Symbolbild: Polizei (Foto: SR / Felix Schneider)

Mann bei Burschenschaftsfeier misshandelt

Thomas Gerber   09.09.2020 | 16:08 Uhr

Bei Feierlichkeiten einer Heidelberger Studentenverbindung ist ein 25-jähriger Mann körperlich misshandelt und antisemitisch beleidigt worden. Die Staatsanwaltschaft Heidelberg führt ein Ermittlungsverfahren gegen insgesamt acht verdächtige Personen – drei davon aus dem Saarland.

Antisemitischer Übergriff in Heidelberger Burschenschaft
Audio [SR 3, (c) SR, 09.09.2020, Länge: 01:18 Min.]
Antisemitischer Übergriff in Heidelberger Burschenschaft

Die saarländische Polizei ist in die Ermittlungen zu einem offenbar antisemitischen Übergriff bei der Heidelberger Burschenschaft Normannia eingebunden. Ein Sprecher des Landespolizeipräsidiums bestätigte dem SR, dass ein entsprechender Ermittlungsauftrag der Staatsanwaltschaft Heidelberg vorliege. Die Staatsschutzabteilung habe den Auftrag übernommen.

Ermittlungen gegen drei Personen aus dem Saarland

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Heidelberg wird im Zusammenhang mit einer Burschenschaftsfeier Ende August in Heidelberg gegen insgesamt acht Personen ermittelt – drei von ihnen stammen aus dem Saarland. Informationen, wonach es sich dabei um Mitglieder der Saarbrücker Burschenschaft "Ghibellinia zu Prag" handelt, wollte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht bestätigen.

Der Sprecher der Ghibellinia, der Saarbrücker AfD-Bundestagsabgeordnete Christian Wirth, wies die Vorwürfe zurück. Es treffe zwar zu, dass Mitglieder seiner Burschenschaft bei dem Stiftungsfest in Heidelberg gewesen seien, an dem "abartigen" Übergriff aber seien sie nicht beteiligt gewesen. Dies werde sich im Laufe des Ermittlungsverfahrens auch so herausstellen.

Schläge mit Gürtel

Den Beschuldigten wird gefährliche Körperverletzung und Beleidigung vorgeworfen. Sie sollen bei der Feier in der Heidelberger Villa der Normannia einen 25-Jährigen, der Mitglied einer befreundeten Burschenschaft sein soll, mit einem Gürtel geschlagen und verletzt haben. Als der 25-Jährige erklärt habe, dass er jüdische Wurzeln habe, sollen die Beschuldigten ihn zudem antisemitisch beschimpft und beleidigt haben. Der 25-Jährige hatte nach dem Vorfall Strafanzeige erstattet.

Juso-Kritik an Saar-Uni

Die saarländischen Jungsozialisten haben inzwischen die Leitung der Saarbrücker Universität aufgefordert, sich von der Ghibellinia zu distanzieren. Eine Sprecherin sagte, es sei unerträglich, dass die Burschenschaft noch immer die Möglichkeit habe, auf dem Uni-Gelände Mitteilungen auszuhängen und über eine eigene Pinnwand verfüge.

Die Ghibellinia sei nicht nur eine schlagende Verbindung, sondern sei bereits mehrfach durch ihre Nähe zu extrem-rechten Kreisen aufgefallen. Zu einer vielfältigen und toleranten Universität passe eine solche Burschenschaft schon lange nicht mehr.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 09.09.2020 berichtet.

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