Ein Säugling bekommt eine Impfung gegen Masern (Foto: imago images / photothek)

Bundestag beschließt Masern-Impfpflicht

  14.11.2019 | 14:00 Uhr

Zur stärkeren Eindämmung von Masern-Erkrankungen in Deutschland kommt im neuen Jahr eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen. Jens Möller, Chefarzt der Kinderklinik auf dem Winterberg, zweifelt im SR-Interview an der Wirksamkeit.

Das Gesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht vor, dass Eltern künftig nachweisen müssen, dass ihre Kinder gegen Masern immunisiert sind, bevor sie sie in einer Kindertagesstätte oder Schule anmelden. Auch Erzieherinnen und Erzieher, Tagesmütter sowie Personal in Gesundheitseinrichtungen und Flüchtlingsunterkünften sollen zur Masernimpfung verpflichtet werden.

Bis zu 2500 Euro Bußgeld

Interview: "Ich weiß nicht, ob eine Impfpflicht zielführend ist"
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger, 14.11.2019, Länge: 03:14 Min.]
Interview: "Ich weiß nicht, ob eine Impfpflicht zielführend ist"

Die Masern-Impfpflicht soll nach der noch ausstehenden Billigung des Bundesrats am 1. März 2020 in Kraft treten. Für Kinder, die bereits in Betreuung sind, sowie für betroffene Mitarbeiter gilt eine Übergangsfrist bis zum 31. Juli 2021.

Wer der Impfpflicht nicht nachkommt, muss mit bis zu 2500 Euro Bußgeld rechnen. Das gilt auch für Kindertagesstätten, die nicht geimpfte Kinder zulassen. Spahn will mit der Impfpflicht die Schutzquote auf mindestens 95 Prozent erhöhen. In Deutschland liegen die Quoten in allen Bundesländern bislang deutlich darunter.

Kinderarzt: "Aufklärung ist wichtiger"

Jens Möller, der Chefarzt der Kinderklinik auf dem Winterberg, sagte im Gespräch mit dem SR, er sei "nicht davon überzeugt, dass sich die Impfquote durch eine Impfpflicht wesentlich erhöht." Aufklärung und insbesondere lange, individuelle Gespräche würden mehr bringen.

"Oft gibt es über den Sinn und Zweck von Impfungen sehr viel Unkenntnis", so Möller. Die Masernimpfung biete einen individuellen Schutz vor einer schweren Erkrankung. Das sei eigentlich den Eltern gut zu vermitteln. "Wenn sie dann noch als Arzt die Komplikationen dieser Erkrankung kennen, vereinfacht das die Aufklärung. Ich selbst habe Kinder erlebt, die an Masern sterben."

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 14.11.2019 berichtet.

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