Symbolbild: Ein Mann liegt nach einem Unfall unter seinem verbeulten Fahrrad (Foto: Pixabay)

Mediziner registrieren mehr Fahrradunfälle

Christian Leistenschneider   27.06.2020 | 09:38 Uhr

Das Fahrrad hat als Bewegungsmittel in Corona-Zeiten noch einmal einen Schub bekommen. Mit der Zahl der Nutzer steigt aber wohl auch die Zahl der Unfälle. Was zu tun ist, damit es nicht zum Äußersten kommt.

Keine Maskenpflicht wie im ÖPNV, kein Abgasausstoß wie im PKW – das Fahrrad hat in Zeiten der Corona- und der Klima-Krise viele Vorzüge. Aber es hat auch einen großen Nachteil: Im Falle eines Unfalls ist der Mensch "Knautschzone" und "Airbag" in einem, wie das Klinikum Saarbrücken schreibt.

Die Chirurgen auf dem Winterberg haben in ihrem Zuständigkeitsbereich in den vergangenen drei Monaten eine Zunahme von Fahrradunfällen registriert: "Die Analyse unserer Fallzahlen zeigte in diesem Jahr 49 Patienten nach Fahrradunfällen, während es im Vorjahr lediglich 38 waren", sagt Prof. Christof Meyer, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie.

Helm kann Leben retten

Am häufigsten seien Verletzungen am Oberkörper, etwa ein gebrochener Arm oder eine gebrochene Schulter. "Diese Verletzungen entstehen häufig, indem der Radfahrer versucht, den Sturz mit den Armen abzufangen", sagt Meyer. Schwerwiegender seien komplexere Verletzungen der Wirbelsäule und des Beckens, oder wenn Rippenbrüche eine Lungenverletzung verursachen.

Im schlimmsten Fall könne es durch die Kraft des Aufpralls zu lebensbedrohlichen inneren Verletzungen kommen. Überproportional häufig komme es zu offenen Schädel-Hirn-Traumata mit Brüchen des Schädelknochens und sogar zu Hirnblutungen, wenn der Radfahrer keinen Helm trage, mahnen die Mediziner. "Das Tragen eines Helms sehen viele noch immer als 'Vorschlag'. Im Falle eines Falles kann aber dieses elementare Detail über Leben und Tod entscheiden."

Risiko E-Bikes

Dass sich die Zahl der Fahrradunfälle häuft, beobachtet auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC. Internen Auswertungen zufolge haben die Fahrradunfälle bundesweit seit dem Corona-Shutdown im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen, heißt es in einer Pressemitteilung. Zum Saarland gibt es noch keine belastbaren Zahlen, für Landessprecher Thomas Fläschner ist aber klar: "Wenn mehr Menschen Rad fahren, führt dies zwangsläufig auch zu mehr Unfällen."

Eine besondere Rolle könnte dabei der Boom der E-Bikes spielen, glaubt Fläschner. "Viele Menschen und vor allem auch viele ältere Menschen, fahren nun wieder Fahrrad und das auf recht flott daherkommenden Rädern. Schon seit längerem ist bekannt, dass unter älteren Pedelec-Fahrern leider erhöhte Unfallzahlen zu verzeichnen sind." Erst am Freitag verunglückte in Bous ein 70-jähriger helmloser Pedelec-Fahrer, der mit einer schweren Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht werden musste.

"Sichtbarkeit ist Sicherheit"

Der ADFC versucht, mit Schulungsangeboten gegenzusteuern. Als Parole gibt er "Sichtbarkeit ist Sicherheit" und "Äußerlich offensiv, innerlich defensiv" aus. Gemeint ist, dass Fahrradfahrer durch auffällige Kleidung auf sich aufmerksam machen und sich im Straßenverkehr nicht an den Rand drängen lassen sollten. Gleichzeitig müssten sie aber auch vorausschauend fahren und sich verträglich verhalten, sagt Fläschner. "Man muss immer damit rechnen, dass der andere einen Fehler macht. Und erzwingen lässt sich gerade als Radfahrer nichts - selbst wenn einem etwa eigentlich die Vorfahrt zusteht."


Weitere Informationen:

Politik & Wirtschaft
ADFC fordert Investitionen in Radverkehr
Land, Kreise und Kommunen sollen im kommenden Jahr mehr in den Radverkehr investieren, fordert der ADFC. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club im Saarland wünscht sich eine Millionensumme, um die Lücken im Radwegenetz zu schließen.

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