Die Eckfahne eines Kunstrasenplatzes (Foto: dpa/Fredrik von Erichsen)

Mikroplastik: Die Gefahr im Kunstrasen

Kai Forst   14.04.2019 | 08:39 Uhr

Kunstrasenplätze boomen in Deutschland seit vielen Jahren. Neue Zahlen geben allerdings Anlass zur Sorge. Forscher haben herausgefunden, dass durch Granulat auf den Sportplätzen Tausende Tonnen Mikroplastik in die Umwelt gelangen - mehr als durch die Kosmetikindustrie. Der Grüne Bundestagsabgeordnete Markus Tressel fordert ein Umdenken.

Immer bespielbar, kostengünstig und ein im Verhältnis geringer Pflegeaufwand: Kunstrasenplätze sind für den Breitensport in Deutschland seit vielen Jahren das Maß aller Dinge. Über die Nachteile wird allerdings selten gesprochen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen haben nun bedenkliche Zahlen veröffentlicht.

Nach ihren Berechnungen sind Sportplätze die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland. Den größten Anteil daran haben vor allem die Fußball-Kunstrasenplätze. Den Wissenschaftlern zufolge gelangen in Deutschland durch Sportplätze rund 11.000 Tonnen Mikroplastik im Jahr in die Umwelt. Das ist siebenmal so viel wie durch Kosmetikprodukte.

Das Granulat ist das Problem

Das größte Problem dabei sind weniger die Plastikgrashalme, sondern vielmehr das Kunststoffgranulat, mit dem der Rasen aufgefüllt wird. „Wenn es schneit oder stark regnet und die Plätze zum Teil überschwemmt werden, gelangen die kleinen Plastikkügelchen zum Beispiel ins Abwasser oder in umliegende Bäche oder Flüsse und schließlich auch in die Meere“, sagt die Wissenschaftlerin Leandra Hamann vom Umsicht-Institut. Andererseits blieben auch unzählige der Kügelchen an der Kleidung haften und gelangten über Waschmaschinen in die Umwelt.

Bei den Fußballverbänden hat man dieses Problem noch nicht auf dem Schirm. Noch im Februar forderte der inzwischen zurückgetretene DFB-Präsident Reinhard Grindel mehr Kunstrasenplätze in Deutschland. Im Saarland gibt es derzeit nach Angaben des saarländischen Fußballverbandes (SFV) 121 Kunstrasenplätze von insgesamt 411 Sportplätzen. „Diese Diskussion ist natürlich jetzt neu. Wir schauen uns das jetzt in Ruhe an. Der DFB wird sich dieser Sache annehmen“, sagt SFV-Geschäftsführer Andreas Schwinn. Er könne aber in der jüngsten Vergangenheit bei den Vereinen eine "kleine Trendwende" wieder hin zu Naturrasen feststellen.

Tressel: "Brauchen Alternativen zum Kunststoffgranulat"

Für den Grünen-Bundestagsabgeordneten Markus Tressel sind die neuen Zahlen des Fraunhofer-Instituts „ein Riesenthema“. „Mikroplastik, das in die Meere und dadurch auch in die Nahrungskette gelangt. Man muss überlegen, wie man in Zukunft damit umgeht.“ Das sei nicht von heute auf morgen umsetzbar. Aber es müssten für die Zukunft Alternativen zu dem Kunststoffgranulat gefunden werden.

„Biologisch abbaubare Granulate wie zum Beispiel Kork wären vielleicht eine Möglichkeit, um die Umwelt nicht weiter zu belasten.“ Zudem müsse man künftig verhindern, dass die Granulate ungehindert in die Natur gelangten. „Neue oder zu sanierende Plätze brauchen einen geschlossenen Bewässerungskreislauf und einen Verwehungsschutz“, so Tressel. Die Landesregierung müsse langfristig dafür sorgen, dass nur solche Plätze gefördert würden, die solche Vorgaben auch erfüllten.

Kork, Wasser oder Sand?

Neben Granulat aus Kork gibt es auch Kunstrasen ohne Granulatfüllung für zum Beispiel Hockey oder American Football. Diese Kunstrasenart wird nass bespielt. Der Rasen wird vor dem Spiel und in der Halbzeit gewässert, um Verletzungen zu vermeiden. Auch würden Sandfüllungen für zum Beispiel Golfplätze oder ein Mix aus Gummigranulat und Sand eingesetzt. Darauf hatte der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages bereits 2017 in einer Veröffentlichung hingewiesen.

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