Ein Luftfiltergerät steht in einem Klassenraum. (Foto: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich)

Großteil der Kommunen beantragt keine Luftfilter

Hannah Reichhart   14.05.2021 | 15:26 Uhr

Die Kommunen und Landkreise im Saarland nutzen die Fördermittel des Landes für Luftfilter-Anlagen in Schulen immer noch sehr zögerlich. Vor zwei Wochen hatte Innenminister Bouillon erneut dazu aufgerufen. Rund zwei Drittel der Kommunen haben bislang keine Anträge gestellt.

Von den rund 2,5 Millionen Euro ungenutzten Fördermitteln, auf die Innenminister Klaus Bouillon (CDU) vor zwei Wochen hingewiesen hatte, ist noch nicht viel abgerufen worden. Seit der Pressekonferenz sind nur neun neue Anträge zur Förderung von Luftfilteranlagen in Schulen und Kitas eingegangen. Das hat das Innenministerium auf SR-Anfrage mitgeteilt.

Großteil der Kommunen beantragt keine Luftfilter
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 11.05.2021, Länge: 03:03 Min.]
Großteil der Kommunen beantragt keine Luftfilter

15 Kommunen haben Anträge gestellt

Nur 15 der 52 saarländischen Kommunen haben Förderanträge für die Grundschulen, deren Träger sie sind, gestellt. Bei den kommunalen Kitas sieht die Quote noch schlechter aus. Hier sind lediglich Anträge von fünf Städten und Gemeinden eingegangen.

Auf stichprobenartige Nachfrage des SR erklärten die meisten Kommunen, dass nur Geräte für Räume, die nicht ausreichend gelüftet werden könnten, gefördert würden. Weil das in ihren Schulen aber der Fall sei, wären sie nicht antragsberechtigt. So antworteten etwa Saarlouis, Lebach, Homburg, Sankt Ingbert, Neunkirchen und Ottweiler.  

Saarbrücken hat eine Förderung für 269 Geräte erhalten. Auf 29 städtische Grundschulen in der Landeshauptstadt kommen also im Schnitt knapp neun Luftfilter - verhältnismäßig viele. Nach Angaben der Stadt sollen vor allem ältere Gebäude damit ausgestattet werden, in denen nicht alle Fenster geöffnet werden können. Alle Räume seien vorab ausführlich analysiert worden.

Die Stadt Sulzbach verweist darauf, dass sie im vergangenen Herbst in der Grundschule Mellin die Fenster erneuert hat, um Querlüften zu ermöglichen, anstatt Luftfilter anzuschaffen.

Hohe Kosten für Instandhaltung

Ein weiterer Grund für die zögerliche Beantragung könnten aber auch die Folgekosten sein. Die Luftfiltergeräte müssen instandgehalten werden. Das müssten die Kommunen selbst bezahlen. Die Stadt Neunkirchen erklärte, dass diese nicht unbeträchtlichen Kosten auch eine Rolle bei der Entscheidung gegen Luftfilter gespielt hätten. Auch Homburg verwies darauf, dass bei einer Vollausstattung der Grundschulen so eine hohe Summe auf die Stadt zugekommen wäre. Bei der Entscheidung über einen Förderantrag hätte das aber keine Rolle gespielt.

Die Landkreise sind als Träger der weiterführenden, Berufs- und Förderschulen für mehr Schulen verantwortlich als die Kommunen. Bis auf den Kreis Neunkirchen haben zwar alle Förderanträge gestellt, meist aber nur für wenige Geräte.

Geräte unpraktisch

So hat etwa der Landkreis Saarlouis als zweitgrößter Träger für seine 28 Schulen nur Förderung für sechs Geräte beantragt. Diese seien probeweise im Einsatz, hätten sich aber als sehr sperrig und nicht flexibel einsetzbar erwiesen, teilte der Kreis mit.

