Ein Lehrer steht im Unterricht vor der Schulklasse. (Foto: dpa/Peter Kneffel)

Lehrer: "Wir sind am Ende unserer Kräfte"

Kai Forst   18.09.2018 | 06:37 Uhr

Zu große Klassen, zu wenig Personal, zu viele Schüler mit sozial-emotionalen Problemen: Die saarländischen Lehrer fühlen sich überfordert. Mit einer Protestaktion wollen sie heute auf ihre Situation aufmerksam machen.

Mindestens 400 Lehrerinnen und Lehrer werden bei der groß angelegten Protestaktion vor der Saarbrücker Staatskanzlei erwartet. Die Grund-, Förder- und Gemeinschaftsschullehrer wollen damit auf ihre prekäre Situation in den saarländischen Klassenzimmern aufmerksam machen. Zu große Klassen, fehlende Beratungszeit, fehlende mediale Ausstattung, immer mehr Schüler mit sozial-emotionalen Störungen sowie neue Herausforderungen der Inklusion: Viele Lehrer seien am Ende ihrer Kräfte, teilte der saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) mit.

"Wir haben über 100 schulformfremde Lehrer"

SR 3-Bildungsexperte Stephan Deppen sagt in seinem Kommenar: Sie haben Recht!

Zwar habe man schon Gespräche mit der Landesregierung geführt, aber "so richtig ernst genommen fühlen wir uns nicht", sagt die SLLV-Vorsitzende Lisa Brausch. Vor allem an den Grundschulen sei die Lage ernst. Auf der Tatsache, dass derzeit alle Planstellen an den Grundschulen besetzt seien, könne man sich nicht ausruhen. "Das ist auf Kante genäht. Und man muss dazu sagen, dass wir derzeit über 100 schulformfremde Lehrer an den Grundschulen haben. Die können didaktisch nicht das, was ausgebildete Grundschullehrer können", so Brausch. Pädagogik und Didaktik seien aber das A und O in der Ausbildung der Grundschullehrer.

Immer mehr kranke Lehrer wegen zu großer Belastung

"Auf dem Papier ist alles gut"
Audio
"Auf dem Papier ist alles gut"
Im Gespräch erklärt SR 1-Bildungsexperte Stephan Deppen um was es beim Lehrerprotest geht.

Brausch weist außerdem auf den steigenden Krankenstand aufgrund der immer größer werdenden Belastungen der Lehrer hin. Körperliche aber auch psychische Probleme hätten stark zugenommen. "Und wir reden hier nicht nur von den älteren Kolleginnen und Kollegen. Auch bei den jungen tritt das immer mehr auf. Denn sie scheitern aufgrund der hohen Belastungen an ihren eigenen ideellen Vorstellungen. Sie können sie einfach nicht umsetzen", erläutert Brausch.

Um die Situation an den Schulen zu verbessern und die Lehrer zu entlasten, fordert der SLLV mehr Lehrerstellen, kleinere Klassen, mehr Beratungszeit und vor allem multiprofessionelle Teams, also ein Kollegium aus Lehrern, Sozialarbeitern, Schulpädagogen und Integrationshelfern.

Die Protestaktion "Schule am Limit" findet heute um 16.30 Uhr vor der Staatskanzlei in Saarbrücken statt.

Über dieses Thema haben auch die Hörfunknachrichten vom 17.9.2018 berichtet.

Artikel mit anderen teilen