren müssen. "Wir wissen nicht, welche Auswirkungen eine Abschaffung hätte."

Allerdings betonte Brausch auch, dass die Maskenpflicht eine große Belastung für Schüler und Lehrer sei. "Es gehen viele Dinge verloren, zum Beispiel beim Sprachunterricht." Außerdem stelle die Maskenpflicht eine große Anstrengung für alle Beteiligten dar und müsse deshalb "ambivalent" betrachtet werden.

Elternvertretung will an Masken festhalten

Einige Eltern aus dem Saarland hatten vor kurzem eine Online-Petition zur Abschaffung der Maskenpflicht an Schulen gestartet. Inzwischen wurde diese über 2000 mal unterschrieben und nach Angaben der Initiatorin im saarländischen Landtag eingereicht.

Doch nicht alle Eltern teilen diese Auffassung: Die Landeselternvertretung (LEV) hat sich gegenüber dem SR deutlich gegen eine Abschaffung der Maskenpflicht ausgesprochen. "Das Risiko einer Durchseuchung der Kinder möchte keiner verantworten. Auf die Testungen und das Maskentragen an den Schulen kann daher vorerst nicht verzichtet werden", so Katja Oltmanns, Sprecherin der LEV. "Ich glaube, wir alle möchten keine erneuten Schulschließungen oder Distanzlernen."

Unterschiedliche Regelungen in Bundesländern

Aktuell gibt es in den deutschen Bundesländern große Unterschiede im Hinblick auf Maskenpflicht im Schulunterricht. Einige Bundesländer haben die Masken im Unterricht abgeschafft, wie beispielsweise Hessen und Bremen. Manche Länder haben die Pflicht an eine bestimmte Inzidenz oder eine Warnampel gekoppelt wie beispielsweise Rheinland-Pfalz und Sachsen. In Brandenburg gilt die Maskenpflicht erst ab höheren Klassenstufen.

Auswirkungen auf Quarantäne?

Klar dürfte allerdings auch sein: Eine Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht hätte wohl auch Auswirkungen auf die erst kürzlich gelockerten Quarantäne-Maßstäbe an Schulen. Nach dem jüngsten Beschluss des Bundes können die nämlich nur angewandt werden, wenn die Schulen über Schutzkonzepte verfügen, also beispielsweise notwendige Belüftungssysteme eingebaut haben, regelmäßige Tests durchführen - und die Maskenpflicht einhalten.

Wie das Bildungsministerium dem SR bestätigte, sehen die saarländischen Gesundheitsämter das Tragen von Masken am Platz in der Schule als Voraussetzung für die gelockerten Quarantänebestimmungen.

Ein Verzicht auf die Masken im Unterricht könnte demnach bedeuten, dass bei einem Infektionsfall in der Klasse möglicherweise wieder alle Schüler in Quarantäne geschickt würden.

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten am 20.09.2021.

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