Labor (Foto: picture alliance/dpa/Sputnik)

Vierstellige Inzidenzen und weniger schwere Verläufe erwartet

  03.01.2022 | 18:02 Uhr

Alle Welt schaut auf Omikron. Rasant steigende Fallzahlen, aber viele milde Verläufe - was bedeutet das für die nächsten Monate? Die beiden saarländischen Coronaexperten Thorsten Lehr und Jürgen Rissland betonten im SR-Interview, man müsse mit sehr hohen Inzidenzen rechnen.

Professor Thorsten Lehr von der Saar-Uni sieht im derzeitigen Anstieg der Fallzahlen in Deutschland im Hinblick auf die Omikron-Variante den "Wendepunkt auf den wir schon lange warten". Er rechnet damit, dass wir auch hierzulande "sehr hohe Inzidenzen sehen werden".

Vierstelllige Inzidenzen erwartet

In Großbritannien liegt die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit unter dem Einfluss der Omikron-Variante bei rund 2000. Lehr rechnet für Deutschland ebenfalls mit "Inzidenzen im vierstelligen Bereich" und einem exponentiellen Wachstum. Letztlich hänge es aber davon ab, wie sich Politik und die Menschen verhalten und welche Maßnahmen ergriffen würden.

Probleme trotz weniger Krankenhauseinweisungen?

Auch wenn bei Omikron vieles darauf hindeutet, dass weniger Menschen damit im Krankenhaus behandelt werden müssen, so ist das für Lehr kein Grund zur Entwarnung. Man rechne zwar mit 75 Prozent weniger Krankenhauseinweisungen, "aber selbst wenn wir nur ein Viertel der Einweisungen haben, kann es kritisch werden, wenn gleichzeitig sehr viele Menschen ins Krankenhaus müssen", so Lehr.

Das betont auch der Homburger Virologe Jürgen Rissland: "Wenn man die sechs- oder siebenfache Menge an Neuinfektionen hat, darf man sich nicht wundern, wenn die Krankenhäuser volllaufen." Wie schnell unter der Einwirkung von Omikron Fallzahlen in die Höhe schießen können, sehe man aktuell am Landkreis St. Wendel, so Rissland. Dort hat ein Infizierter in einer Gaststätte offenbar zahlreiche Menschen angesteckt.

Was ändert die Omikron-Variante am Rechenmodell?
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi / Professor Thorsten Lehr , 03.01.2022, Länge: 04:00 Min.]
Was ändert die Omikron-Variante am Rechenmodell?

Quarantänezeit verkürzen?

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat eine Verkürzung der Quarantänezeit ins Gespräch gebracht. Aktuell gilt für Infizierte mit Omikron eine Zeit von 14 Tagen - auch für Geimpfte und Genesene. Andere Länder wie Frankreich haben ihre Quarantänezeiten bereits verkürzt, weil sie befürchten, dass kritische Infrastrukturen lahm gelegt werden könnten, wenn zu viele Menschen gleichzeitig in Quarantäne oder erkrankt sind.

Auch Lehr ist der Meinung, dass man kürzere Quarantänezeiten braucht: "Sieben bis zehn Tage sind realistisch." Fünf Tage hält er für riskant und nur umsetzbar mit einem PCR-Test zur Freitestung. Dafür brauche es aber genügend Labor-Kapazitäten. Wenn die Fallzahlen so stark anstiegen wie befürchtet, könne es schwierig werden.

Der Homburger Virologe Jürgen Rissland hingegen mahnt zur Vorsicht: Er rät, eine Verkürzung nur bei bestimmten Gruppen in Erwägung zu ziehen, etwa bei Geboosterten oder bei Personen, die im Bereich der kritischen Infrastruktur arbeiten. "Je länger die Quarantäne dauert, umso stärker schwächt das die Infektionsdynamik."

Übergang zur Endemie?

Lehr befürchtet zudem, dass Omikron nicht die letzte Variante sein wird, die auftritt. Neue Varianten hätten derzeit "besten Nährboden", weil es weltweit viele Neuinfektionen gebe. "Ich bin verhalten optimistisch, dass es vielleicht 2023 besser wird, aber 2022 sehe ich noch etwas Anstrengendes vor uns liegen."

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Die Virologen Christian Drosten und Jürgen Rissland haben sich mit Blick auf die Entwicklung der Corona-Pandemie verhalten optimistisch gezeigt. Rissland sagte dem SR, er erwarte durch Omikron zwar mehr Infektionen. Die Variante zeige aber überwiegend keine oder nur milde Symptome.

zum Beitrag "Rissland und Drosten verhalten optimistisch"

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