Frau kratzt sich am Arm (Foto: imago/blickwinkel)

Krätze auf dem Vormarsch

Sandra Schick   05.02.2019 | 18:00 Uhr

Im Saarland erkranken immer mehr Menschen an Krätze. Vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen breitet sich die ansteckende Hautkrankheit zunehmend aus. Im Regionalverband Saarbrücken hat sich im vergangenen Jahr die Zahl der gemeldeten Fälle mehr als verdoppelt.

Früher kannte man die Krätze als Krankheit, die vor allem Soldaten befiel. Sogar Napoleon soll einst unter ihr gelitten haben. Nach den großen Weltkriegen war Krätze auch in Deutschland weit verbreitet. Danach war es ruhiger um sie. Allerdings war sie - entgegen vieler Meinungen - nie ganz ausgerottet. "Es gab Zeiten, in denen kam sie selten vor und war genauen Gruppen zuzuordnen, wie beispielsweise Obdachlosen", sagt Hautarzt Dirk Landwehr SR.de.

Heute ist das anders. Die Zahl der Krätze-Fälle hat wieder zugenommen. "In unserer Praxis haben wir täglich mit Fällen von Krätze zu tun", sagt Landwehr. Beim Gesundheitsamt des Regionalverbands Saarbrücken hat sich die Zahl der gemeldeten Krätze-Erkrankungen seit 2016 jedes Jahr verdoppelt. Im vergangenen Jahr wurden 96 Erkrankungen gemeldet. Allein im Januar dieses Jahres gab es bereits über 20 bestätigte Fälle. Im Landkreis Saarlouis gab es im Jahr 2017 einen starken Anstieg von Erkrankungen. Damals wurden 47 Fälle beim Gesundheitsamt gemeldet.

Krätze-Erkrankungen im Saarland

Dabei gehen die Gesundheitsämter noch von weitaus höheren Zahlen aus. Denn meldepflichtig sind nur Fälle, die in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen oder Pflegeheimen auftreten. Einzelne Erkrankungsfälle, die Ärzte feststellen, werden nicht gemeldet.

Migration begünstigt Ausbreitung

Aber woher kommt diese starke Zunahme? Verursacht wird die ansteckende Hautkrankheit, die im Fachjargon "Skabies" genannt wird, von Milben. Sie graben sich in die obere Hornschicht der Haut ein und legen dort ihre Eier ab. Ihre Ausscheidungen und Eier verursachen den starken Juckreiz. Übertragen werden die Milben durch Hautkontakt von Mensch zu Mensch.

Was ist Krätze?

Die Skabies (Krätze) ist eine durch die Skabiesmilbe verursachte ansteckende Hautkrankheit. Symptome treten erst nach vier bis sechs Wochen aufgrund der Reaktion des Immunsystems auf Eier und Ausscheidungen der Milben auf. Krankheitszeichen sind Brennen der Haut und Juckreiz, der besonders nachts stark ausgeprägt ist, stecknadelgroße Bläschen, gerötete Knötchen oder Pusteln.
Quelle: Robert-Koch-Institut

Experten sind sich einig, dass die Migrations- und Fluchtbewegungen auch ein Grund dafür sind, warum sich die Krätzmilben wieder stärker verbreiten konnten. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) kommt es bei Migrationsbewegungen häufiger zu Krätze-Ausbrüchen. "Einerseits stammen insbesondere Asylsuchende häufig aus Ländern, in denen die Prävalenz der Skabies hoch ist, andererseits erhöhen die Verhältnisse während der Flucht das Risiko, dass Krätzemilben von einer Person auf andere Personen übertragen werden", so das RKI.
Hautarzt Landwehr erklärt: "Immer, wenn viele Menschen auf engem Raum und unter unhygienischen Bedingungen zusammen leben müssen, findet die Milbe optimale Bedingungen vor." Das sei bei Flüchtlingen zum Beispiel der Fall, wenn sie längere Zeit in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht seien. Ebenso bei Soldaten in Kriegseinsätzen. Dabei bedeute Krätze aber nicht automatisch, dass die betroffenen Menschen unhygienisch sind. Auch eine gute Körperhygiene könne eine Infektion nicht vollständig verhindern. Zudem sei Krätze eine vergleichsweise harmlose Erkrankung, die man gut behandeln könne.

Krätze-FAQ:

Häufige Fragen und Irrtümer zum Thema Krätze
Über Krätze kursieren viele Gerüchte und Halbwahrheiten. Wir haben die häufigsten Fragen und Irrtümer zusammengefasst.

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