Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Foto: Imago/Eibner)

Wie Corona-Fälle die kritische Infrastruktur belasten

Tabea Prünte   25.03.2022 | 14:00 Uhr

Seit Wochen wirkt sich die Omikron-Welle auch auf die sogenannte kritische Infrastruktur im Saarland aus. Und die Corona-Fallzahlen steigen weiter und sorgen für Lücken in den Dienstplänen. In manchen Bereichen können die Ausfälle noch kompensiert werden, in anderen gibt es bereits Einschränkungen.

Trotz Frühlingsanfang und steigenden Temperaturen bewegen sich die Corona-Fallzahlen im Saarland seit Wochen auch weiterhin einem hohen Niveau. Erkrankungen und Quarantäneanordnungen sorgen in vielen Bereichen für Personalengpässe.

Die kritische Infrastruktur im Saarland, zu der zum Beispiel die Polizei oder die Energie- und Wasserversorgung gehören, bleibt davon nicht unverschont. Nachdem schon Anfang Februar coronabedingt teils das Personal knapp wurde, hat sich die Lage in den besonders betroffenen Bereichen kaum entspannt.

Personalausfälle in Pflegeheimen

Weiterhin schwierig zeichnet sich das Bild zum Beispiel im Bereich der Pflege ab. In den Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) stagniere der Krankenstand "nach wie vor auf einem hohen Niveau", so Sprecher Jürgen Nieser. In den Caritas-Heimen im Saarland bewege sich der Anteil der Mitarbeitenden, die krank oder in Quarantäne sind, durchschnittlich zwischen zehn und 15 Prozent.

Sowohl die AWO, die Caritas sowie der Saarländische Schwesternverband gaben an, dass die Arbeit nur zu bewältigen sei, indem die Mitarbeitenden seit Monaten Mehrarbeit leisteten. Dies sei nur durch Verzicht auf Urlaub und Freizeit möglich, erklärt AWO-Sprecher Nieser. "Die daraus entstehende Belastung ist für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr hoch."

Durch das Engagement der Mitarbeitenden in den Einrichtungen sei die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner aber gesichert.

Ambulante Pflege coronagebeutelt

Bei der ambulanten Pflege sieht die Lage kaum anders aus. "Wenn Corona nicht wäre, wäre es auf jeden Fall einfacher", ist sich Sabine Schreiner, stellvertretende Vorsitzende vom Arbeiter-Samariter-Bund im Saarland, sicher. Rund 20 Prozent der Mitarbeitenden fielen krankheits- oder quarantänebedingt aus.

Wenn diese Ausfälle nicht durch die Mehrarbeit der verbleibenden Angestellten kompensiert werden können, müsse man einzelnen Klientinnen und Klienten auch mal absagen, sagt Schreiner. Natürlich geschehe dies nur nach Abwägung der Möglichkeiten und enger Absprache mit den Angehörigen - sei jedoch nicht vollständig zu vermeiden.

Klinikum verschiebt planbare OPs

Da auch im Klinikum Saarbrücken viel Personal ausfällt, steigt hier ebenfalls für die verbleibenden Mitarbeitenden die Arbeitslast. Das sei "in der aktuellen Situation unvermeidlich", heißt es aus der Pressestelle des Klinikums. So seien am vergangenen Mittwoch etwa knapp 15 Prozent der Belegschaft ausgefallen - etwa die Hälfte davon aufgrund von Quarantäneanordnungen.

Zudem müssten planbare Untersuchungen und Operationen teils verschoben werden - dazu sehe man sich "durch die Personalsituation gezwungen".

Ähnlich sieht die Situation auch in den anderen Krankenhäusern im Saarland aus. "Die Kliniken im Land stehen mit dem Rücken zur Wand", sagte der Geschäftsführer der Saarländischen Krankenhausgesellschaft Thomas Jakobs im SR-Gespräch. Dringende Behandlungen sowie die Akut- und Notfallversorgung seien am Klinikum Saarbrücken "selbstverständlich" sichergestellt.

