Polizeibeamte stehen an einer Absperrung an der Kreisstraße 22, rund einen Kilometer von dem Tatort entfernt, an dem zwei Polizeibeamte durch Schüsse getötet wurden (Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Tatvorwurf in Kusel: Mord, um Wilderei zu verdecken

  01.02.2022 | 18:36 Uhr

Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten bei Kusel gehen die Ermittler davon aus, dass die beiden Verdächtigen mit der Tat Wilderei verdecken wollten. Ihnen wird gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft Rheinland-Pfalz wirft den beiden verdächtigen Männern, die zwei Polizisten nahe Kusel getötet haben sollen, gemeinschaftlichen Mord vor. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag sagten die Ermittler, die beiden Männer aus dem Saarland hätten damit den Tatbestand Wilderei verdecken wollen. Im Wagen der mutmaßlichen Täter wurde auch erlegtes Wild gefunden. Es gebe Hinweise, dass beide gewerblich und professionell gewildert hätten.

Video [aktueller bericht, 01.02.2022, Länge: 1:49 Min.]
Gedenken an verstorbenen Polizisten und Polizeianwärterin

Nach derzeitigem Stand gehen die Ermittler von zwei Tatwaffen aus, einer Schrotflinte und einem Jagdgewehr. Beide Verdächtigen sollen auf die Beamten geschossen haben, sowohl der 38-jährige Andreas S. als auch der 32-jährige Florian V.

Andreas S. sei bereits wegen Jagdwilderei und Verkehrsunfallflucht polizeilich bekannt gewesen, Florian V. wegen Betrugsdelikten. Beide seien aber noch nicht vorbestraft.

32-Jähriger gibt nur Wilderei zu

Der 32-jährige V. habe Schüsse beschrieben, bestreitet den Angaben zufolge allerdings, selbst geschossen zu haben. Er habe aber die Wilderei eingeräumt. Andreas S. habe von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht.

Laut Ermittlern ist die Polizistin mit einem Schuss aus der Schrotflinte getötet worden, der Polizeibeamte mit vier Schüssen. Der Staatsanwalt bestätigte auf Nachfrage, es habe sich zum Teil um Kopfschüsse gehandelt.

Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr

Oberstaatsanwalt Stefan Orthen sagte auf der Pressekonferenz, der Ermittlungsrichter am Amtsgericht Kaiserslautern habe gegen beide Verdächtigen am Dienstagmorgen Haftbefehl erlassen. Sie befinden sich nun in Untersuchungshaft.

Diese wurde angeordnet, weil bei beiden Beschuldigten aufgrund ihrer wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse Fluchtgefahr bestehe.

Video [aktueller bericht, 01.02.2022, Länge: 4:15 Min.]
Saarländer wegen Mordverdacht in Haft

Details zur Tatnacht

Heiner Schmolzi vom Polizeipräsidium Westpfalz hatte zuvor die bisherigen Erkenntnisse zur Tat beschrieben.

Die 24 Jahre alte Polizeianwärterin und der 29-jährige Oberkommissar waren als Zivilstreife unterwegs, um ein Eigentumsdelikt aufzuklären. Um kurz nach 4.00 Uhr teilten sie per Funk mit, unabhängig davon "dubiose Personen" festgestellt zu haben, deren Wagen voller Wild sei.

Kurze Zeit später hätten sie per Funk informiert, dass auf sie geschossen werde und Verstärkung angefordert. Später eingetroffene Unterstützungskräfte fanden die Polizeibeamtin bereits tot, ihren Kollegen schwer verletzt und angeschossen.

Der 29-Jährige habe noch 14 Mal geschossen, nach bisherigen Erkenntnissen sei aber keiner der beiden Verdächtigen getroffen worden. Die Täter seien mit dem Auto geflüchtet.

Führerschein und Ausweis gefunden

Einsatzkräfte fanden Personalausweis und Führerschein des Tatverdächtigen Andreas S., danach hätten rheinland-pfälzische und saarländische Ermittler Häuser und Fahrzeuge zur Überprüfung identifiziert.

Melanie Morbach vom Landespolizeipräsidium Saarland sagte, daraufhin hätten sich zwei Wohnobjekte in Sulzbach als wahrscheinlicher Aufenthaltsort herauskristallisiert.

Spezialeinsatzkräfte aus beiden Bundesländern hätten dann gegen 17.00 Uhr am Montag Andreas S. ohne Widerstand festgenommen, nachdem er seine Wohnung verließ.

Der 32-jährige zweite Verdächtige sei danach in der Wohnung ebenfalls ohne Widerstand festgenommen worden.

Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, fand die Polizei bei einer Hausdurchsuchung in Spiesen-Elversberg fünf Kurzwaffen, ein Repetiergewehr, zehn weitere Langwaffen, eine Armbrust sowie einen Schalldämpfer und Munition.

Im Haus des zweiten Tatverdächtigen seien zwei Langwaffen entdeckt worden, hieß es. Hinweise auf eine politisch motivierte Tat oder etwa Verbindungen in die sogenannte Reichsbürgerszene gibt es nach Angaben der Ermittler nicht.

Derzeit keine weiteren Beschuldigten

Im Rahmen der Pressekonferenz bestätigte die Polizei, dass es am Montag auch in anderen Orten im Saarland Durchsuchungen gegeben habe - etwa in Neunkirchen.

Hierbei sei es darum gegangen, mögliche Aufenthaltsorte der gesuchten Personen zu identifizieren. Die Personen, bei denen die Durchsuchungen stattfanden, stünden in keinem Zusammenhang zu der Tat.


Verteidiger eines Verdächtigen bestätigt
Haftbefehl gegen beide Tatverdächtige im Fall Kusel
Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten im Landkreis Kusel ist gegen beide Tatverdächtigen Haftbefehl erlassen worden. Das teilte der Verteidiger des mutmaßlichen Mittäters dem SR mit.

Nach Tötung zweier Polizisten
Tatverdächtiger Saarländer in Sulzbach festgenommen
Nach der Tötung zweier Polizisten im rheinland-pfälzischen Landkreis Kusel hat die Polizei in Sulzbach zwei Männer festgenommen. Nach einem war zuvor öffentlich gefahndet worden. Die beiden Opfer stammten ebenfalls aus dem Saarland.

Fahndung nach Saarländer
Polizisten aus dem Saarland in Kusel getötet
In der Nacht zum Montag sind im rheinland-pfälzischen Landkreis Kusel eine Polizistin und ein Polizist erschossen worden. Beide Opfer stammten aus dem Saarland. Die Polizei hat einen tatverdächtigen Saarländer in Sulzbach festgenommen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 01.02.2022 berichtet.

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