Messtation zur Überprüfung der Luftqualität (Foto: dpa/Lino Marcel Mirgeler)

Wie sauber ist die Luft im Saarland?

Axel Wagner   21.10.2018 | 10:42 Uhr

In mehreren deutschen Städten droht ein Diesel-Fahrverbot. Im Saarland ist das bislang kein Thema, aber auch hier ist die Luft an manchen Stellen stärker mit Feinstaub, Ozon und Stickoxiden belastet. Das geht aus dem Jahresbericht des Immissionsnetzes Saar hervor. Besonders betroffen sind neben der Saarbrücker Stadtmitte auch Ottweiler und Völklingen.

Hamburg hat bereits ein Fahrverbot. Frankfurt und Stuttgart müssen es kommendes Jahr einführen, und auch Leipzig könnte ältere Diesel-Fahrzeuge in absehbarer Zeit aussperren. Und es könnte noch schlimmer kommen: In etwa 70 deutschen Städten sind die Stickoxidgrenzwerte überschritten worden. Berlin beispielsweise, wo es spätestens ab Juni 2019 ebenfalls ein Fahrverbot geben wird, verzeichnete 2017 nach den offiziellen Messungen in der Spitze 49, Stuttgart 73 Mikrogramm – deutlich über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm.

Anders sieht die Lage im Saarland aus: In Saarbrücken wird er schon seit vier Jahren eingehalten. Grund zur Entwarnung gibt es allerdings auch hier nicht, wie das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) in seinem Jahresbericht 2017 anführt: „Aufgrund der Ergebnisse der Passivmessungen von NO2 (Stickstoffdioxid) ist allerdings nicht auszuschließen, dass der NO2-Grenzwert an anderen Stellen in der Innenstadt von Saarbrücken immer noch überschritten wird.“

Ergänzung zu den offiziellen Messstellen

Solche Passivmessungen führt das Ministerium nach eigenen Angaben mithilfe von speziellen Sammlern durch. Diese enthalten ein Material, dass etwa einen Monat lang Stickstoffdioxid (NO2) aufnimmt und danach im Labor analysiert wird.

Diese Passivmessungen werden allerdings vom Immissionsnetz Saar (IMMESSA) – anders als die offiziellen Messstationen – nicht zur Grenzwertüberwachung eingesetzt. Sie liefern nur einen Mittelwert für den gesamten Monat, während die IMMESSA-Stationen mit Echtzeitdaten arbeiten und dadurch wesentlich genauer sind. Das Ministerium nutzt die Passivsammler zum Screening, also um die durchschnittliche Luftverschmutzung an einem Ort herauszufinden und mögliche Schwerpunkte zu identifizieren.

Einflüsse durch Industrie und Bebauung

So wurde beispielsweise auch in Ottweiler drei Jahre lang mit Passivsammlern gemessen, bevor das IMMESA dort im März 2018 eine Messstation in Betrieb nahm. Die Belastung mit NO2 lag dort 2017 fast so hoch wie in der Saarbrücker Stadtmitte. Das Umweltministerium führt dies auf die viel befahrene Bundesstraße 41 zurück, außerdem verhindere die straßenschluchtartige Bebauung, dass sich die Luft schlecht austauschen könne.

Der Illinger Bürgermeister Armin König (CDU) hatte vergangene Woche mehr Anstrengungen hinsichtlich der Luftqualität im Saarland gefordert und auch die Zahl der Messstationen kritisiert. So fehle etwa im durch die Industrie stark belasteten Neunkirchen eine Station. Aus dem Umweltministerium heißt es dazu, es habe dort Passivmessungen gegeben, die allerdings deutlich unter den Werten in Saarbrücken geblieben seien.

Dass sich die Luftqualität gegenüber frühen Jahren deutlich verbessert hat, wird an einem Vergleich deutlich: Mitte der neunziger Jahre lagen die Messwerte des Umweltbundesamtes in Stadtnähe noch durchweg über dem heutigen Grenzwert, der heute vielerorts eingehalten wird.

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