Eine Rose hängt vor der Polizeiinspektion in Kusel (Foto: picture alliance/dpa | Harald Tittel)

Andreas S. bereits wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt

mit Informationen von Thomas Gerber   03.02.2022 | 18:57 Uhr

Der ältere der beiden mutmaßlichen Polizistenmörder von Kusel, Andreas S., ist in der Vergangenheit bereits wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt worden. Wie die Staatsanwaltschaft Saarbrücken dem SR mitteilte, hatte der heute 38-Jährige 2004 einen Mann bei einer Jagd verletzt. Nach einem Bericht der Saarbrücker Zeitung (SZ) hat die Polizei inzwischen einen dritten Mann im Visier.

Bei einer gemeinsamen Hasenjagd im Raum Bexbach hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft Andreas S. Ende 2004 einen Schuss aus seiner Schrotflinte abgegeben, ohne ausreichende Sicht gehabt zu haben. Dabei habe er "versehentlich" einen Jagdkollegen am Hals, in der Brust und am Auge getroffen. Wie die Staatsanwaltschaft Saarbrücken dem SR mitteilte, musste der heute 38-Jährige dafür 2006 eine Geldstrafe von 4500 Euro zahlen.

Im Laufe des Verfahrens habe S. ein Geständnis abgelegt. Dies habe das Gericht ebenso für S. strafmindernd gewertet wie die Tatsache, dass er seinem verletzten Jagdkollegen zusätzlich ein Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro bezahlt habe.

Verurteilung wird nicht berücksichtigt

Die Staatsanwaltschaft weist ausdrücklich darauf hin, dass die Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung aus dem Jahr 2006 bereits aus dem Bundeszentralregister gelöscht sei und im aktuellen Mord-Verfahren gegen S. nicht mehr berücksichtigt werden dürfe.

Für seinen Wildfleischhandel, den er seit 2017 in Neunkirchen betreibt, war S. über Jahre Großkunde beim Landesbetrieb Saarforst. Nach Auskunft des Umweltministeriums bezog der 38-Jährige von Mitte 2017 bis Ende 2019 rund 6300 Kilogramm Wildfleisch von dort - insgesamt 442 Stück Wild im Wert von mehr als 15.000 Euro.

Jagderlaubnis im Saarforst bis 2019

Darüber hinaus hatte S. bei Saarforst Jagderlaubnisscheine erworben. Damit konnte er in drei Pirschbezirken von Saarforst, in Furpach und St. Ingbert, die Jagd ausüben.

Diese Verträge waren Mitte 2019 von Saarforst aufgrund von Unregelmäßigkeiten gekündigt worden. S. hatte unerlaubterweise Wild gekirrt (mit Nahrung angelockt) und dazu Brotabfälle aus seinem Bäckereibetrieb genutzt.

Der SWR hatte am Donnerstagmorgen bereits berichtet, dass S. in Rheinland-Pfalz in 500 fremden Jagdrevieren gewildert hatte, in den Landkreisen Kusel, Kaiserslautern und Germersheim. Fünf Strafanzeigen gegen S. wegen Wilderei wurden aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Insolvente Bäckerei-Kette

Die Bäckerei-Kette, deren Chef S. war, musste im März 2020 Insolvenz anmelden. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten hatte 2019 dem von Beobachtern als gewaltbereit beschriebenen Mann im Oktober 2019 vorgeworfen, mit den Lohnzahlungen deutlich im Rückstand zu sein. Der heute 38-Jährige bestritt damals die Vorwürfe. Eine Anklage ist anhängig.

"Dritter Mann im Visier der Ermittler"

Nach einem Bericht der Saarbrücker Zeitung ist neben Andreas S. und Florian V. nun ein dritter Mann ins Visier der Ermittler geraten. Demnach soll er Wild für den beschuldigten Andreas S. gelagert haben.

Ob er als Mittäter gesehen werde, wolle die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf laufende Ermittlungen aber nicht sagen. Die beiden mutmaßlichen Täter sollen den Mann nach der Tat um Pannenhilfe gebeten haben. Dieser Bitte solle er nachgekommen sein.

Nach SZ-Angaben wurden am Mittwoch Räumlichkeiten des Mannes durchsucht. Ein Haftbefehl sei nicht erlassen worden.

Fahndung nach Saarländer
Polizisten aus dem Saarland in Kusel getötet
In der Nacht zum Montag sind im rheinland-pfälzischen Landkreis Kusel eine Polizistin und ein Polizist erschossen worden. Beide Opfer stammten aus dem Saarland. Die Polizei hat einen tatverdächtigen Saarländer in Sulzbach festgenommen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 03.02.2022 berichtet.

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