Die Richterbank eines Saals im Landgericht Saarbrücken. (Foto: dpa/Oliver Dietze)

Sachbearbeiter erhält Bewährungsstrafe

Thomas Gerber   19.12.2019 | 18:11 Uhr

Milde Strafen in der Korruptionsaffäre beim Regionalverband Saarbrücken. Der Sachbearbeiter, der beim Gesundheitsamt landesweit für die Genehmigung von Bordellbetrieben zuständig war, bekam wegen Bestechlichkeit eine Bewährungsstrafe von 21 Monaten. Sein Komplize erhielt zwei Jahre und einen Monat wegen Bestechung sowie Waffenbesitzes und Drogenhandels.

Kollegengespräch: "Korruptions-Prekariat"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Simin Sadeghi /Thomas Gerber, 20.12.2019, Länge: 04:02 Min.]
Kollegengespräch: "Korruptions-Prekariat"

Bordelle, Milieu und Korruption - normalerweise ist das der Bereich OK: organisierte Kriminalität. Die beiden Blieskasteler aber gingen alles andere als organisiert und professionell vor, als sie versuchten von Bordellbetreibern Geld für die Genehmigung ihrer Etablissements zu erpressen.

Und das ging so: Der Sachbearbeiter, ein studierter Jurist, nannte seinem Kumpel Adressen von Bordellen. Die suchte dieser auf und bot sich an, gegen Honorar bei der Beantragung der Genehmigungen behilflich zu sein. Die Anträge würden dann wohlwollend im Regionalverband geprüft.

Haftbefehle aufgehoben

In einigen wenigen Fällen funktionierte die Masche. Es wurden insgesamt knapp 8000 Euro gezahlt. Als der Komplize jedoch an echte Rotlichtgrößen geriet, blitzte er ab. Die Betreiberin des Homburger Zauberhäuschens schaltete gar die Polizei ein.

Die hörte Telefone ab - hatte am Ende leichtes Spiel. Sämtliche Einzelheiten zu den Erpressungsversuchen, aber auch zum Drogenhandel des Komplizen, der eine kleine Marihuanaplantage betrieb, wurden so bekannt. Von organisierter Kriminalität letztlich keine Spur - der Staatsanwalt nannte die beiden Korruptionsamateure, ein Verteidiger sprach gar von Korruptionsprekariat.

Die Haftbefehle gegen beide wurden aufgehoben. Sie kamen noch im Gerichtssaal auf freien Fuß.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 19.12.2019 berichtet.

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