Lehrerin im Unterricht (Foto: picture alliance / Sebastian Kahnert/dpa)

Referendariat: Hälfte aller Junglehrer geht leer aus

Kai Forst   19.01.2019 | 13:00 Uhr

Mehr als die Hälfte aller angehenden Lehrer im Saarland erhält unmittelbar nach dem Studium keinen Referendariatsplatz. Das geht aus Zahlen des Bildungsministeriums hervor. Bei den künftigen Gymnasial- und Berufsschullehrern kommt sogar nur etwa jeder vierte Hochschulabsolvent direkt ins Referendariat.

Keine Referendariatsplätze für viele Junglehrer
Audio [SR 3, Kai Forst, 19.01.2019, Länge: 00:53 Min.]
Keine Referendariatsplätze für viele Junglehrer

165 Lehrerinnen und Lehrer werden zum 1. Februar ihren Vorbereitungsdienst in den saarländischen Schulen beginnen. Um ein Referendariat beworben haben sich nach Angaben des Bildungsministeriums allerdings 354 angehende Lehrkräfte. Das heißt, mehr als die Hälfte aller Bewerber hat schulformübergreifend keinen Referendariatsplatz bekommen.

Vor allem für Absolventen, die an Gymnasien und den Oberstufen der Gemeinschaftsschulen unterrichten wollen, sieht es schlecht aus. Auf 50 Referendarsstellen zum 1. Februar kommen 187 Bewerbungen. Damit kann nur gut jeder vierte Bewerber seinen Vorbereitungsdienst auch wirklich beginnen.

"Extrem frustrierende Situation"

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"Die Ausbildung nach einem langen Studium nicht vollenden zu können, ist eine extrem frustrierende Situation. Manche bekommen zwar Aushilfsverträge, viele fallen dann in dieser Situation aber in ein tiefes Loch. Immerhin beträgt die Wartezeit nicht selten bis zu fünf Semester", sagt der Vorsitzende des saarländischen Philologenverbands, Marcus Hahn. Auch Absolventen, die ihr Studium mit einem sehr guten Notendurchschnitt beenden, müssten mit einer Absage rechnen. "Wir haben einfach mehr Bewerber als Stellen zur Verfügung stehen."

"Lehrerüberschuss an Gymnasien"

Das sagt auch der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV). „Wir haben vor allem im Bereich der Gymnasien einen deutlichen Lehrerüberschuss“, so die SLLV-Vorsitzende Lisa Brausch. Viele Studierende entschieden sich bei der Auswahl des Studiengangs für das Gymnasium und gegen die Grundschule - auch wegen der Bezahlung. „Solange wir nicht die gleiche Besoldung haben, werden sich die meisten nicht für die Grundschule bewerben. Es muss die Gleichwertigkeit der Studiengänge anerkannt werden“, sagt Brausch.

Bei den Grundschulen, die derzeit über einen akuten Lehrermangel klagen, haben aktuell alle 58 Bewerber auch eine Referendariatsstelle erhalten. Auch bei den Sonderpädagogen, die später in den Förderschulen oder inklusiv in anderen Schulformen arbeiten, können laut Ministerium alle zwölf Bewerber im Februar ihren Vorbereitungsdienst antreten. Schlechter sieht es derzeit bei den Berufsschulen aus. Zwar herrscht dort ebenso wie an den Grundschulen ein akuter Lehrermangel, dennoch haben nur 19 von insgesamt 62 Bewerbern einen Platz für ihren Vorbereitungsdienst erhalten.

Über dieses Thema wurde auch in der SR 3-Rundschau vom 19.01.2019 berichtet.

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