Ein Mädchen wird von einer Zahnärztin behandelt. (Foto: dpa/Patrick Pleul)

Viele Kinder leiden unter Kreidezähnen

Jessica Becker   15.07.2018 | 15:14 Uhr

Die Freude ist groß, wenn bei Kindern die bleibenden Zähne durchbrechen. Doch getrübt wird sie, wenn die Zähne statt strahlend weiß, fleckig und porös sind. Oft gehen mit den sogenannten Kreidezähnen auch Zahnschmerzen einher, die den Kindern den Alltag manchmal schwer machen.

Kreidezähne (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation/MIH) (Foto: Prof. Norbert Krämer)
Kreidezähne

Knapp ein Drittel aller Kinder hat Kreidezähne. Das belegt die aktuelle Deutsche Mundgesundheitsstudie. Mediziner sprechen von Molare-Inszisivev-Hypomineralisation (MIH). Es handelt sich dabei um "eine Mineralisationsstörung des Zahnschmelzes", wie Anna Langenfeld, Zahnärztin in der Praxis Bahr und Bahr Wallerfangen, erklärt. Dabei geht es um eine Fehlbildung, bei der der Zahnschmelz nicht richtig mineralisiert wird. Das heißt, Mineralstoffe werden nicht richtig im Schmelz eingelagert. Die Störung betrifft bleibende Zähne, eher selten Milchzähne. Sie tritt im Kindesalter auf. Ein späteres Auftreten ist nicht möglich, da der Schmelz bereits entwickelt ist, bevor die zweiten Zähne durchbrechen.

"Prävention ist schwierig"

Seit rund 30 Jahren ist die Fehlbildung bekannt. Welche Ursachen MIH hat, ist unklar. Für Kinder mit Kreidezähnen ist das oft ein langer Leidensweg. Laut Zahnarztpraxis Bahr und Bahr ist die Prävention schwierig. Mehrere Faktoren spielen eine Rolle. Möglicherweise trägt der Weichmacher Bisphenol A mit Schuld, der beispielsweise zur Beschichtung von Lebensmittelkonserven eingesetzt wird. Daher rät die Zahnärztin: "Babies sollte man keine Milch aus Plastikflaschen geben!" Außerdem gehören wohl auch familiäre Faktoren zu den Ursachen. Kinder sind an den Zähnen oft kälte- beziehungsweise berührungsempfindlich. Daher kann Zähne putzen mit Schmerzen verbunden sein. Das kann auch die Behandlung erschweren.

Wenn die Kreidezähne noch nicht stark ausgeprägt sind, werden die Backenzähne fluoridiert. Das heißt, sie werden zum Schutz vor Karies versiegelt. "Es kommt immer auf den Schweregrad an, wie man therapiert", wie die Zahnärztin erläutert. Bei starker Ausprägung ist eine engmaschige Kontrolle notwendig und der betroffene Zahn wird mit einer Füllung versehen. Doch das ist nicht einfach, da Füllungen in Kreidezähnen oft nicht halten. Im schlimmsten Fall müssen betroffene Zähne gezogen werden. "Das machen wir aber nur in Rücksprache mit den Eltern und Kieferorthopäden, wenn eine Entzündung im Nervenbereich vorliegt", erklärt die Zahnärztin.

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