Organspendeausweis (Foto: dpa/Daniel Maurer)

Mehr Organspender im Saarland

Axel Wagner   01.11.2020 | 11:50 Uhr

Die beiden Transplantationskliniken in Saarbrücken auf dem Winterberg und in Homburg stellen eine leichte Zunahme von Organ- und Gewebespenden fest. Bislang wurden in diesem Jahr 55 Organe von 19 Spendern entnommen. Im Saarland stehe man dem Thema Organspende offener gegenüber, so ein Arzt des Uniklinkums Homburg.

Im Durchschnitt fand nach Angaben des Klinikums Saarbrücken zwischen Januar und September 2020 eine Organspende pro Monat statt – alle postmortal, also nach dem Tod des Spenders. 2019 waren es im gesamten Jahr im Klinikum Saarbrücken nur sieben Organspenden.

Diskussion zeigt Wirkung

„Obwohl man sich in Deutschland nicht dazu durchringen konnte, bei der postmortalen Organspende die Widerspruchslösung einzuführen, scheint die neu entflammte öffentliche Diskussion um das Thema Organspende Wirkung zu zeigen“, teilte das Klinikum mit.

Eurotransplant

Die Eurotransplant International Foundation ist eine 1969 gegründete Stiftung mit Sitz in Leiden (Niederlande). Sie ist heute die Vermittlungsstelle für Organspenden in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn.

Notwendig für eine postmortale Organspende sind immer der Nachweis des Hirntods und die zu Lebzeiten schriftlich oder mündlich geäußerte Bereitschaft des Verstorbenen zur Organspende nach dem Tod. Dr. Konrad Schwarzkopf, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, dankte allen Organspendern und ihren Angehörigen sowie seinem Team.

22 entnommene Organe

Von den 22 in diesem Jahr entnommenen Organen – drei Herzen, vier Lungen, fünf Lebern und eine Bauchspeicheldrüse – wurden 18 in Deutschland transplantiert. Vier Organe gingen an Empfänger in anderen Ländern, die der Stiftung Eurotransplant angehören. Die 22 Organe wurden insgesamt auf 21 Empfänger verteilt. Eine Person erhielt sowohl eine Niere als auch eine Bauchspeicheldrüse.

Schwarzkopf appellierte erneut, sich mit dem Thema zu befassen. „Jeder von uns kann seiner Familie im Falle eines Falles einen sehr schwierigen Entscheidungsprozess ersparen, einfach indem man einen Organspendeausweis mit seiner Entscheidung für oder auch gegen eine Organspende ausfüllt und seine Angehörigen über diese Entscheidung informiert.“

Steigerung auch in Homburg

Auch die Uniklinik Homburg verzeichnet bei den Organspenden eine moderate Steigerung. Professor Urban Sester, Transplantationsverantwortlicher der Uniklinik, sagte dem SR, in diesem Jahr habe es bislang zehn Organspender gegeben, gegenüber acht im Jahr 2019. Ihnen seien insgesamt 33 Organe entnommen worden.

Allerdings schränkt Sester ein, dass diese Steigerung nur im Saarland, nicht aber bundesweit zu beobachten sei. Die Saarländer, so Sester, stünden dem Thema Organspende offener, menschlicher gegenüber.

66 Transplantationen

Hilfreich sei dabei auch die Änderung des Transplantationsgesetzes im April 2019 gewesen, so Sester. Damals wurden die Aufwandsentschädigungen verbessert. Außerdem sind behandelnde Ärzte bei Sterbenden inzwischen verpflichtet, nach der Bereitschaft zur Organspende zu fragen und ihren Wunsch auch entsprechend umzusetzen. Das geschah vorher nur auf freiwilliger Basis.

Auch bei den Transplantationen sieht Sester eine gute Entwicklung. Im Transplantationszentrum der Homburger Uniklinik wurden in diesem Jahr bislang 29 Nieren verpflanzt, 2019 waren es im ganzen Jahr 30. Bei Leber-Transplantationen (13) ist das Vorjahr (9) schon überholt. Nur die Lungen-Transplantationen liegen mit 24 noch deutlich hinter 2019 (34).

Organspendeausweis online erstellen

Auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung können Interessierte online einen Organspendeausweis zum Herunterladen und Ausdrucken erstellen oder einen Plastik-Ausweis bestellen.

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