Ein Mitglied des medizinischen Personals geht auf dem Korridor der Intensivstation eines Krankenhauses entlang. (Foto: picture alliance/ZUMA Press/Claudio Furlan)

Kein Normalbetrieb in Kliniken in Sicht

  05.09.2020 | 08:43 Uhr

In den Krankenhäusern im Saarland ist immer noch kein Normalbetrieb in Sicht. Dafür sei die Bettenbelegung noch immer zu gering, teilte die saarländische Krankenhausgesellschaft auf SR-Anfrage mit. Das sei vor allem auf ängstliche Patienten und die Hygienekonzepte zurückzuführen.

Die Auslastung liege derzeit bei 66,9 Prozent, sagte der Geschäftsführer der saarländischen Krankenhausgesellschaft, Thomas Jakobs, dem SR. 2018 seien die Betten zu diesem Zeitpunkt zu 81 Prozent belegt gewesen. Von Regelbetrieb könne daher keine Rede sein. Auch in absehbarer Zeit würden Zahlen um die 80 Prozent nicht erreicht werden können. Das sei auf ausbleibende Patienten und gestiegene Hygieneanforderungen zurückzuführen.

„Patienten sind zögerlich und ängstlich“

„Die Patienten sind immer noch zögerlich und ängstlich. Offenbar befürchten sie, sich im Krankenhaus schneller mit dem Coronavirus zu infizieren“, sagte Jakobs. Bedenklich sei es, dass viele Patienten mit Symptomen für Schlaganfall und Herzinfarkt immer noch zögerten, ein Krankenhaus aufzusuchen.

Zudem machten es die Hygienekonzepte unmöglich, zu einem Normalbetrieb zurückzukehren. Ein Drei-Bett-Zimmer könne beispielsweise dadurch nicht normal belegt werden.

Gut auf zweite Welle vorbereitet

Mit Blick auf eine mögliche zweite Corona-Welle sehen sich die Kliniken indes gut gerüstet. Durch „klinikindividuelle Hygienekonzepte“ sei es möglich, dass die Krankenhäuser bei ansteigenden Infektionszahlen in kurzer Zeit ausreichend Behandlungskapazitäten schaffen könnten, so Jakobs. Zusätzlich aufgebaute Intensivkapazitäten könnten innerhalb von 72 Stunden personalisiert und in Betrieb genommen werden.

„Wir sind inzwischen organisatorisch besser aufgestellt und kennen das Virus ein bisschen besser. Die Routinen haben sich eingeschliffen. Wir hoffen, dass sich die Situation nicht mehr so dramatisch entwickeln wird wie im Frühjahr“, so Jakobs. Um noch besser vorbereitet zu sein, bauten die Krankenhäuser derzeit ihre Reserven an Infektionsschutzmaterialien und medizinischem Material für eine bevorstehende zweite Infektionswelle auf.

Wie geht es nach dem Rettungsschirm weiter?

Jakobs betonte außerdem, dass Ende September der staatliche Rettungsschirm für die Kliniken ende. „Die Zukunftssicherung der Krankenhäuser im Saarland ist daher noch ungewiss. Ab Oktober werden es die Kliniken nicht schaffen, allen notwendigen Corona-Einschränkungen und -Maßnahmen gerecht zu werden, und gleichzeitig zur Liquiditätssicherung Normalbetrieb zu fahren.“ Sollten die Infektionen in Form einer zweiten Welle im 4. Quartal wieder deutlich ansteigen, „wäre es insofern wieder erforderlich, Ausgleichzahlungen oder andere Kompensationsmechanismen einzusetzen“.

Treffen soll Klarheit schaffen

Aktuell befinde sich auf Bundesebene ein weiteres Gesetz zum Schutz der Krankenhäuser im parlamentarischen Verfahren. Auf Landesebene soll ein geplantes Treffen der saarländischen Krankenhausträger mit dem Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU) über die kommenden rechtlichen Änderungen Klarheit schaffen. Laut Jakobs soll es bei diesem Treffen vor allem um den Wegfall der Pauschale für freigehaltene Betten ab Oktober gehen.

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