Ein Mann schaut sich Mundschutz-Masken an (Foto: Sebastian Gollnow - dpa/Bildfunk)

Wer keine Maske trägt, muss kein Maskenverweigerer sein

Sandra Schick   12.09.2020 | 08:42 Uhr

Wer ohne Maske in ein Geschäft geht, erntet häufig vorwurfsvolle Blicke oder rüde Kommentare. Doch nur wenige sind echte Maskenverweigerer – manche Menschen können aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen. Für den Handel ist der Umgang mit ihnen nicht einfach.

Das Antidiskriminierungsforum Saar bekommt nach eigenen Angaben in der letzten Zeit vermehrt Beschwerden von Menschen, die aufgrund von Krankheiten oder Behinderungen von der Maskenpflicht befreit sind. Es seien häufiger Fälle berichtet worden, in denen Menschen angefeindet oder nicht in Geschäfte gelassen worden seien, sagte die Sprecherin des Forums, Jasmin Dickersen dem SR.

Nach der aktuellen Corona-Verordnung des Saarlandes sind Menschen von der Maskenpflicht befreit, wenn gesundheitliche Gründe dagegen sprechen. Genauer definiert wird dies allerdings nicht.

Wer ist befreit?

Nach Angaben des Anti-Diskriminierungsforums sind in der Regel neben Menschen mit schweren Erkrankungen wie beispielsweise der Lunge, auch Menschen mit bestimmten psychischen Erkrankungen und geistig Behinderte oder Gehörlose von der Maskenpflicht befreit.

Grundsätzlich obliegt es immer dem Arzt, zu beurteilen, ob eine Erkrankung vorliegt, die eine Befreiung von der Maskenpflicht rechtfertigt. Er stellt in solchen Fällen ein Attest aus, das Betroffene dann jederzeit mit sich tragen können. Allerdings sind sie dazu nicht verpflichtet: Lediglich im öffentlichen Personennahverkehr müssen Fahrgäste ein Attest mit sich führen, um ihre Befreiung gegebenenfalls nachweisen zu können. Selbst erstellte Atteste gelten dafür nicht.

Kaum echte Maskenverweigerer

Inzwischen tragen aber die meisten Betroffenen ihre Atteste auch beim Einkaufen mit sich. Das zumindest ist die Erfahrung von Katharina Reiser, Center-Managerin der Europagalerie in Saarbrücken. Dort patrouillieren jeden Tag während der Geschäftszeiten zwei Personen vom Sicherheitsdienst, die Menschen ansprechen, die keine Maske tragen oder sie falsch tragen.

„In den allermeisten Fällen zeigen die Personen sofort ihr Attest vor oder können glaubhaft machen, warum sie keine Maske tragen“, berichtet Reiser. „Echte Maskenverweigerer gibt es kaum noch.“ In der Anfangszeit der Maskenpflicht habe man noch öfter mit aggressiven Personen zu tun gehabt, die keine Maske tragen wollten. Diesen habe man Hausverbot erteilt. Das sei inzwischen aber eine absolute Ausnahme.

Schwieriger Spagat für den Handel

Die Managerin der Europagalerie kann allerdings auch gut verstehen, dass von der Maskenpflicht befreite Menschen sich stigmatisiert fühlen. „Wenn ich jetzt unser Center als Beispiel nehme: Da wird jemand zuerst vom Sicherheitsdienst angesprochen, dann geht er noch in mehrere Geschäfte und wird dort dann auch jedes Mal angesprochen – da kommt schon einiges zusammen“, so Reiser.

Es sei „schwierig, den Spagat zu schaffen“, sagt sie. „Kontrolliert man zu viel, fühlen sich diejenigen, die befreit sind, stigmatisiert. Kontrolliert man zu wenig, fühlen sich die anderen nicht gut geschützt.“ Für dieses Problem gebe es keine wirkliche Lösung, denn "man sieht es ja niemandem an, warum er keine Maske trägt."

Durchsichtiges Visier statt Maske?

Die saarländische Ärztekammer empfiehlt Behinderten und Gehörlosen, die von der Maskenpflicht befreit sind, ein durchsichtiges Visier zu tragen - auch wenn diese weniger effektiv seien. Auch die saarländische Landesregierung ruft auf ihrer Webseite Bürger, die aus medizinischen oder anderen Gründen keine Masken tragen können, dazu auf, stattdessen ein Visier zu nutzen. Dadurch könnten sie „ihre Unterstützung für die Maßnahmen zeigen und einen minimalen Beitrag zum Schutz der Mitmenschen leisten“.

Das Anti-Diskriminerungsforum Saar appelliert an die Bevölkerung und den Handel, respektvoll mit den Betroffenen umzugehen und diese vor Anfeindungen zu schützen. Denn auch diese Menschen hätten ein Recht auf Selbstversorgung in Geschäften, so Jasmin Dickersen.

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