Auch der Regionalverband als größter Schulträger im Saarland, der für 48 Schulen sieben Geräte angeschafft hat, betrachtet die Luftfilter für den Einsatz im Unterricht als unpraktisch. Der Lärm, den die Geräte verursachen, würde in etwa dem eines Fernsehers entsprechen.

Genaue Analyse

Genauso wie die Kommunen erklärten die meisten Kreise außerdem, dass in ihren Schulen ausreichend gelüftet werden könne und deswegen nicht mehr Geräte beantragt wurden.

Im Kreis Sankt Wendel kommen allerdings auf jede Schule im Schnitt fünf Geräte - er hat deutlich mehr beantragt als die anderen Landkreise. Ähnlich wie bei der Stadt Saarbrücken sei hier eine genaue Analyse der Lüftungssituation in den Klassenräumen vorausgegangen. Mit der Hilfe eines energietechnischen Beraters habe der Bedarf genau bestimmt werden können.  


Beantragte Luftfilter für weiterführende Schulen

Die Landkreise sind Träger der weiterführenden, Berufs- und Förderschulen. Fünf von sechs Landkreisen haben eine Förderung für Luftfilter beantragt. Insgesamt wurden 74 Geräte gefördert.


Beantragte Luftfilter für Grundschulen

Von den 52 Kommunen als Träger der Grundschulen haben 15 eine Förderung für Luftfilter beantragt - insgesamt für 423 Geräte. Das hat das Innenministerium mitgeteilt. Die Stadt Sankt Wendel hat nach eigenen Angaben für ihre vier Grundschulen 40 Geräte selbst beschafft.

Regionalverband Saarbrücken

  • Völklingen: 6 kommunale Grundschulen - 1 Geräte
  • Kleinblittersdorf: 3 kommunale Grundschulen - 2 Geräte (noch nicht bewilligt)
  • Püttlingen: 3 kommunale Grundschulen - 25 Geräte (noch nicht bewilligt)
  • Stadt Saarbrücken: 29 kommunale Grundschulen - 269 Geräte

Landkreis St. Wendel

  • Tholey: 2 kommunale Grundschulen - 7 Geräte

Landkreis Saarlouis

  • Überherrn: 2 kommunale Grundschulen - 10 Geräte
  • Wallerfangen: 2 kommunale Grundschulen - 3 Geräte
  • Dillingen: 4 kommunale Grundschulen - 8 Geräte
  • Rehlingen-Siersburg: 3 kommunale Grundschulen - 11 Geräte

Landkreis Merzig-Wadern

  • Stadt Wadern: 3 kommunale Grundschulen - 25 Geräte
  • Mettlach: 1 kommunale Grundschule - 1 Gerät

Landkreis Neunkirchen

  • Schiffweiler: 3 kommunale Grunschulen - 30 Geräte
  • Merchweiler: 2 kommunale Grundschulen - 30 Geräte (noch nicht bewilligt)
  • Eppelborn: 4 kommunale Grundschulen - noch ohne genaue Anzahl (noch nicht bewilligt)

Saarpfalz-Kreis

  • Mandelbachtal: 1 kommunale Grundschule - 1 Gerät


Beantragte Luftfilter für Kitas

Nach Angaben des Innenministeriums haben fünf der 52 Kommunen eine Förderung für Luftfilter in Kitas beantragt - insgesamt für 118 Geräte.

Regionalverband Saarbrücken

  • Stadt Saarbrücken: 20 kommunale Kitas - 78 Geräte
  • Quierschied: 4 kommunale Kitas - 4 Geräte
  • Püttlingen: 3 kommunale Kitas - 27 Geräte (noch nicht bewilligt)

Landkreis St. Wendel

  • Nohfelden: 4 kommunale Kitas - 2 Geräte
  • Tholey: 3 kommunale Kitas - 7 Geräte

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir den Antrag der Gemeinde Quierschied versehentlich doppelt gezählt. Sie hat aber nur einen Antrag für ihre Kitas gestellt, nicht auch für Grundschulen.

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