Studenten sitzen in einem Hörsaal (Foto: picture alliance/Uwe Anspach/dpa)

"Die Lehre nach Corona wird eine andere sein, als vor Corona"

Anne Staut   20.06.2021 | 08:59 Uhr

Die Coronapandemie hat die Lehre an den Saar-Hochschulen von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Statt Präsenzveranstaltungen gibt es seit drei Semestern größtenteils Onlineangebote. Auch über Corona hinaus könnte die Online-Lehre in Teilen erhalten bleiben.

Bereits seit mehr als einem Jahr läuft das Leben an den saarländischen Hochschulen deutlich ruhiger ab. Wegen der Coronapandemie wurde die Lehre in kürzester Zeit von Präsenz auf online umgestellt.

Der Start der Online-Lehre an der Saar-Uni lief dabei im Sommersemester 2020 ohne größere technische Probleme, so die Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Dr. Tina Hellenthal-Schorr. Und auch an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) habe man es erstaunlich gut geschafft, einen Großteil des Lehrprogramms kurzfristig auf online umzustellen, sagt der Vizepräsident für Studium, Lehre und Internationalisierung, Professor Andy Junker.

Corona als Anschub für Digitalisierung

Insgesamt hat die Pandemie die Digitalisierung an den Hochschulen kräftig vorangetrieben. "Von null auf hundert", berichten die Vorsitzenden des Allgemeinen Studierendenauschusses (AstA) an der Saar-Uni, Irini Tselios und Hannah Spies. Es sei zwar bereits zuvor geplant gewesen, etwa die Hörsäle allmählich mit Video- und Tonequipment auszustatten, aber ohne die Pandemie hätte diese Entwicklung sehr viel länger gedauert.

Auch die Lehre selbst hat sich dadurch verändert. "Es hat die Lehrenden ein bisschen dazu gezwungen, sich mit der digitalen Lehre mehr auseinanderzusetzen", sagt der Pressesprecher des AstA der HTW, Christian Boiger.

Es fehlt der persönliche Kontakt

Gleichzeitig bedeutet die Online-Lehre für Lehrende und Studierende aber auch eine große Herausforderung. Das Problem: Der persönliche Kontakt geht dabei verloren.

"Lebendige Diskussionen sind im Videochat nur schwer zu initiieren und auch die Gespräche nebenbei beim Verlassen eines Hörsaals fehlen, so dass es auch für die Dozentinnen und Dozenten in diesen Corona-Semestern schwierig war, eine persönliche Beziehung zu den Studierenden aufzubauen", so Hellenthal-Schorr.

Ähnlich sehen das auch die Studierenden: "Dem Großteil der Studierenden fehlt der Bezug zur Lehre und die Nähe zum Campus. Bei vielen Veranstaltungen geht dadurch auch der Praxisbezug verloren", erzählt Boiger. Vor allem für Erstsemester sei die Situation schwierig, weil sie weder ihre Kommilitonen noch den Campus kennen.

Viele Lehrende und Studierende wünschen sich deshalb, dass wieder Präsenzveranstaltungen stattfinden können.

Hybridlösungen für das Wintersemester

Eine Rückkehr zum vollständigen Präsenzbetrieb ist derzeit allerdings noch nicht in Sicht. Zwar ist die Präsenzlehre nach der aktuellen Coronaverordnung der saarländischen Landesregierung grundsätzlich wieder möglich, zunächst wird es aber voraussichtlich vor allem Hybridlösungen geben.

Dabei steht vor allem der Schutz von Risikogruppen im Vordergrund. Beispielsweise dürften Studierende, die noch nicht vollständig geimpft seien, nicht übergangen werden. Um allen gerecht zu werden, müsse die Lehre auch digital angeboten werden, teilte etwa der AstA der HTW Saar mit.

Was bleibt von der Online-Lehre?

Und auch über das Wintersemester hinaus können sich die Studierendenvertretungen und die Lehrenden eine Verbindung von digitaler und analoger Lehre gut vorstellen.

"Die HTW ist eine Präsenzhochschule und daran wollen wir nichts ändern. Aber wir können die Lehre weiterdenken und fit für die Zukunft machen, indem wir digitale und analoge Formen verbinden", erklärt der Vorsitzende des AstA der HTW, Lukas Achenbach.

"Wir wollen natürlich nicht, dass wenn alle geimpft sind und die Pandemie "vorbei" ist, wir alle digitalen Errungenschaften vergessen", bekräftigt auch der AstA der Saar-Uni. Alles was sich bewährt habe, solle auch erhalten bleiben.

Lehre wird sich verändern

Damit das funktioniert, müssen jedoch auch die Rahmenbedingungen stimmen. Die größte Herausforderung sei es, die Stundenpläne so zusammenzustellen, dass der Wechsel zwischen Präsenz- und Onlinelehre funktioniere, so Hellenthal-Schorr. "Es wird nicht möglich sein, erst hunderte Studierende im Hörsaal zu unterrichten und ihnen direkt im Anschluss ausreichend studentische Arbeitsplätze auf dem Campus zu bieten, um einem Live-Online-Angebot zu folgen." Die HTW Saar hat dafür bereits eine mögliche Lösung: Genau festgelegte Homeofficetage für Studierende.

Die Lehrenden müssten sich jedoch keine Sorgen machen, dass durch mehr digitale Lehrangebote Stellen gekürzt würden, geben Hellenthal-Schorr und Junker Entwarnung. Die Vorbereitung und Begleitung der Online-Lehre sei ähnlich aufwändig wie die Präsenzlehre, sogar eher anspruchsvoller.

Wie genau die Lehre in der Zukunft aussehen wird, ist derzeit noch unklar. Eine Arbeitsgruppe an der HTW beschäftige sich gerade mit möglichen Konzepten, sagt Junker. In einem Punkt ist er sich jedoch sicher: "Die Lehre nach Corona wird definitiv eine andere sein, als die Lehre vor Corona."

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