Andreas Beicht, Lichttechniker (Foto: Privat)

Wie überleben, wenn alle Aufträge abgesagt sind?

Melina Miller   29.11.2020 | 09:48 Uhr

Seit Monaten liegen die großen Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie auf Eis - und damit auch fast alle Aufträge von Andreas Beicht. Er arbeitet seit 26 Jahren als Lichttechniker und macht sich große Sorgen um die Zukunft seiner Branche.

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen treffen viele Berufsfelder hart. Eines davon ist der Job und die Leidenschaft von Andreas Beicht. Er ist seit 26 Jahren Lichttechniker und kämpft seit Beginn der Pandemie um das Überleben in einem Beruf, in dem es im Prinzip seit Monaten so gut wie nichts zu tun gibt.

Keine Konzerte, keine Aufträge

Hauptsächlich war der 44-Jährige in der Konzertbranche tätig: für die Beleuchtung der Bühnen, der Künstler und der Veranstaltungshallen. Das alles - bis auf wenige Open-Air-Konzerte im Sommer - fällt seit März weg. "Ich habe im Sommer bei einem Open-Air einen Kollegen getroffen, der damit seinen vierten oder fünften Auftrag überhaupt in diesem Jahr erhalten hat", erzählt Beicht.

Dabei ist Lichttechniker eigentlich ein vielseitiger und breit aufgestellter Beruf. Messen, Konzerte, Diskos, Architekturbeleuchtung in Städten - überall werden Profis benötigt, die für die perfekte Ausleuchtung und das Farbkonzept sorgen. Doch von all diesen Optionen ist seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr viel übrig geblieben.

"Man hangelt sich so durch"

Beicht versucht, sich in der Zwischenzeit irgendwie über Wasser zu halten - mit Gelegenheitsjobs und den Soforthilfen, die er während des ersten Lockdowns im Frühjahr erhalten hat. Im Sommer habe er zum Beispiel mit der Beleuchtung bei Autokino-Konzerten ein wenig Geld verdienen können. "Man versucht, sich irgendwie eine Form von Nebenarbeit zu suchen - und sei es, in einem Supermarkt Regale einzuräumen." Ob das ausreicht? "Nein, definitiv nicht. Wenn ich mir im Vergleich meine Abrechungen vom letzten Jahr anschaue, kriege ich Pipi in die Augen."

Durchhaltevermögen ist gefragt

Erst 2019 hat Beicht sich selbstständig gemacht, das Geschäft lief sehr gut - vor Corona. "Ich habe sogar noch überlegt, jemanden einzustellen. Das kann ich jetzt alles in die Tonne treten." Der gute Verdienst im letzten Jahr kommt ihm aber jetzt bei der Beantragung der sogenannten "November-Hilfen" zugute, da sich diese am Umsatz des Vorjahresmonats orientieren. Ob ihm das auch über die kommenden Monate helfe, wisse er nicht. "Ich gehe davon aus, dass die Situation noch eine ganze Weile so bleibt." Bis dahin will er abwarten: "Bis es irgendwann besser wird."

Die Frage, etwas Neues zu machen, stelle sich ihm nicht. "Erst, wenn es gar nicht mehr geht. Und momentan geht es, aber mehr schlecht als recht." Das Unvermeidbare werde in die Zukunft verschoben, weil ab und zu noch ein kleiner Verdienst durch die Gelegenheitsjobs reinkomme.

Erholung in weiter Ferne

Diese Probleme betreffen nicht nur Solo-Selbstständige, sondern auch ganze Firmen. "Ich kenne natürlich auch Leute, die der Branche ganz den Rücken zukehren", sagt Beicht. Denn der Blick in die Zukunft sehe nicht gerade rosig aus. Die Absage von Veranstaltungen ziehe eine Reihe von langfristigen Auswirkungen nach sich, die jetzt noch kaum absehbar seien. So sei zum Beispiel damit zu rechnen, dass weniger Nachwuchs in die Branche einsteige oder ganze Veranstalter pleite gingen.

"Direkt das Handtuch zu werfen, kommt nicht in Frage."

Und selbst wenn große Konzerte im nächsten Jahr wieder erlaubt würden, bis sich die Branche erholen werde, gehe noch viel Zeit ins Land, sagt Beicht. Denn Veranstaltungen würden von langer Hand geplant, Hallen müssten gebucht und Bands engagiert werden. Das alles sei aber nur realistisch, wenn es sich auch lohne und das sei bei begrenzten Besucherzahlen schwierig. "Ich erwarte eigentlich, dass man frühestens im Herbst 2021 wieder über gut gefüllte Konzerte nachdenken kann." Und dennoch, Beicht gibt noch nicht auf: "Ich mache das jetzt seit 26 Jahren, direkt das Handtuch zu werfen, kommt nicht in Frage."

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