Eine Apothekerin öffnet in einer Apotheke eine mit „Schmerzmittel" beschriftete Schublade. (Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder)

Immer mehr Medikamente sind im Saarland knapp

Sandra Schick   02.11.2022 | 17:33 Uhr

Seit Beginn der Coronapandemie berichten Apotheken immer wieder über Lieferengpässe bei Medikamenten. Auch aktuell gibt es Lücken bei vielen wichtigen Präparaten, darunter Fiebersäfte, Antibiotika, Herzpräparate und Anti-Depressiva. Besserung sei keine in Sicht, sagen Apotheken im Saarland. Im Gegenteil: Die Lage verschärfe sich von Monat zu Monat.

Nach Angaben des Saarländischen Apothekervereins gibt es derzeit im Saarland Lieferschwierigkeiten bei vielen verschiedenen Arzneimitteln. Betroffen sind demnach aktuell wieder bestimmte Kinderfiebersäfte, Zäpfchen, Nasensprays, einige Antibiotika, Herzpräparate, Anti-Depressiva und weiterhin Elektrolyte für Durchfallerkrankungen.

Andreas Gerlach, Vorstandsmitglied des Apothekervereins, sagte dem SR, man habe im Prinzip seit Beginn der Corona-Pandemie immer wieder mit Lieferschwierigkeiten verschiedener Präparate zu tun. Allerdings habe sich die Lage zuletzt nochmal verschärft. "Ich habe den Eindruck, das wird von Monat zu Monat schlimmer", so Gerlach.

"Mal fehlt es am Wirkstoff, mal am Verpackungsmaterial"
Audio [SR 3, Moderation: Dorothee Scharner, 03.11.2022, Länge: 03:08 Min.]
"Mal fehlt es am Wirkstoff, mal am Verpackungsmaterial"

Apotheken können Kinderfiebersäfte selbst herstellen

Besorgte Eltern kann der Apotheker aus Güdingen zumindest teilweise beruhigen: Zwar gebe es momentan weder Ibuprofen noch Paracetamol-Säfte für die Kinder, allerdings seien die Apotheken in der Lage, Ibuprofensäfte als Rezeptur selbst herzustellen. Damit könne man die Versorgung der kleinen Patienten sicherstellen. Auch seien Zäpfchen teilweise noch verfügbar.

Für bestimmte Medikamente gibt es keinen Ersatz

Bei anderen Medikamenten sei "die Lage deutlich dramatischer", berichtet Gerlach. Etwa bei bestimmten Antibiotika oder einzelnen Insulinen, die immer wieder von den Lieferschwierigkeiten betroffen seien. Auch werde die Palette der Medikamente, die von Lieferengpässen betroffen sind, immer breiter.

Im August hatten Onkologen sich zuletzt besorgt gezeigt, weil bestimmte Krebsmedikamente nicht lieferbar waren. Krankenhausapotheken berichteten über Lieferprobleme bei Röntgenkontrastmitteln und Medikamenten aus der Notfallmedizin.

Ausgangssubstanzen fehlen

Der Hauptgrund für die Engpässe liegt in den weltweiten Lieferketten. Weltweit gebe es nur zwei bis drei Hersteller, die die Ausgangssubstanzen für die Medikamente produzieren, berichtet Gerlach. Die säßen in Ländern wie Indien oder China. Wenn nur ein Hersteller temporär wegfalle, habe das große Auswirkungen.

Forderungen, wonach die Arzeimittelproduktion von wichtigen Medikamten wieder nach Europa verlagert werde sollte, sieht Gerlach skeptisch: "Das Problem sind ja die Ausgangssubstanzen, die fehlen. Die hier später in Tabletten zu pressen, ist nicht das Problem. Aber hier eine Produktion für die Ausgangsubstanzen aufzubauen, bedarf großer Anstrengungen und wird nicht so einfach umzusetzen sein", vermutet der Apotheker.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten am 3.11.2022 berichtet.

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