Holzfeuer in einem Kamin (Foto: Pixabay / LAWJR)

Wie Verbraucher kurzfristig Energie und Heizkosten sparen können

Marie Kribelbauer   10.04.2022 | 09:13 Uhr

Was tun, wenn der Gashahn abgedreht wird? Das überlegen sich gerade viele Verbraucherinnen und Verbraucher im Saarland und suchen nach kurzfristige Alternativen zur herkömmlichen Gasheizung. In der Theorie gibt es viele. Welche sich davon auch kurzfristig umsetzen lassen.

Der Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Energiepreise in die Höhe schnellen lassen und Verbraucherinnen und Verbraucher aufgeschreckt. Viele überlegen jetzt, auf alternative Heizmöglichkeiten umzusteigen oder das Eigenheim energieeffizienter umzubauen, aber die Nachfrage ist hoch, Materialien und Handwerker knapp.

Doch ein paar Maßnahmen gibt es, die Verbraucher auch kurzfristig umsetzen können.

Welche kurzfristigen Lösungen gibt es?

Die Nachfrage nach Handwerkern und Heizungsbauern ist innerhalb der vergangenen Wochen nochmal gestiegen. Jetzt spontan einen Termin ergattern - das ist eher Ausnahme als Regel. Verbraucher können aber selbst tätig werden.

Wer etwa handwerklich begabt ist und privat Dämmmaterial ergattern kann, der kann sein Dach auf eigene Faust neu eindämmen, sagt Simon Spath vom SaarLorLux Umweltzentrum. Und auch mit vergleichsweise weniger Aufwand ließe sich einiges an Energie sparen.

Eine schnelle und günstige Möglichkeit seien da etwa Photovoltaik-Steckermodule. Die kosteten einige hundert Euro, ließen sich bequem auf dem Balkon installieren und könnten bei Sonnenschein einen wesentlichen Teil des Strombedarfs eines Haushaltes decken.

Verbraucher sollten außerdem alte Leuchtmittel durch LED ersetzen, so Spath. Er verweist außerdem auf bekannte Energiespar-Möglichkeiten, wie Stoßlüften und die Heizung ein paar Grad runterdrehen. Pro Grad Celsius weniger könnten Verbraucher so sechs Prozent Heizkosten einsparen.

Heizen mit Strom statt Gas – Wie sinnvoll ist das?

Soviel vorweg: Heizen mit Strom ist nicht nur ineffizienter sondern auch teurer als Heizen mit Gas – selbst wenn die Gaspreise noch weiter steigen. Grund: Anders als Gas, das in der Natur vorkommt, muss Strom erst erzeugt werden.

Es sei also keine gute Idee, jetzt das Heizsystem komplett umzustellen, zum Beispiel auf eine Elektroheizung oder Wärmepumpe, sagt Stefan Eichacker von Energie SaarLorLux - vor allem dann nicht, wenn die Gasheizung noch funktioniere.

Dann sei es besser, die Heizung optimal auf das Haus und die Wohnverhältnisse einstellen zu lassen, damit so wenig Energie wie möglich verloren gehe. Die Wahrscheinlichkeit, dafür einen Termin zu bekommen, sei auch höher, weil sie Handwerksbetriebe weniger Zeit kosten als die Installation eines neuen Gerätes.

Auch Wärmepumpen sind als Alternativen zur Gasheizung immer öfter im Gespräch. Die eigneten sich aber vor allem für gut gedämmte Häuser, also in der Regel Neubauten oder sanierte Altbestände, erklärt Versorgungstechniker Roman Salm von der Egon Salm GmbH.

Außerdem koste die Installation einer Wärmepumpe mindestens 30.000 Euro. Immerhin fördern BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) und KFW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) die Anschaffung.


Nahwärme als Energie der Zukunft?

Im Saarland gibt es durchaus Ansätze für andere Formen der Wärme- und Energiegewinnung. Wer auf lange Sicht alternativ heizen möchte, etwa mit Nahwärme, findet hier weitere Infos:

Nahwärme - Eine langfristige Gas-Alternative?
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 31.03.2022, Länge: 05:00 Min.]
Nahwärme - Eine langfristige Gas-Alternative?


Auftragsbücher von Brennholzhandel und Ofenbauern quellen über

Bei der Firma Brennstoffe SaarPfalz, Fagus Holzhandel GmbH in Merchweiler stehen seit Wochen die Telefone nicht mehr still. „Ab dem Tag des Einmarschs Russlands in die Ukraine war bei uns die Hölle los. Ich habe an einem einzigen Tag 192 Anrufe gezählt – alles Kunden, die nach Brennholz gefragt haben“, erzählt Beatrice Bremerich-Scheidt etwas heiser. Mittlerweile habe sie jeden Tag immer noch zwischen 50 und 70 Kunden am Telefon.

