Nachbildung der Justitia neben einem Aktenstapel (Foto: dpa Bildfunk)

Bewährungsstrafe im „Lyonerskandal-Prozess“

Thomas Gerber / Onlinefassung: Markus Person   05.04.2019 | 16:03 Uhr

Im Prozess um den sogenannten „Lyonerskandal“ hat das Landgericht Saarbrücken gegen das angeklagte Paar Bewährungsstrafen ausgesprochen. Wegen gewerbsmäßigen Betrugs wurde die Frau zu einem Jahr und neun Monaten verurteilt, ihr Mann erhielt eine Strafe von zwei Jahren. Hinzu kommt eine Geldstrafe von insgesamt 9000 Euro.

Anfang 2015 hatte der „Lyonerskandal“ im Saarland für großes Aufsehen gesorgt - nicht nur an den Wursttheken. Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) hatte von "betrügerischen Machenschaften" gesprochen. Akut betroffen waren sieben Metzgereien im Land, die ihre Kunden danach aufriefen, bereits verkaufte Lyoner und Hausmacher in der illegalen Pelle zurückzubringen.

Zwischen 2012 und 2015 hatte das Pärchen rund 40 Tonnen französische Rinderdärme als BSE-freie südamerikanische Ware umdeklariert und nach Deutschland, Luxemburg und Italien verkauft. Die Rinderdärme aus Frankreich galten damals als Schlachtabfälle und hätten angesichts der BSE-Gefahr eigentlich kostenpflichtig entsorgt werden müssen.

Mit diesem Betrug täuschten die beiden ihre Kunden – neben sieben saarländischen Traditionsmetzgereien auch den Saarbrücker Großbetrieb Schröder Fleischwaren. Die Behörden stuften die Gesundheitsgefahr zwar als gering ein, trotzdem startete das Verbraucherschutzministerium 2015 eine Rückrufaktion. Der Großteil der Hausmacher- und Lyonerwürste war allerdings bereits verzehrt worden.

700 Kilometer Wurstware

Insgesamt ging es um enorme Mengen. Ermittler hatten ausgerechnet, dass mit den Rinderdärmen Würste in einer Gesamtlänge von knapp 700 Kilometer produziert wurden. Für die beiden Angeklagten war der Betrug ein einträgliches Geschäft. Den Metzgereien war ein Schaden von rund 250.000 Euro entstanden, diesen müssen die beiden geständigen Angeklagten nun wieder gut machen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 05.04.2019 berichtet.

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