Bürgermeister Daniel Kiefer mit zwei weiteren Personen bei der Ortsbegehung (Foto: SR)

Massengrab in Mettlach? Bürgermeister klärt auf

Kai Forst / mit Informationen von Dietmar Schellin   21.08.2018 | 21:34 Uhr

Ein mögliches Massengrab in Mettlach? Ein Internet-Video, das sich rasend schnell verbreitet, sorgt derzeit für Aufregung und Verwirrung. Auch von Gebeinen von Zwangsarbeiterin ist die Rede. Doch schnell wird klar: Die Darstellungen in dem Video sind ungeprüft und nicht haltbar.

„Mettlach: Die Stimme der Toten. Das Massengrab unter dem Bürgersteig“ – unter diesem reißerischen Titel verbreitet sich seit einigen Tagen ein Video von „Breaking News Saarland“ rasend schnell. Mehr als 110.000 Mal wurde es schon aufgerufen. Inhalt des Videos: Ein mögliches Massengrab in Mettlach, in dem auch Gebeine von Zwangsarbeitern liegen sollen.

Video [aktueller bericht, 21.08.2018, Länge: 3:02 Min.]
Angebliches Massengrab in Mettlach

Zu Wort kommt im Video ein anonymer Zeitzeuge, der nach eigener Aussage in den 80er Jahren miterlebt hat, wie ein Arbeitskollege in einen Gehweg eingebrochen war und sich inmitten von Kochen und Schädeln wiederfand. Schnell kamen Gerüchte auf. „Ich habe Anrufe bekommen aus Baden-Württemberg“, erzählt Mettlachs Bürgermeister Daniel Kiefer. „Die haben sich Gedanken gemacht, ob hier ein Massenmord oder ein Attentat geschehen ist.“

Hundertausendfach angeklickt und trotzdem falsch
Audio [SR 3, Dietmar Schellin , 21.08.2018, Länge: 02:50 Min.]
Hundertausendfach angeklickt und trotzdem falsch

Ein Friedhof aus dem 19. Jahrhundert

Doch was hat es mit den gefundenen Knochen tatsächlich auf sich? Kiefer klärt auf. Der Bauarbeiter sei in den 80er Jahren auf einen Friedhof aus dem 19. Jahrhundert gestoßen. Aufgrund von Platzmangel seien Gräber mehrfach belegt worden. Laut Landesdenkmalamt früher ein normaler Vorgang. Kiefer fügt hinzu: „Die noch nicht verrotteten Gebeine sind dann in sogenannten Massengrabkammern zusammengeführt worden. Der hier erwähnte Friedhof wurde ordnungsgemäß entwidmet und wie beschrieben für Bauland umgenutzt.“

Zu dem verbreiteten Internetvideo hat der Bürgermeister eine klare Meinung. „Ich hätte mir gewünscht, dass hier eine fundierte Berichterstattung mit Fakten im Vorfeld gemacht worden wäre. Und jetzt ist es an uns, hier für Aufklärung zu sorgen.“

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