Krankenhäuser im Saarland: Diakonisches Klinikum in Neunkirchen (Foto: Pasquale D’Angiolillo)

Kritik an Verkauf des Diakonie Krankenhauses

Nelly Theobald / Onlinefassung: Anne Staut   08.06.2020 | 20:10 Uhr

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert die Pläne der Stadt Neunkirchen auch die letzten Anteile am Diakonie Krankenhaus an den Träger zu verkaufen. Um die Gesundheitsversorgung in Neunkirchen zu sichern, müsse das Krankenhaus erhalten werden. Unterdessen fordern die Saar-Grünen einen Krankenhausgipfel.

"Die Stadt löst das recht einfach und entzieht sich ihrer Verantwortung", sagte der Pflegebeauftragte der Gewerkschaft Verdi, Michael Quetting. Vor fünf Jahren hätte die Gewerkschaft einen harten Abwehrkampf der Beschäftigten geführt, den sie leider verloren hätte, weil sich die Mehrheit des Rates für den Verkauf ausgesprochen habe. Das sei ein Fehler gewesen.

Video [aktueller bericht, 08.06.2020, Länge: 3:38 Min.]
Mögliches Aus für Neunkircher Krankenhaus

 

Die Stadt erklärte, das Krankenhaus sei nicht ohne Grund verkauft worden. Es habe sich finanziell nicht dargestellt. Beim Verkauf wurde festgehalten, dass der kirchliche Träger 25 Millionen Euro in den Standort Neunkirchen investieren soll. Für die Stadt sind mehrere Optionen möglich – auch ein Neubau ist bislang nicht vom Tisch.

Diakonie steht zu Versorgungsauftrag

Zurzeit gibt es neben dem größeren Diakonie Krankenhaus noch das Fliedner Krankenhaus vom gleichen Träger, sowie die Marienhausklinik Kohlhof in Neunkirchen. Die Kreuznacher Diakonie teilte am Montag auf SR-Anfrage mit, dass sie zu ihrem Versorgungsauftrag im Saarland stehe. Wenn so viele Krankenhäuser, vor allem die kleineren vor nicht allein lösbaren Herausforderungen stünden, könne man nicht von trägerspezifischen Einzelfällen sprechen. Hier brauche es politische Weichenstellungen in Bund und Land.

Das Gesundheitsministerium forderte den Träger auf, einen Plan aufzuzeigen, was er zukünftig vorhat, auch am Evangelischen Krankenhaus in Saarbrücken. Ein Gesprächstermin sei für Ende Juni vereinbart.

Grüne fordern Krankenhausgipfel

Anlässlich der möglichen Schließung des Diakonie Krankenhauses in Neunkirchen fordern die Saar-Grünen einen Krankenhausgipfel. "Die Krankenhauslandschaft im Saarland ist in Aufruhr, Standorte stehen zur Disposition, an anderen wird die Schließung angekündigt, dann wieder zurückgerudert", so Grünen-Landeschef Markus Tressel. Das Gesundheitsministerium müsse dieses Wirrwarr sortieren und einen politischen Plan entwickeln. Der bestehende Krankenhausplan könne dafür keine Grundlage mehr sein.

Die Unordnung in der Versorgungslandschaft sorge für Verdruss und Unsicherheit. Es müsse eine Debatte über eine zukunftsfähige Krankenhausversorgung geben. Dabei sollte auch die Frage geklärt werden, was die öffentliche Hand leisten kann, wenn andere Träger die Versorgung nicht mehr übernehmen könnten oder wollten.

Auch die Linksfraktion im Landtag sieht die Landesregierung in der Pflicht. Sie müsse eine Krankenhausplanung auf den Weg bringen, die eine gute Krankenhausversorgung möglichst wohnortnah sicherstelle und den Investionsstau an den Kliniken auflöse.

Über dieses Thema hat auch der "aktuelle bericht" am 08.06.2020 im SR Fernsehen berichtet.

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