Amphetamine (Foto: Imago/Panthermedia)

Mehr Drogen-Mischkonsum mit Amphetamin

  21.10.2020 | 15:21 Uhr

Im Saarland wird immer häufiger Amphetamin in Kombination mit anderen Substanzen konsumiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität des Saarlandes, die Daten von polizeilich auffällig gewordenen Verkehrsteilnehmern untersucht hat. Fast die Hälfte der Amphetaminkonsumenten ist zwischen 31 und 40 Jahre alt.

Im Rahmen einer Studie der Rechtsmedizin der Universität des Saarlandes zu Stimulanzien stellte sich heraus, dass immer mehr Konsumenten von Amphetamin gleichzeitig auch andere Substanzen einnehmen. So werden laut Gesundheitsministerium oft zusätzlich Cannabis und Medikamente wie Benzodiazepine, die unter anderem eine beruhigende Wirkung haben, konsumiert. Diese Substanzen verstärken sich allerdings oft in Kombination mit Amphetamin gegenseitig, sodass die Wirkungen vor allem bei höheren Dosierungen kaum abzuschätzen seien.

„Es ist wirklich beunruhigend“, so Gesundheitsstaatssekretär und Drogenbeauftragter der Landesregierung Stephan Kolling (CDU). Der typische Konsument von Amphetamin ist nach der Studie zwischen 31 und 40 Jahre alt, männlich und ledig. Außerdem lebt er in städtischen Teilen des Saarlandes und konsumiert fast täglich. Allerdings gehören auch 30 Prozent der Altersgruppe der 21- bis 30-Jährigen an. Im Schnitt dauere es acht bis zehn Jahre, bis der Betroffene sich Hilfe sucht, weil sich ein Missbrauch entwickelt habe, den die Konsumenten nicht mehr selbst im Griff haben.

Kokain europaweit auf dem Vormarsch

Zumindest im Bereich der Verkehrsdelikte spielt laut der Studie der Konsum von Ecstasy im Saarland eine eher untergeordnete Rolle, während Amphetamin das größte Problem darstellt. Ein anderes Bild zeichnet sich laut des Europäischen Drogenberichts zum Beispiel in den Nachbarländern Luxemburg, Frankreich und den Niederlanden ab: Dort wird der Konsum von Kokain zu einem immer größer werdenden Problem. Auch diese Entwicklung müsse man beobachten, so Kolling.

In der Studie der Universität des Saarlandes wurden 814 Datensätze der Jahre 2017 und 2018 von Verkehrsteilnehmern untersucht, die auffällig geworden und daraufhin von der Polizei kontrolliert wurden oder an Verkehrsdelikten beteiligt waren.

Zahl der Drogentoten steigt

Am vergangenen Samstag ist die Zahl der Drogentoten im Jahr 2020 im Saarland auf 27 gestiegen. Nach Angaben der Polizei ist eine 24-Jährige in der Homburger Uniklinik an den Folgen einer Drogenvergiftung gestorben. Ein toxikologisches Gutachten bestätigte, dass sie eine Überdosis Drogen genommen hatte.

Die Zahl der Drogentoten war in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2019 starben im Saarland 36 Menschen an den Folgen des Drogenkonsums. Anfang des Jahres wurden nach der Rekordzahl von Drogentoten Gelder für zwei neue Streetworker von der Landesregierung zur Verfügung gestellt, denn viele Drogenopfer waren weder der Polizei noch dem Drogenhilfezentrum bekannt. Die Streetworker sollten vor allem im Regionalverband Saarbrücken tätig sein, weil dort im vergangenen Jahr die meisten Drogentoten gefunden wurden.

Über dieses Thema hat auch die SR-Nachrichtensendung "aktuell" am 21.10.2020 berichtet.

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