Jemand wird mit einem Lauskamm behandelt (Foto: dpa)

Die Kopflaus kehrt zurück: Was tun?

Felicitas Fehrer   30.08.2018 | 09:03 Uhr

Es juckt, krabbelt und kriecht: Die Kopflaus-Saison steht vor der Tür. Was tun, wenn's das eigene Kind erwischt hat? Ist es wirklich notwendig, das ganze Kinderzimmer links zu machen und alle Kuscheltiere in die Tiefkühltruhe zu stecken? Ein Kinderarzt gibt Antworten.

Kopflausbefall ist auf der ganzen Welt verbreitet und kommt zu jeder Jahreszeit vor - bei uns insbesondere von September bis Oktober. Besonders in Kindergärten und Schulen kommt es immer wieder zum Auftreten von Kopfläusen, weil es hier vermehrt zu Kopf-Kontakt kommt, zum Beispiel beim Spielen.

"Kopfläuse sind etwa zwei bis drei Millimeter große Parasiten, die nur von Mensch zu Mensch übertragen werden", erklärt Holger Wahl, Kinderarzt aus Saarbrücken. Die kleinen Tierchen ernähren sich ausschließlich von menschlichem Blut, denn sie können nur dieses verarbeiten. Das Blut von Tieren ist für die Kopflaus nicht interessant.

Wie erkennt man eine Kopflaus?

Klagt das Kind über juckende Kopfhaut - übrigens eine allergische Reaktion auf den Speichel der Läuse - oder sind kleine, weiße Pünktchen am Haaransatz zu sehen, sollte man die Haare mit einem Läusekamm aus der Apotheke feucht auskämmen. "Davor wäscht man die Haare am besten mit Shampoo und Conditioner und kämmt sie so, dass sie flach am Kopf anliegen - vom Ansatz bis in die Spitzen", sagt Wahl. Besonders sorgfältig sollte man an den Schläfen, hinter den Ohren und im Nacken suchen.

Wenn sich dann auf dem Kamm kleine Krabbeltiere oder winzige weiße Eier ablagern, muss gehandelt werden. "Das Infektionsschutzgesetz legt fest, dass sämtliche Gemeinschaftseinrichtungen umgehend informiert werden müssen, damit andere Eltern ihre Kinder auf Kopfläuse untersuchen und sie anschließend behandeln können", sagt Wahl.

Festgestellt werde der Befall oftmals erst, wenn sich die Kopfläuse nach einem Lebenszyklus von drei Wochen vermehrt haben und Nissen vorhanden seien.

Von der Nisse zur Laus

Kopfläuse leben ungefähr vier Wochen. In dieser Zeit durchlaufen sie drei Entwicklungsstadien:

Nisse: Die weißen, etwa 0,8 Millimeter langen, ovalen Lauseier heißen Nissen. Die werden in maximal einem Zentimeter Entfernung zur Kopfhaut abgelegt. Oft werden sie auf den ersten Blick mit Haarschuppen verwechselt, aber der Unterschied ist, dass sie sich weder abschütteln noch einfach rauswaschen lassen.

Larve: Wenn die Nisse die Eihülle abstößt, beginnt sie langsam, sich fortzubewegen. In diesem Stadium fangen die kleinen Larven auch direkt an, Blut zu saugen.

Geschlechtsreife Laus: Nach etwa zehn Tagen sind die Parasiten ausgewachsen und legen erneut ihre Eier auf der Kopfhaut ab - in ihrer gesamten Lebensdauer etwa 140 bis 300 Stück.

Die richtige Behandlung

In jedem Fall sollten Kinder mit einem Läuseshampoo behandelt werden - die gibt es in der Apotheke. Bei Kindern unter zwölf Jahren können diese Mittel ärztlich verordnet werden und werden von den Krankenkassen übernommen.
Ziel ist es, geschlechtsreife Läuse und Larven wirksam abzutöten. "Da die Nissen dabei oft nur bedingt erreicht werden, ist eine zweite Behandlung nach acht bis zehn Tagen empfehlenswert", sagt Wahl. In diesem Zeitraum sind alle Larven aus den Eiern geschlüpft.

Wahl empfiehlt zusätzlich, das Kopfkissen des Kindes bei mindestens 60 Grad zu waschen und eventuell das Lieblingskuscheltier für ein paar Stunden in die Tiefkühltruhe zu legen. Das gesamte Kinderzimmer auf den Kopf zu stellen, sei jedoch nicht notwendig. Denn Kopfläuse überleben ohne ihren menschlichen Wirt nur wenige Stunden. Auf einem Teddybären beispielsweise finden sie keine Nahrung und können somit nicht überleben. Wird das Kuscheltier allerdings in weniger als zwei Stunden weitergegeben, kann eine Ansteckung nicht ausgeschlossen werden.

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