Eine junge Lehrerin schreibt an einer Schultafel. (Foto: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)

Lehrer warten monatelang auf Gehalt

Lena Schmidtke / Onlinefassung: Kasia Hummel   11.11.2021 | 16:36 Uhr

Immer wieder müssen Lehrer im Saarland längere Zeit auf ihr Gehalt warten. Betroffen sind häufig Berufseinsteiger - zum Beispiel Lehrer, die vom Referendariat in die Anstellung kommen oder die verbeamtet werden.

„Seit Ende August bin ich eingestellt, habe aber bis Mitte Oktober kein Gehalt bekommen. Und selbst dann nur einen Abschlag, also nicht alles, was mir zusteht.“ Das erzählt eine Grundschullehrerin, die Tag für Tag arbeitet, aber quasi ohne Gehalt.

Und das, nachdem sie nach dem Referendariat über die Sommerferien arbeitslos war. Sie möchte anonym bleiben, obwohl sie mit ihrem Problem nicht alleine ist.

Fälle wiederholen sich

Junge Lehrer und das Problem mit dem ersten Gehalt
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 11.11.2021, Länge: 03:15 Min.]
Junge Lehrer und das Problem mit dem ersten Gehalt

Auch im vergangenen Jahr gab es solche Fälle: Ein Lehrer, der ebenfalls anonym bleiben möchte, berichtet von ähnlichen Problemen: „Ich hatte im Juli und August kein Geld, dann kam eine Abschlagszahlung von 1000 Euro. Das war das Geld für September. 1000 Euro  für drei Monate.“

Vier Monate später wurde er auf Probe verbeamtet und musste wieder zwei Monate lang auf sein Geld warten. „Zwei Monate Ausfall, zwei Monate Gehalt, zwei Monate Ausfall.“ Als Berufseinsteiger hatte er damals wenig Puffer, musste sich Geld von den Eltern leihen, um seine Miete weiterzahlen zu können.

SLLV vermutet hohe Dunkelziffer

Es sind keine Einzelfälle: Beim Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) sind in den letzten Jahren ähnliche Anfragen von Betroffenen aus verschiedenen Schulformen eingegangen. Landesvorsitzende Lisa Brausch vermutet, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt.

„Wir wissen, dass sich die Kolleginnen und Kollegen oft nicht trauen, sich an uns zu wenden“ Sie hätten Angst, etwas falsch zu machen, was sich dann negativ auf ihre Beschäftigung auswirken könnte. Das stimme nicht, sei aber natürlich nachvollziehbar, so Brausch.

Kein neues Problem

Offenbar ist das Warten auf Gehalt nicht neu und auch kein Corona-bedingtes Problem. Was aber sagen die zuständigen Stellen dazu? Beim Ministerium für Bildung und Kultur reichen die Lehrerinnen und Lehrer Unterlagen, wie zum Beispiel ein polizeiliches Führungszeugnis und auch die Dienstantrittsmeldung, ein. Alle Unterlagen werden dann geprüft und bearbeitet.

Und das dauert, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung: „Für diesen Prozess ist eine große Sorgfalt notwendig, da mit einer Einstellung die Verbeamtung auf Lebenszeit einhergehen kann. Uns ist bekannt, dass es aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens zu Verzögerungen kommen kann.“ Warum dann zum Beispiel nicht mehr Personal eingestellt wird, lässt das Bildungsministerium aber offen.

Lange Bearbeitungszeit

Nach der Bearbeitung werden die Unterlagen dann an die zweite Stelle weitergeleitet: an die Zentrale Besoldungsstelle des Saarlandes (ZBS). Hier gebe es eine durchschnittliche Bearbeitungsdauer von zwei Wochen. Nach einem monatelangem Warten auf das Gehalt klingt das aber nicht.

Das Problem liege nicht intern, heißt es von der ZBS. „Vielfach müssen die Lehrerinnen und Lehrer auch von den Mitarbeitenden der ZBS persönlich kontaktiert und um Einreichung der fehlenden Unterlagen gebeten beziehungsweise daran erinnert sowie dazu beraten werden.“

Tatsächlich bekommen auch viele Lehrkräfte genau diese Antwort, wenn sie nach ihrem Gehalt fragen. „Ich habe manche Unterlagen gefühlt zehn Mal eingereicht.“

SLLV sieht Handlungsbedarf

Sobald die Zahlungen laufen, gebe es dann aber kein Problem mehr. Dennoch, findet die Vorsitzende des SLLV, Brausch, dass das Procedere auf den Prüfstand müsse. Das Saarland könne es sich nicht leisten, mit den jungen Kollegen, die so dringend benötigt würden, so umzugehen.

Das finden auch viele Lehrer. Für sie ist es jetzt zu spät, aber immerhin könnte es für die nächste Runde Berufseinsteiger besser werden.

Auch ein Thema in der „Region am Nachmittag“ auf SR 3 Saarlandwelle am 11.11.2021 berichtet.

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