Zahntechnische Assistentin mit einem Patienten. (Foto: IMAGO / photothek / Ute Grabowsky)

Praxen finden kaum noch Medizinische Fachangestellte

Tabea Prünte   14.08.2022 | 08:47 Uhr

Im Saarland gibt es nicht genügend medizinisches Fachpersonal für ambulante Arztpraxen. Das beklagen die Kassenärztliche Vereinigung sowie der saarländische Hausärzteverband. Grund sei unter anderem die wachsende Belastung bei sinkender Wertschätzung für den Beruf.

Den Arztpraxen im Saarland fehlen wichtige Fachkräfte: Die Kassenärztliche Vereinigung (KV), der Hausärzteverband sowie die Ärztekammer des Saarlandes sprechen von einem Mangel an Medizinischen Fachangestellten (MFA). Klare Zahlen liegen zwar nicht vor, trotzdem führen die Lücken in den Praxen so weit, dass teilweise bereits Sprechstundenzeiten reduziert werden mussten.

Markt an MFA "leergefegt"

Nach Angaben der KV gibt es in ihrer Stellenbörse aktuell 116 offene Ausschreibungen. Zwischenzeitlich seien es seit vergangenem Oktober sogar mehr als 200 gewesen.

Der Markt sei "leergefegt", stellt KV-Sprecherin Kerstin Kaiser fest. Das liege auch an zu wenigen Ausbildungsstätten und -plätzen. Die Praxen, die selbst ausbilden, behalten ihre MFA meist für sich, für andere Praxen seien kaum noch Fachkräfte übrig.

Mit finanziellen Anreizen sollen mehr Praxen dazu bewogen werden, Aus- und Weiterbildung doch intern anzubieten. KV und Ärztekammer des Saarlandes bieten außerdem Infomaterialien an, um damit in den Praxen neue Auszubildende anzuwerben.

Darin sehe die Ärztekammer des Saarlandes viel Potenzial, weil der Ausbildungsberuf noch immer beliebt sei, sagt Pressesprecher Andreas Kondziela. Ziel sei außerdem, die Abbrecherquote zu verringern und nach der Ausbildung durch Fort- und Weiterbildungen gute Karriereperspektiven zu bieten.

Mehr Belastung, weniger Wertschätzung

Dr. Michael Kulas vom saarländischen Hausärzteverband bestätigt den Mangel ebenfalls. Die Belastung sei insbesondere in den vergangenen zwei Coronajahren "extrem gewachsen". Gleichzeitig mangele es an Wertschätzung für den Berufszweig insbesondere seitens der Patientinnen und Patienten. "Die Medizinischen Fachangestellten stehen in den Praxen an erster Front und bekommen alles ab", sagt er.

Nicht selten würden MFA außerdem zu größeren Institutionen wie zum Beispiel zu Krankenhäusern oder in den öffentlichen Gesundheitsdienst wechseln. Dort sei etwa der Druck geringer, wenn man schwangerschafts- oder krankheitsbedingt ausfällt, schließlich gebe es mehr Ersatz.

Die Arbeitsbedingungen und die Wertschätzung müssten sich verbessern, dann würden sich die Mitarbeitenden ihren Praxen auch verbundener fühlen. Wertschätzung könnte auch finanziell ausgedrückt werden. Bislang können ambulante Praxen ihren Mitarbeitenden auf freiwilliger Basis einen steuerfreien Corona-Bonus von bis zu 4500 Euro zahlen. Kulas fordert aber mehr Unterstützung auch durch die Politik, so wie es etwa im Bereich der Pflege in Form eines staatlich finanzierten Corona-Bonus' schon geschehen sei.

Gesundheitsministerium weiß von Problem

Dem saarländischen Gesundheitsministerium sei der Personalmangel bekannt. Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) stuft ihn als "ernstzunehmende Entwicklung" ein. Um dem Problem entgegenzuwirken, will sich das Ministerium darauf fokussieren, den Ausbildungsberuf attraktiver zu machen. Genannt werden Fort- und Weiterbildungsangebote. Auch "Maßnahmen zur Erhöhung der Auszubildendenzahlen" sollen ergriffen werden. Weitere Details nannte das Ministerium nicht.

Über dieses Thema haben auf die SR-Hörfunknachrichten am 14.08.2022 berichtet.

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