Thomas Gerber (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Einen Bärendienst erwiesen"

Thomas Gerber   09.10.2020 | 15:44 Uhr

Im Umfeld der Polizeihochschule in Göttelborn wurde offenbar eine nicht genehmigte Examensfeier veranstaltet. Eine Studentin war coronainfiziert, 109 Examensteilnehmer wurden in Quarantäne geschickt. Dazu ein Kommentar von Thomas Gerber.

Kommentar: "Illegales Partytreiben unter Regie der DPolG"
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 09.10.2020, Länge: 02:07 Min.]
Kommentar: "Illegales Partytreiben unter Regie der DPolG"

Egal ob die Fete nun tatsächlich zum Super-Spreader wird - was sich da nicht direkt auf dem Gelände, aber doch in unmittelbarer Nähe zur Polizeihochschule ereignete, ist hanebüchen, lässt einen am Verstand der Beteiligten zweifeln. Ausgerechnet diejenigen, die das Einhalten der COVID-Regeln kontrollieren und auch durchsetzen sollen, machen Coronaparty. Was sich die Studierenden dabei gedacht haben, bleibt deren Geheimnis.

Wobei man für die jungen Leute noch ein gewisses Verständnis haben kann. Denn immerhin: Es war ihre Abschlussklausur, auf die sie sich seit Wochen vorbereitet haben. Das kennt jeder das Gefühl - endlich habe ich es geschafft -, eine Befreiung macht sich breit, und das Gefühl will ausgelebt werden. Gänzlich idiotisch aber ist das, was die Deutsche Polizeigewerkschaft in Göttelborn veranstaltete. Deren Vorsitzender Sascha Alles ist nicht nur gestandener Polizeibeamter, sondern auch noch im Präsidium zuständig für Aus- und Fortbildung.

Sicherheit spielte nachgeordnete Rolle

Im Vorfeld des Examenstermins hatte es gar noch ein Gespräch mit dem Hochschulleiter gegeben, bei dem vereinbart wurde, auf die sonst üblichen Grillabende für die neuen Kollegen nach deren Abschlussklausur zu verzichten. Auch sollten keine Werbe-Flyer verteilt werden, um Schmierinfektionen zu vermeiden. Auf Bitten der Studierenden, sagt Alles, habe man sich dann entschieden, außerhalb des FH-Geländes Flaschenbier auszuschenken. Selbstverständlich mit Maske für die gewerkschaftlichen Thekenkräfte, sagt Alles, der zwischenzeitlich etwas kleinlaut wirkt und das so nicht mehr machen würde.

Aber klar scheint: Da ist das gewerkschaftliche Eigeninteresse mit der DPolG durchgegangen, die Sicherheit spielte angesichts der vielen jungen potentiellen Neumitglieder eine nachgeordnete Rolle. Bei der Polizei nennt man ältere Beamte, die sich um junge Kollegen kümmern, "Bärenführer". Dem Vertrauen in die Saarpolizei und auch ihrer Gewerkschaft aber hat die DPolG mit ihrer Coronaparty einen Bärendienst erwiesen. Auch wenn nicht ersichtlich war, dass da eine aktiv infizierte mitschunkelte: Das illegale Partytreiben unter Regie der DPolG ist einfach nur zum Kopfschütteln.

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