Schriftzug Mensch mit Gendersternchen, Symbolfoto Gendersprache  (Foto: IMAGO / Christian Ohde)

"Menschenrechte über aktueller Rechtschreibung"

Tabea Prünte   16.08.2022 | 11:05 Uhr

Das viel diskutierte Thema Gendern beschäftigt auch die Frauenbeauftragten im Saarland. Zu einer gemeinsamen endgültigen Position zu kommen, scheint kompliziert. Einige von ihnen äußern sich aber klar für das Gendern. Ihrer Ansicht nach schafft Sprache mehr Gleichstellung der Geschlechter.

Um in der Sprache auszudrücken, dass man alle Geschlechter mitmeint, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Während manche sagen, dazu reiche das generische Maskulinum, schlagen andere die Sternchen-Form, den Doppelpunkt oder das Binnen-I vor. Doch in der Diskussion zeigt sich: Die geschlechtergerechte Sprache ist ein Streitthema in der Gesellschaft.

Sprache und Rollenklischees

Selbst die Frauenbeauftragten im Saarland sind sich zu diesem Thema nicht einig. Miriam Altmeier-Koletzki, die für den Regionalverband Saarbrücken zuständig ist, findet, Sprache sei ein Werkzeug, um Rollenklischees entgegenzuwirken. Sie verweist vor allem auf das Landesgleichstellungsgesetz.

Zu einer aktiven Förderung der Gleichstellung der Geschlechter gehört demnach auch, dass Frauen und Männer gleichermaßen in der Sprache vorkommen. In öffentlichen Institutionen muss also für gendergerechte Sprache gesorgt werden. "Wir können aber niemandem vorschreiben, wie es in der freien Wirtschaft gemacht wird", schränkt sie ein.

Keine einheitliche Haltung

Diese Ansicht teilt sie mit den Sprecherinnen der Landesarbeitsgemeinschaft Kommunaler Frauenbeauftragten, Heike Neurohr-Kleer aus dem Landkreis Neunkirchen, Birgit Rudolf aus dem Saarpfalz-Kreis sowie Margret Schmidt für die Stadt Püttlingen. Sie positionieren sich zum Gendern, um alle Geschlechtsidentitäten mitzumeinen: So verwenden sie etwa das Gendersternchen da, "wo es präziser als geschlechtsneutrale Begriffe oder zweigeschlechtliche Doppelnennungen bezeichnet, was und wen wir meinen".

Eine einheitliche Haltung unter allen Frauenbeauftragten im Saarland gibt es aber nicht. Es sei ein "sehr breit diskutiertes Thema", sagt Altmeier-Koletzki.

Für sie und einige ihrer Kolleginnen dient etwa der Genderstern aber zwei Zielen: Einerseits werde damit sichtbar gemacht, "dass unsere etablierte Vorstellung von Geschlecht lückenhaft ist", dass es also mehr Geschlechter als das männliche und weibliche gebe. Außerdem zeige es, dass allen Geschlechtsidentitäten eine gleichwertige gesellschaftliche Stellung zukommt, und er soll die ungleich verteilten Chancen aufheben.

Menschenrechte über Rechtschreibregeln

Für die Arbeit der Frauenbeauftragten in den Verwaltungen des Saarlandes hält Altmeier-Koletzki fest, dass der Genderstern nur ein kleiner Teil geschlechtergerechter Amts- und Rechtssprache sei. "Er trägt zur Verständlichkeit und präzisen Personenbezeichnung bei."

Der Vorwurf aus sprachwissenschaftlichen Kreisen, dass für Gender-Formen noch keine allgemeinen Rechtschreibregeln gelten, sei einfach auszuhebeln: "Für die Amtssprache sollten die Menschenrechte grundsätzlich über der aktuellen Rechtschreibung stehen", sagt sie. "Zumal der Duden nur abbilden kann, was bereits üblich und verbreitet ist und nicht normativ wirkt."

Trotz des "Rechtschreibfehlers" sei also das Geschriebene weiter gültig und bindend. "Es spricht also nichts gegen die Verwendung des Gendersterns, gleichwohl aber viel dafür", lautet ihre Einschätzung sowie die einiger weiterer Frauenbeauftragter.

Zum jetzigen Stand empfiehlt die Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbeauftragten Saarland daher, Begriffe zu verwenden, die "alle Geschlechter gleichwertig ansprechen und sichtbar machen".


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