Ein Schild zur Rezeption des LSVS, im Hintergrund die Mensa (Foto: imago/Becker&Bredel)

Skandalbilanz beim LSVS

Ein Kommentar von Thomas Gerber   08.03.2019 | 09:10 Uhr

Seit Ende 2017 beschäftigt die Finanzaffäre beim Landessportverband die saarländische Öffentlichkeit. Nach dem Urteil gegen Ex-LSVS-Präsident Klaus Meiser bilanziert Thomas Gerber den bisherigen Skandal. Dessen Aufarbeitung habe den Blick freigegeben für "eine Mélange aus Selbstbereicherung und Selbstüberschätzung, aus Kontrollverlust und Allmachtsphantasien".

Thomas Gerber (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Thomas Gerber

Gestern Urteil im Meiserprozess. Mit einer Bewährungsstrafe kam der 64-jährige Ex-Landtagspräsident davon. Wegen Untreue wurde der CDU-Politiker verurteilt, weil er unter anderem seiner Lebensgefährtin einen Nebenjob beim Landessportverband verschafft hatte. Gegen seine beiden Mitangeklagten, die Ex-LSVS-Präsidiumsmitglieder Franz Joef Schumann und Karin Nonnweiler wurden Geldstrafen von 22.500 bzw. 9.000 Euro verhängt. Noch laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft insbesondere zu dem Millionenfinanzloch beim LSVS.

22 Monate für Hauptdrahtzieher Klaus Meiser. Dessen Verteidiger spricht gar von einem "historischen Prozess", denn immerhin der Skandal um den Saarsport habe den höchsten Mann im Land aus dem Amt gekegelt. "Historisch"? - das Adjektiv könnte auch ein bisschen was mit anwaltlicher Eitelkeit zu tun haben, aber beachtliche Dimensionen hat der Fall schon. Was haben wir erlebt?

Suche nach dem Sündenbock

Zu Beginn war es der übliche Versuch, sich einen Sündenbock zu suchen. Der böse Geschäftsführer habe mit Geldverschiebungen den Schlamassel verursacht, habe das komplette Präsidium getäuscht. Das war nach einem ersten tieferen BLick in die Bücher nicht haltbar. Die Ermittlungen wegen Haushaltsuntreue laufen noch - gegen das komplette Präsidium und den Geschäftsführer.

Immer neue Details

Dann nahm der Skandal Fahrt auf. Im Wochenrhythmus kamen große und kleine "Schweinereien" ans Licht der Öffentlichkeit. Ein Minister, der billig Geburtstag feiert beim LSVS, den er beaufsichtigen soll; Doppeljob für Meisers Lebensgefährtin; Ausflüge von CDU-Dorfgrößen und und und. Dann das, was Skandalverursachern in der Regel zum Verhängnis wird: die Annehmlichkeiten des Alltags - das können Urlaube oder schöne Autos sein, hier waren es Restaurantbesuche. Insgesamt wurde der Blick frei für eine Mélange aus Selbstbereicherung und Selbstüberschätzung, aus Kontrollverlust und Allmachtsphantasien.

"Generation der uneinsichtigen Sportfunktionäre"

Perfide nannte es der Oberstaatsanwalt in seinem Plädoyer, dass die "Generation der uneinsichtigen Sportfunktionäre" - allen voran Fußballmann Schumann - dann bis zuletzt auch noch das hohe Lied des Ehrenamts sang, das durch die Ermittlungen und Verurteilungen bedroht sei. Habe er doch nie auch nur einen Cent Fahrtkosten gegenüber dem LSVS abgerechnet und sich nie persönlich bereichert. Nicht nur, dass ein Ex-Landrat und Sparkassenpräsident mit gut 8200 Euro Nettorente leicht auf die paar Cents verzichten kann, mitgespeist und nicht aufgepasst hat auch Schumann. Ehrenamtlern an der Basis schwillt angesichts solcher Äußerungen jedenfalls der Kamm.

Ehrenamtler müssen Scherbenhaufen zusammenkehren

Dass jetzt auch noch Ehrenamtler im neuen Präsidium den Scherbenhaufen zusammenkehren müssen, ist zum Eine Zumutung für die Betroffenen. Zum Anderen zeugt es erneut vom Versagen der Aufsicht. Das Ministerium hätte den Staatskommissar schicken und die notwendigen Sanierungsmaßnahmen auf seine Kappe nehmen müssen. Schließlich hat die Aufsicht über Jahrzehnte versagt. Stattdessen müssen unbescholtene Ehrenamtler 44 Mitarbeiter entlassen - sich da als Rechtsaufsicht weitgehend vom Acker zu machen, ist eine Unverschämtheit.

System Sport und Politik hat versagt

Und last but not least: Es waren nicht nur Verfehlungen einzelner, die jetzt vom Landgericht abgeurteilt wurden. Das System Sport und Politik saß mit auf der Anklagebank. Es hat versagt - beim LSVS und bei Saartoto. Noch aber soll alles fast so bleiben wie es war, Politiker streben weiter an die alsbald freiwerdenden 200.000 Euro Jobs an der Totospitze. Das Plädoyer des Oberstaatsanwalts - es hätte eine Landtagsrede des Linkenabgeordneten Flackus sein können. Das "Biotop aus Sport, Saartoto und Politik" darf nicht länger sich selbst überlassen werden. Öffentliche Kontrolle muss her! Unverdächtigster Kontrolleur in einer Demokratie ist der Landtag.

Über dieses Thema wurde auch in der SR 3-Region am Mittag vom 08.03.2019 berichtet.

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