100 Tage nach Unterzeichnung des Cannabis-Gesetzes (Foto: SR)

Ärzte wehren sich gegen Kollings Cannabis-Kritik

  08.01.2019 | 21:11 Uhr

Verordnen saarländische Ärzte zu viele Cannabis-Medikamente? Dieser Meinung ist Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling und übt Kritik. Die Ärzteschaft wehrt sich. Jede Verordnung werde sorgsam geprüft.

Interview: "Ich hätte mir einen konstruktiven Dialog und keine öffentliche Polemik gewünscht"
Audio [SR 3, 09.01.2019, Länge: 04:28 Min.]
Interview: "Ich hätte mir einen konstruktiven Dialog und keine öffentliche Polemik gewünscht"

"Die Saar-Ärzteschaft verordnet zu großzügig“, so der Vorwurf Kollings in der Saarbrücker Zeitung. Zudem seien die Kriterien für einen medizinischen Einsatz des Rauschmittels nicht klar genug definiert. Kolling bezieht sich bei seiner Kritik auf eine Studie der Techniker Krankenkasse. Demnach wurde 2017 im Saarland 209 Mal pro 100.000 Einwohnern Cannabis aus medizinischen Gründen verschrieben. In Mecklenburg-Vorpommern waren es hingegen nur 52, in Sachsen 96.

Jede Verordnung wird geprüft

Video [aktueller bericht, 08.01.2019, Länge: 3:23 Min.]
Verordnen saarländische Ärzte zu viel Cannabis?

Ärztekammer-Präsident Josef Mischo weist den Vorwurf des CDU-Politikers zurück. Jede Verordnung des zuständigen Arztes werde zusätzlich von der Krankenkasse geprüft, sagte er im SR-Fernsehen. "Gegen den Vorwurf der Beihilfe zum Missbrauch würde ich mich entschieden wehren wollen. Es sind fachkundige Ärzte, die das notwendige Fachwissen haben. Als Kammer haben wir überhaupt keine Hinweis, dass ein Missbrauch betrieben wird", so Mischo.

Palliativmediziner Sven Gottschling vom Zentrum für Palliativmedizin und Schmerztherapie der Homburger Uniklinik weist zudem daraufhin, dass bei Cannabis und der Verschreibung von Cannabinoiden differenzieren muss. "Die Unterscheidung ist mir wichtig: Wir verordnen nicht Cannabis, also nicht Blüten zum Rauchen, sondern cannabisbasierte Medikamente. Wir tun das wohlüberlegt, wenn wir Erkrankungen haben, die durch keine andere Therapie wirkungsvoll zu lindern sind", erklärt Gottschling.

Kommentar

"Zu kurz gesprungen, Herr Staatssekretär!"
Audio [SR 3, (c) Steffani Balle, 09.01.2019, Länge: 02:42 Min.]
"Zu kurz gesprungen, Herr Staatssekretär!"
Der Staatssekretär im Gesundheitsministerium Stephan Kolling hatte in einem Interview beklagt, dass Ärzte im Saarland offenbar zu schnell Cannabis verordnen. Dagegen wehren sich Palliativ- und Schmerzmediziner. Ein Kommentar von SR-Reporterin Steffani Balle.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht am 8.1.2019 berichtet.

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