Zwei Frauen in Schutzanzügen mit Maske und Augenschutz (Foto: picture alliance / ROBIN UTRECHT | ROBIN UTRECHT)

Lehr: Variante BA.2 ein "Boost" für Corona-Infektionen

  17.03.2022 | 11:36 Uhr

Trotz höherer Temperaturen ist die Omikron-Welle im Saarland nicht ausgelaufen, sondern hat unerreichte Höchststände bei den Corona-Zahlen im Saarland gebracht. Die Subvariante BA.2 mindere die Effekte der Saisonalität, erklärt der Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr.

Zweimal in Folge Neuinfektionszahlen über der Schwelle von 4000, eine Sieben-Tage-Inzidenz von 2000: Kurz vor dem ursprünglich geplanten Ende aller tiefgreifenden Anti-Corona-Maßnahmen sind die Zahlen im Saarland auf unerreichte Höhen geklettert. Die Landesregierung hat wegen des Anstiegs bereits die Corona-Verordnung im Saarland vorerst bis zum 31. März verlängert.

Saisonal bedingt wäre zu erwarten gewesen, dass die Infektionszahlen sinken, sagt der Corona-Experten und Pharmazie-Professor Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes. Dass sie ansteigen, sei aber nicht allein auf bereits getroffenen Lockerungsmaßnahmen zurückzuführen. Maßgeblichen Anteil daran habe auch die neue Omikron-Variante BA.2, die noch ansteckender und inzwischen die vorwiegende Variante sei.

"Mit der neuen Variante führt das zu einem neuen Boost", so Lehr. Er geht davon aus, dass die Zahlen im Saarland wie auch in Deutschland bis auf Werte um 3000 und darüber ansteigen werden.

Keine ausreichende Immunität

Zudem seien im Saarland und in Deutschland noch verhältnismäßig wenige Menschen infiziert gewesen. "Das Virus findet einfach noch genug Futter", sagt Lehr. Viele Nachbarländer hätten schon relativ hohe Wellen hinter sich, so der Saarbrücker Pharmazie-Professor.

In Frankreich zum Beispiel seien bereits fast doppelt so viele Leute mit Corona infiziert gewesen als in Deutschland, das mache dann den Unterschied aus bei der potentiellen Immunität. In manchen Ländern seien auch die Impfzahlen höher.

Corona-Experte Lehr: Die Zahlen werden noch weiter steigen
Audio [SR 1, (c) SR 1, 17.03.2022, Länge: 05:02 Min.]
Corona-Experte Lehr: Die Zahlen werden noch weiter steigen

Die Jüngsten nicht mehr die größte Gruppe

Im Großen und Ganzen seien die Fälle in der Bevölkerung relativ homogen verteilt, erklärt Lehr. Die 5- bis 14-Jährigen hätten nicht mehr den größten Anteil an den Infektionen. Diese Gruppe sei auch bereits zu über 50 Prozent infiziert. In Annahme einer gewissen Dunkelziffer könne man für diese Gruppe schon von einer Durchseuchung ausgehen. Die 20- bis 30-Jährigen seien demgegenüber eher betroffen, die Älteren noch weniger.


Auch Thema auf SR 1 am 17.03.2022 in der Sendung 'SR 1 - Die Morningshow'

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