SR -Reporter Stephan Deppen (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

ADAC – ein Altherrenclub im Umbruch

Stephan Deppen   25.06.2020 | 19:18 Uhr

Mit rund 300.000 Mitgliedern ist der ADAC Saarland stark aufgestellt – aber es ist nicht mehr alles so harmonisch. Unter anderem gibt es Probleme bei der Tochtergesellschaft SFW. Doch die Vereinsführung ist bemüht, die Dinge zu ordnen. Außerdem ist seit Mittwoch erstmals eine Frau im Vorstand des ADAC Saarland. SR3-Reporter Stephan Deppen kommentiert.

Nein, Dr. Martina Scheer ist keine Quotenfrau im Herrenclub ADAC. Sie ist Fachfrau für Touristik, leitet seit Jahren die Tourist-Information Sankt Wendeler Land und ist im Saarland bestens vernetzt. Die touristische Schlagkraft des ADAC wird durch ihre Vorstandstätigkeit sicherlich gestärkt. Dass aber erst im Jahr 2020 erstmals eine Frau im Vorstand des ADAC landet, zeigt allerdings, dass manche Entwicklungen in dem Verein etwas länger dauern als in anderen Organisationen. Aber immerhin!

Video [aktueller bericht, 25.06.2020, Länge: 2:57 Min.]
Mitgliederversammlung des ADAC Saar

Positiv auch der formale Umgang mit den finanziellen Fragen rund um die ADAC-Tochter SFW. Bis die staatsanwaltschaftlichen Prüfungen wegen möglicher Veruntreuung und Insolvenzverschleppung abgeschlossen sind, wird die Entlastung des bisherigen Vorstandes ausgesetzt. Das ist in Ordnung.

Kommentar: ADAC - ein Altherrenclub im Umbruch
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 25.06.2020, Länge: 02:40 Min.]
Kommentar: ADAC - ein Altherrenclub im Umbruch

Aber sind die Aktivitäten der SFW auch noch in Ordnung? Ist es in Ordnung, dass der eingetragene Verein das finanzielle Risiko in Höhe von mehreren hunderttausend Euro für das Rallye-Engagement der Tochter trägt? Ein Engagement, das ein bisschen aus der Zeit gefallen scheint.

Klar – alle Touristiker sagen, die Rallye mit WM-Status bringe Millionen Umsätze, der Rallye-Tross sorge für volle Hotels und ausgabefreudige Fans. Zum Wohle des Saarlandes und seiner touristischen Infrastruktur.

Selbst, wenn es so ist: Ist das der Tourismus des 21. Jahrhunderts? Mit 300 PS starken Kleinwagen durch Weinberge bolzen? Eher nicht. Und angesichts des Defizits ist ja die wirtschaftliche Bilanz auch nicht dazu angetan, Kritiker der Rallye-Aktivitäten zu bekehren.

Mitgliederversammlung am Mittwoch
ADAC-Vorstand noch nicht entlastet [25.06.2020]

Nun herrscht derzeit coronabedingt auch im Motorsport buchstäblich Ruhe. Gelegenheit, in sich zu gehen und die Strategie zu überdenken: Ist Motorsport in der geschilderten Weise noch zeitgemäß? Was könnte eine weniger polarisierende Alternative sein? Die vielleicht sogar auch als überregionales Event Menschen ins Saarland lockt? Womöglich sogar, ohne den Verein hunderttausende Euro zu kosten, weil die in einer landespolitisch initiierten Rallye-Euphorie aufgestellten Rechnungen nicht aufgegangen sind?

Die Debatte um ein Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen hat gezeigt, dass selbst der ADAC in der Lage ist, lange gepflegte Positionen zu überdenken und sich anders, breiter aufzustellen. Die Wahl einer Frau in den Vorstand ist ein weiterer Beleg dafür. Aber die Kontroverse um Tochter SWF zeigt auch, dass sich Kursänderungen beim ADAC niemals abrupt, sondern mit Bedacht ankündigen – nur: Die grundsätzliche Debatte über Sinn oder Unsinn des Rallyesports in der bisherigen Form ist in vollem Gange – jedenfalls außerhalb des ADAC.

Über dieses Thema hat auch der SR 3-Feierabend am 25.06.2020 berichtet.

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