Maggiflaschen (Foto: dpa/Patrick Seeger)

Im Saarland lebt der Mythos Maggi

Daniel Dresen   27.09.2020 | 08:45 Uhr

In keinem anderen Bundesland verbrauchen die Menschen so viel Maggi-Würze wie im Saarland, bestätigt der Hersteller Nestlé. Das Klischee über das saarländische Nationalwürzmittel scheint also zu stimmen. Doch Verbraucherschützer warnen vor dem hohen Salzgehalt.

Mit 723 Millilitern pro Haushalt liegt der Maggi-Würze-Verbrauch im Saarland bundesweit am höchsten. Die deutschen Haushalte konsumieren im Schnitt vergleichsweise nur 598 Milliliter.

Laut Hersteller Nestlé kauft die Hälfte aller saarländischen Haushalte mindestens einmal im Jahr eine Flasche Maggi. Die Zahlen stammen nach Angaben des Lebensmittelkonzerns vom Marktforschungsinstitut GfK, das die Daten zwischen Juli 2019 und Juni 2020 erhoben hat. Auch bei den saarländischen Nachbarn in Frankreich und Rheinland-Pfalz ist Maggi laut Nestlé sehr beliebt.

Teil der Industriehistorie

Dass der Verbrauch im Saarland so hoch ist, hängt auch mit der Industriegeschichte des Landes zusammen. So würzten sich insbesondere die Bergmänner früher ihre oft kargen Mahlzeiten mit ein paar Tropfen Maggi. Bis heute genießt die Würze in der braunen Flasche in weiten Teilen des Saarlandes Kultstatus und gilt im Volksmund als eine Art saarländisches Grundnahrungsmittel.

So setzt sich der saarländische Adventskranz angeblich aus einem Ringel Lyoner und vier Maggi-Flaschen zusammen. Außerdem kämpft in den Sozialen Netzwerken der selbsternannte Superheld "Captain Maggi" mit einem Augenzwinkern für den Erhalt der saarländischen Mundart sowie für die saarländische Ess- und Trinkkultur.

In Deutschland ist die Maggi-Würze nach Herstellerangaben klarer Marktführer im Bereich der flüssigen Würzmittel. Ein mögliches Erfolgsgeheimnis: Die Rezeptur der Maggi-Würze hat sich seit 130 Jahren kaum verändert.

Geschmacksverstärker regen Appetit an

Die Maggi-Würze besteht, so Nestlé, unter anderem aus rein pflanzlichem Eiweiß, Wasser, Salz und Zucker. Neben den ausgewählten Zutaten entsteht der typische Geschmack durch das Herstellungsverfahren. Bei der Herstellung kommt es zu der sogenannten Maillard-Reaktion, die der Würze ihren fleischigen, brühigen Geschmack gibt, den Experten auch als Umami bezeichnen.

Doch jeder weiß: Was schmeckt, muss nicht unbedingt gesund sein. Die Verbraucherzentrale im Saarland warnt vor dem hohen Salzgehalt der Würze. Die Ernährungsexpertin Theresia Weimar-Ehl hält es für bedenklich, dass bis zu einem Viertel eines Flascheninhalts der Maggi-Würze aus Salz besteht. Denn zu viel Salz kann zu Bluthochdruck führen.

Wer abnehmen will, sollte laut Weimar-Ehl ebenfalls nicht zur Maggi-Flasche greifen, denn die zugesetzten Geschmacksverstärker seien appetitanregend. Außerdem würde alles nach ein paar Tropfen der Würze gleich schmecken. "Besonders Kinder sollten sich nicht an den Maggi-Geschmack gewöhnen, denn mit ihm werden später im Erwachsenenalter positive Kindheitserinnerungen verbunden", so die Expertin.

Liebstöckel als Alternative

Die Verbraucherschützerin empfiehlt stattdessen, Speisen mit frischen Kräutern abzuschmecken. "Kräuter enthalten viele sekundäre Pflanzenstoffe, die einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit haben", so Weimar-Ehl. Eine Maggi-Alternative ist Liebstöckel, der umgangssprachlich auch "Maggi-Kraut" genannt wird. Wer ein Blatt Liebstöckel zwischen den Fingern zerreibt, merkt wie ein leichter Maggi-Geruch in die Nase steigt. Kuriosum: Die Maggi-Würze selbst enthält gar kein Liebstöckel.

Geschmack auch ohne Maggi möglich

Auch auf den Tischen saarländischer Restaurants und Gaststätten steht neben Pfeffer- und Salzstreuer gelegentlich eine Flasche Maggi.

Dehoga-Saarland-Präsident Michael Buchna findet, dass insbesondere gelernte Köche wissen müssen, wie sie ohne Maggi Geschmack an ihre Gerichte bringen können. Solche Hilfsmittel sind zudem zur praktischen Abschlussprüfung der Kochlehre nicht zugelassen, so Christian Heinsdorf, der Ausschussvorsitzende für Aus- und Weiterbildung beim Dehoga Saarland.

In Buchnas Landhotel Saarschleife in Orscholz werde aus Gemüseresten eine würzige Brühe gekocht, die die Basis für viele Speisen bildet. Doch privat hat selbst der Dehoga-Saarland-Präsident einen Verwendungszweck für die Industrie-Würze: "Zu Hause mache ich mir bei meinem wachsweichen Frühstücksei ein paar Tropfen Maggi drauf."

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