Feuerwehr und Polizei noch einsatzbereit

Bei den Feuerwehren im Saarland seien laut Innenministerium hingegen noch keine übermäßigen coronabedingten Personalausfälle zu verzeichnen und dementsprechend seien alle Standorte noch einsatzbereit. Sollte sich die Lage zuspitzen, würden eventuelle Ausfälle durch benachbarte Feuerwehreinheiten kompensiert.

Bei der Polizei waren Ende vergangener Woche 180 Beamtinnen und Beamte in Quarantäne. Selbst für den Fall, dass es zu noch größeren Personalausfällen kommen sollte, bliebe die Polizei aber einsatzbereit. Dafür seien Notfallkonzepte entwickelt worden, die aus einsatztaktischen Gründen jedoch nicht konkret offengelegt werden.

Quarantäne-Lage in Kitas und Schulen angespannt

Von den hohen Corona-Fallzahlen sind auch die Schulen im Saarland betroffen. Anfang der Woche waren es landesweit mehr als 500 Lehrkräfte in Quarantäne. Das Bildungsministerium teilt zwar mit, dass "ein tägliches pädagogisches Angebot" an den Schulen im Saarland "auf jeden Fall" gesichert sei. Allerdings müsse der Unterricht einzelner Klassen bei zu hohem Personalausfall wieder auf Homeschooling verlegt werden.

Die Krankenquote in den Einrichtungen der evangelischen Kitas liegt laut dem Vorstandsvorsitzenden Lutz Albersdörfer im März bislang bei 15 Prozent - "das ist immens". Bei gewissen Einrichtungen sei es unvermeidbar, die Betreuungszeiten einzuschränken, einzelne Kitas müssten an einzelnen Tagen sogar ganz geschlossen bleiben. Die Situation ändere sich aber täglich.

ÖPNV ohne Einschränkungen

Ohne Einschränkungen und damit planmäßig funktioniere derzeit noch der öffentliche Nahverkehr im Saarland. Dem Verkehrsministerium zufolge leiden zwar vereinzelte Verkehrsunternehmen unter einer "höheren Anzahl" von Mitarbeitenden, die sich in Quarantäne befinden, "dies führte bisher jedoch nicht zu Leistungsausfällen im Saarland".

Bei der Saarbahn verzeichne man allerdings einen "stark zunehmenden" Krankenstand, teilten die Stadtwerke Saarbrücken mit. Aktuell führe dies aber "noch" nicht zu krankheitsbedingten Ausfällen.

Energie- und Wasserversorgung gesichert

Ebenfalls keine gravierenden Probleme gibt es derzeit bei der Energie- und Wasserversorgung. Der Regelbetrieb könne noch vollständig aufrechterhalten werden. Trotzdem stellen die Stadtwerke Saarbrücken auch hier einen leicht erhöhten Krankenstand "quer durch den Konzern" fest.

Hinzu kämen vereinzelte Quarantäneanordnungen oder Betreuungslücken bei Fällen in Kindergärten oder Schulen der Kinder der Mitarbeitenden. Kritisch sei die Personallage aber nicht.

Personalausfall bei Abfallentsorgung "nicht betriebseinschränkend"

Neben der Energie- und Wasserversorgung ist auch die Abfallentsorgung Teil der kritischen Infrastruktur. Beim Entsorgungsverband Saar seien die allgemein gestiegenen Infektionszahlen "natürlich" in allen Bereichen "deutlich spürbar". Jedoch sei man trotzdem weiterhin handlungsfähig und könne den anfallenden Aufgaben noch nachkommen, was auch "dem großen Engagement" der beauftragten Entsorgungsunternehmen zu verdanken sei.

Zuständig für die Stadt Saarbrücken ist zum Beispiel der Zentrale Kommunale Entsorgungsverband (ZKE). Laut Sprecherin Judith Pirrot seien dort durchschnittlich zehn bis 15 Personen in Quarantäne, was bei rund 500 Beschäftigten jedoch "nicht betriebseinschränkend" sei.

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