LKA-Mitarbeiterinnen ermitteln zu Kinderpornografie und Kindesmissbrauch (Foto: IMAGO / Future Image)

Deutlich mehr Kinderporno-Ermittlungen im Saarland

  22.08.2022 | 10:57 Uhr

Die Zahl der Ermittlungen wegen kinderpornografischen Bildern und Videos steigt im Saarland immer weiter an. War schon von 2020 auf 2021 eine Zunahme von über 83 Prozent zu verzeichnen, liegen die Verdachtsmeldungen für dieses Jahr schon jetzt 20 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ursache dafür ist – unter anderem – eine Verschärfung des Sexualstrafrechts.

Im Jahr 2021 hat die saarländische Polizei in 352 Fällen wegen Verbreitung kinderpornografischer Bilder und Videos ermittelt. Gegenüber 2020 ist das ein Anstieg von mehr als 83 Prozent. Polizeipressesprecher Stephan Laßotta bestätigte auf SR-Anfrage einen entsprechenden Bericht der „Saarbrücker Zeitung“.

20 Prozent über Vorjahresniveau

Und der Anstieg nimmt kein Ende: Für dieses Jahr seien schon jetzt mehr als 300 sogenannte „Verdachtsmeldungen“ registriert, so Laßotta, ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Diese Meldungen erreichten die Polizei ausschließlich über das National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC), zu deutsch: Nationales Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder.

Das NCMEC ist eine 1984 vom US-Kongress in Washington gegründete, gemeinnützige Organisation. Das Zentrum bearbeitet Fälle von vermissten und ausgebeuteten Kindern vom Säuglingsalter bis hin zu Erwachsenen im Alter von 20 Jahren. Fälle mit Deutschland-Bezug meldet das NCMEC an das Bundeskriminalamt (BKA), von wo aus sie dann an die zuständigen Landespolizei-Dienststellen weitergeleitet werden.

Auch Kinder und Jugendliche beschuldigt

Dass die Zahl der Ermittlungen drastisch zugenommen hat, liegt auch an einer Verschärfung des Sexualstrafrechts im Juni 2021, die besonders den Schutz von Kindern und Jugendlichen zum Ziel hatte. Seitdem stuft das BKA deutlich mehr Fälle als strafrechtlich relevant ein.

Das hat auch dazu geführt, dass inzwischen auch vermehrt Kinder und Jugendliche selbst als Beschuldigte geführt werden – auch wenn das nach den Worten von Polizeipressesprecher Laßotta für Kinder (bis 14 Jahre) keine strafrechtlichen Konsequenzen hat. Kinder und Jugendliche würden sich vermehrt entsprechende Bilder und Videos zuschicken. Über die genaue Altersstruktur dieser Gruppe von Beschuldigten konnte die Polizei auf SR-Anfrage keine näheren Angaben machen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 22.08.2022 berichtet.

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