Das Saarbrücker Ludwigsparkstadion aus der Luft. (Foto: Alexander M. Groß/SR)

Firma verklagt Stadt nach Ludwigspark-Umbau

Thomas Gerber   04.10.2020 | 22:00 Uhr

Eine am Ludwigspark-Umbau beteiligte Firma hat nach SR-Informationen das Landgericht eingeschaltet, weil die Stadt trotz Fertigstellung der Beregnungsanlage, des Rasens und der Rasenheizung nicht zahlen wolle. Die Stadtverwaltung weist die Vorwürfe zurück und verweist auf Baumängel.

Ludwigsparkt: Rasenbaufirma verklagt Stadt
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 05.10.2020, Länge: 01:11 Min.]
Ludwigsparkt: Rasenbaufirma verklagt Stadt

Die beauftragte Gartenbaufirma hat die Stadt - beziehungsweise den Gebäudemanagementbetrieb GMS und Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) - auf zunächst knapp 200.000 Euro verklagt.

Trotz ordnungsgemäß erbrachter Leistung habe sie bislang für die beiden ersten Abschlagsrechnungen noch kein Geld erhalten. In seiner Klageschrift, die dem SR vorliegt, kündigt das Unternehmen weitere Forderungen in Höhe von ca. 250.000 Euro an.

Vorwürfe gegen Bauleiter

Rechtlicher Streit in Sachen LuPa-Rasen
Audio [SR 3, Studiogespräch: Renate Wanninger/Thomas Gerber, 05.10.2020, Länge: 03:52 Min.]
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Zugleich erhebt das Unternehmen schwere Vorwürfe gegen den mit der Bauleitung beauftragten Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft GIU Martin Welker. Welker, der neuer Baudezernent der Stadt werden soll, habe gegenüber Dritten erklärt, dass die Gartenbaufirma für ihre Leistungen kein Geld erhalte, weil er beabsichtige, Gegenforderungen zu erheben.

Zugleich habe er während der Bauarbeiten versucht, die Firma "madig zu machen" und deren finanzielle Leistungsfähigkeit in Frage gestellt. Außerdem soll Welker versucht haben, Subunternehmen an der Gartenbaufirma vorbei zu beauftragen.

Falsche Voraussetzung bei Ausschreibung?

Verantwortlich für die Schwierigkeiten bei der Verlegung des Rasens und dem Einbau der Heizung sei aber die Stadt. Bei der Ausschreibung des Auftrags sei sie von falschen Voraussetzungen ausgegangen und habe ein unzureichendes geologisches Gutachten zum Baugrund eingeholt. Dies habe für eine mehr als 8000 Quadratmeter große Fläche lediglich sechs Schürfungen durchgeführt.

Später aber habe sich herausgestellt, dass der Baugrund für den Rasen bei Weitem nicht über die erforderliche Mächtigkeit und Qualität verfüge. Deshalb habe man zusätzliche, feinkörnigere Massen einbauen müssen.

Baustillstand drohte

Wie aus der Klageschrift weiter hervorgeht, drohte Ende August ein Baustillstand. Nachdem sich Welker angeblich nicht an Absprachen gehalten hatte, drohte die Gartenbaufirma in einem Schreiben an, "die Baustelle vorerst einzustellen." Nach einem Gespräch des Anwalts der Firma mit Oberbürgermeister Conradt wurden die Arbeiten dann aber fortgesetzt.

In dem Telefonat soll Conradt erklärt haben, dass er anstrebe, dass der 1. FC Saarbrücken sein erstes Heimspiel Ende September bereits im Ludwigspark austragen könne. Differenzen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer sollten nach Abschluss der Arbeiten besprochen werden.

Stadt: Arbeiten waren mangelhaft

Der Stadtverwaltung liegt die Klage der Gartenbaufirma noch nicht vor.  Ein Sprecher sagte dem SR, man sehe der Auseinandersetzung "gelassen" entgegen. Die Arbeiten der Gartenbaufirma seien "mangel- und lückenhaft" gewesen. Sie hätten teilweise von anderen Firmen ausgeführt werden müssen, um die Rückkehr des FCS in den Ludwigspark nicht zu gefährden. Die Arbeiten seien noch nicht abgeschlossen, es existiere auch noch keine Schlussrechnung.


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Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 04.10.2020 berichtet.

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