Feuerwehr-Uniformen (Foto: dpa/Patrick Pleul)

Kranke Feuerwehrleute überlasten Gesundheitsamt

mit Informationen von Thomas Gerber   15.04.2019 | 11:54 Uhr

In Saarbrücken haben die Reihenuntersuchungen von Angehörigen der Berufsfeuerwehr begonnen, die sich in den vergangenen Tagen krankgemeldet hatten. Sie müssen auf Anordnung des Oberverwaltungsgerichts beim Amtsarzt erscheinen. Doch auf dem Gesundheitsamt gibt es Probleme.

Nach Angaben des Regionalverbands sind derzeit nur drei Amtsärzte im Dienst – die vierte Medizinerin befinde sich im Krankenstand. Ein Arzt könne pro Tag acht Feuerwehrleute untersuchen und begutachten. Pro Untersuchung seien 45 bis 60 Minuten zu veranschlagen. Bis zur vom Gericht gesetzten Frist – Dienstag, 12 Uhr – könnten deshalb maximal 36 der mehr als 90 Feuerwehrleute untersucht werden.

Umstrittener Feuerwehrchef

Kommentar zur Berufsfeuerwehr Saarbrücken
"Derzeit ist die Sache hoffnungslos verfahren"

Am Freitag hatte das Oberverwaltungsgericht eine Rückkehr des umstrittenen Feuerwehrchefs Josef Schun auf seinen Posten bis Dienstag unter der Maßgabe der Reihenuntersuchungen ausgesetzt. Die Richter äußerten in ihrem Beschluss den "dringenden Verdacht", dass die Krankmeldungen zu einem erheblichen Teil unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erfolgt sind. Damit hätten die Beamten, die sich nach dem Bekanntwerden der Rückkehr Schuns krankgemeldet hatten, gegen ihre Dienstpflichten verstoßen.

Am Donnerstag und Freitag ließen sich die Feuerwehrleute massenhaft krankschreiben, nachdem das Verwaltungsgericht des Saarlandes entschieden hatte, dass die Stadt Schun auf seinen Posten als Chef der Berufsfeuerwehr zurückversetzen muss. Unter den Feuerwehrleuten der Landeshauptstadt ist der 41-Jährige heftig umstritten.

Vorwürfe, er habe bei einem Einsatz anlässlich eines Großbrandes Fehler gemacht, wurden vom Verwaltungsgericht allerdings als unbegründet angesehen. Eine Suspendierung Schuns erklärte es bereits im März 2018 für rechtswidrig. Da Schun in der Zwischenzeit allerdings nicht wieder auf seinem alten Posten eingesetzt wurde, hatte das Gericht eine einstweilige Anordnung erlassen.

Freiwillige Feuerwehr in Alarmbereitschaft

Nachdem die Saarbrücker Wehren teilweise lahmgelegt waren, hat sich die Situation übers Wochenende leicht entspannt. Die Leitstelle in der Wache 1 im Hessenweg ist wieder besetzt, sodass von dort aus die Freiwilligen Wehren der Regionalverbandskommunen alarmiert werden können. Allerdings sind längst nicht alle Feuerwehrleute an Bord. Die Wache 2 in Burbach ist immer noch lahmgelegt. Die Freiwilligen Wehren in Saarbrücken selbst sind weiterhin in Zwölf-Stunden-Schichten in Alarmbereitschaft. Etwa 20 Feuerwehrleute verbrachten auch die vergangene Nacht im Gerätehaus Malstatt-Burbach.

Update
Bisher alle Feuerwehr-Krankenscheine berechtigt [26.04.2019]
Alle 28 bis Montagnachmittag von Amtsärzten untersuchten Saarbrücker Berufsfeuerwehrleute waren nach SR-Informationen berechtigt krankgemeldet. Die Stadt hatte daraufhin beantragt, die Frist zu verlängern, bis zu der Feuerwehrchef Schun auf seinen Posten zurückkehren muss. Das allerdings hat das Oberverwaltungsgericht nach SR-Informationen abgelehnt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 15.04.2019 berichtet.