Der Homburger Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind (SPD) sitzt vor Beginn des Prozesses wegen Untreue im Landgericht.  (Foto: dpa/Oliver Dietze)

Weitere Zeugen-Aussagen im Schneidewind-Prozess

Thomas Gerber   14.01.2021 | 15:24 Uhr

Der Revisionsprozess gegen den suspendierten Homburger Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind neigt sich dem Ende entgegen. Am Donnerstag sind vor dem Landgericht vermutlich die drei letzten Zeugen zur sogenannten Detektivaffäre beim städtischen Baubetriebshof vernommen worden. In erster Instanz war Schneidewind wegen Untreue verurteilt worden.

Im Revisionsprozess rund um Schneidewind ergaben die vermutlich letzten Zeugenaussagen am Dienstag sowohl belastendes als auch entlastendes Material. Der Ortsvorsteher von Kirrberg und der damalige stellvertretende Kämmerer erklärten, Schneidewind Anfang 2015 über mutmaßliche Unregelmäßigkeiten informiert zu haben. In der Stadt und auf den Rathausfluren sei immer wieder was von einer Holzmafia beim Baubetriebshof gemunkelt worden. Zudem seien teure städtische Geräte verschwunden und durch Billigprodukte ersetzt worden.

Argumentation teilweise bestätigt

Zwar sei vieles lediglich vom "Hörensagen" bekannt gewesen, jedoch bestätigten die beiden Zeugen immerhin Schneidewinds Argumentation, dass er mit dem umstrittenen Detektiveinsatz beim Baubetriebshof habe aufräumen wollen. Der damalige Chef des Baubetriebshofs, der in die Überwachungsaktion von Schneidewind nicht eingeweiht worden war, berichtete demgegenüber von nur kleineren Vergehen seiner Mitarbeiter, wie etwa Apothekenbesuchen während der Arbeitszeit.

Und hätte Schneidewind ihn damals gefragt, dann wäre schnell klar geworden, dass etwa die von den Detektiven dokumentierten Baumfällarbeiten im benachbarten Käshofen nichts mit "Holzmafia" zu tun hatten. Gefällt worden sei vielmehr im Auftrag des Stadtmarketings. Eine Art kommunale Nachbarschaftshilfe - im Gegenzug habe Homburg wie jedes Jahr kostenlos eine stolze Fichte für den Weihnachtsmarkt bekommen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 14.01.2021 berichtet.

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