Eine Hand drückt einen Knopf, auf dem "Auto Mode" steht (Foto: IMAGO / Panthermedia)

Fahren wir bald per Autopilot über die Autobahn?

mit Informationen von Céline Kuklik   17.05.2022 | 20:30 Uhr

Als erster Autohersteller hat Mercedes eine Zulassung für ein sogenanntes Level-3-Fahrzeug bekommen. Bedeutet das, dass wir alle bald beim Autofahren Zeitung lesen können? Warum das eher unwahrscheinlich ist, erklärt Philipp Slusallek, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken, im SR-Interview.

Einen Knopf am Lenkrad drücken, und schon kann sich der Autofahrer zurücklehnen und entspannt seine Zeitung lesen. Das klingt wie ein Szenario, das weit in der Zukunft liegt, ist aber nun wieder ein Stück näher gerückt. Als erster Autohersteller weltweit hat Mercedes-Benz die Zulassung für ein hochautomatisiertes Fahrzeug des Levels 3 erhalten.

"Level 3" bedeutet, dass der Fahrer auch einmal längere Zeit die Hände vom Steuer nehmen kann und das Auto von selbst weiterfährt. Er muss aber jederzeit eingreifen und das Steuer wieder vollständig übernehmen können. Fahrzeuge mit Level 1 und 2 kennen viele Menschen jetzt schon von ihren Autos, etwa als Tempomat, der die Geschwindigkeit konstant hält, oder als Spurhalteassistent.

Autonomes Fahren: Wie weit ist die Technik?
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 17.05.2022, Länge: 02:43 Min.]
Autonomes Fahren: Wie weit ist die Technik?

Grundlagenforschung auch in Saarbrücken

Hinter all dieser nützlichen Funktionen stecken eine hochkomplexe Technik und ein System der Künstlichen Intelligenz (KI). An dessen Grundlagen forscht seit vielen Jahren der wissenschaftliche Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) an der Universität des Saarlandes, Philipp Slussallek. Er und sein Team entwickeln Methoden um nachzuweisen, was diese KI leisten kann und in welchen Situationen sie korrekt arbeitet.

Denn um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, darf sich die KI keine Fehler erlauben. "Es macht dann Sinn, wenn es um Stauassistenten geht oder das Auto in einer Fahrspur zu halten, um dem Vordermann nicht aufzufahren, oder es noch mit Fahrzeugen umgehen muss, die ein- oder ausscheren", erklärt der Wissenschaftler. "Es geht nicht um allgemeines, autonomes Fahren, so wie man sich das vorstellt, sondern um eine ganz spezielle Funktionalität. Mehr kann Mercedes im Moment nicht garantieren."

Nur bei maximal 60 km/h auf der Autobahn erlaubt

Das neue Fahrzeug unterliegt strengen Vorgaben: Erst einmal darf das Modell nur auf Autobahnen unterwegs sein. "Da kann ich garantieren, dass auch nicht zu viele Leute rumlaufen", sagt Susallek. Deshalb ergebe es Sinn, diese neue Technik erst einmal im Individualverkehr und nicht im ÖPNV im dichten Stadtverkehr auszutesten. Also mit Tempo 130 auf der nassen Autobahn? Vorerst nicht: Nur bei maximal 60 km/h und bei gutem Wetter dürfen Besitzer des neuen Mercedes EQS das "Drive Pilot"-System aktivieren.

Langer Weg bis zum voll-autonomen Fahren

In den USA wird bereits an Fahrzeugen der Level 4 und 5 geforscht. In den Fällen wird der Autofahrer zum Passagier und kann die Steuerung komplett abgeben – erst hier spricht die Wissenschaft von autonomem Fahren. Davon sind wir aber noch weit entfernt, meint der Experte Slusallek.

Allein, dass überhaupt das neue Mercedes-Modell Auto bald in ganz Deutschland unterwegs sein wird, hält Slusallek für eher unwahrscheinlich: "Das ist ein Oberklassewagen. Für diese Funktionalität muss man noch einiges extra zahlen." Mindestens 140.000 Euro, um genau zu sein. Damit bleibt das autonome Fahren, und auch die Vorstufe des hochautomatisierten Fahrens, für die meisten doch erst einmal nur Zukunftsmusik.

Über dieses Thema hat auch die Sendung "aktuell" am 17.05.2022 berichtet.

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