Aktuell sei die Nachfrage nach Brennholz so groß, dass die Firma Kunden auf lange Wartelisten schreiben müsse, weil es gerade nicht genug Holz gebe. Bis die Holzscheite im eigenen Kamin lodern, könnten dann schon mehrere Wochen bis Monate vergehen.

Zum 1. April habe die Firma außerdem den Holzpreis wieder erhöht, weil die Lieferung durch die hohen Spritpreise mittlerweile doppelt so viel koste wie vor dem Krieg. Beatrice Bremerich-Scheidt rät Kunden, eher langfristig zu planen und das für die kalten Monate benötigte Brennholz schon rechtzeitig im August zu bestellen.

Auch wer jetzt einen Pellet- oder Holzofen installieren lassen möchte, muss mit Wartezeiten rechnen, sagt Stefanie Merziger von Kamin & Design Wack in Saarbrücken: „Seit einigen Wochen ist die Nachfrage nach Kaminöfen extrem gestiegen. Mittlerweile bediene ich zwischen acht und zehn Kunden pro Tag – vorher waren es vielleicht zwei.“

Merzigers Kunden fragten vor allem nach freistehenden Kaminöfen. Die kosteten zwischen 4000 und 6000 Euro aber hätten mittlerweile Lieferzeiten bis in den Dezember. Dazu bräuchten Vorbesichtigung, Aufbau und Inbetriebnahme eine gewisse Vorlaufzeit.

Alternative zur Gasheizung: Kaminofen aus dem Baumarkt?

In den saarländischen Baumärkten oder im Netz bekommt man Kaminöfen schon ab einigen hundert Euro und viele sind sogar direkt verfügbar. Schornsteinfeger-Innungsmeister Eric Scherer erlebt gerade häufig, dass sich Verbraucher einen günstigen Kamin kaufen. Der sei zwar genauso zugelassen wie der vom Ofenbauer, würde aber weniger lang halten und sei nicht so hochwertig.

Egal ob Baumarkt-Kamin oder Profi-Gerät - Bevor man ihn das erste mal benutzt, muss der Bezirksschornsteinfeger den Ofen abnehmen. Damit das problemlos klappt, sei es besonders wichtig, sich schon vor der Anschaffung vom Schornsteinfeger beraten zu lassen, so Scherer. Bei fehlerhaftem Aufbau auf eigene Faust könnten für den Verbraucher nämlich erhebliche Gefahren entstehen: Rußbrand oder Kohlenmonoxid-Vergiftung seien nur einige davon.

Laut Einschätzung von Eric Scherer kann ein Ofen aus dem Baumarkt eine einfache und schnelle Lösung sein, um Gas zu sparen, allerdings empfiehlt er das nur als Übergangslösung. Auf lange Sicht sollten Verbraucher überlegen, wie sie in Zukunft heizen wollen.

Zu wenig Handwerker, keine Rohstoffe

Insbesondere bei Altbauten kann es sich lohnen, das Haus energieeffizient zu sanieren. Durch neue Fenster, eine neu gedämmte Decke oder ein frisch eingedecktes Dach können Verbraucher viel Energie sparen. Allerdings sei die Situation am Bau nach wie vor relativ dramatisch, schildert Kirsten Schilt von der AGV Bau.

Viele Rohstoffe für die Herstellung von Dachbaumaterial kommen aus den Regionen, die am Krieg beteiligt sind. So könnten etwa Dachziegel aus der Ukraine nicht mehr geliefert werden und auch Dämmmaterialien gebe es zu wenig. Dazu kommt, dass die Auftragsbücher der Handwerkerfirmen aus allen Nähten platzen. Sein Haus energiesparend umzubauen ist also keine spontane Option, dafür aber eine langfristige.

Wer langfristig Energie sparen und auf alternative Heizformen umsteigen möchte, der findet hier weitere Informationen:

Gut zu wissen
Langfristiges Energiesparen - Umstieg auf erneuerbare Energien  
Die Energiepreise steigen und steigen – nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine. Doch der anhaltende Konflikt und die Diskussionen über einen möglichen Importstopp von Öl und Gas aus Russland sorgen dafür, dass die Preise für Energie weiter nach oben schnellen. Vielen Eigenheimbesitzern drängt sich nun die Frage auf: Welche Alternativen habe ich zu meiner Öl- oder Gasheizung?

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja