Thalia Lichtspiele Kino in Bous (Foto: Peter Martin)

Der Vorhang bleibt erstmal zu

Melina Miller   28.11.2020 | 08:54 Uhr

23 Kinos gibt es im Saarland. Im ersten Lockdown mussten sie bereits für zweieinhalb Monate schließen. Im November ging die Schließung in die zweite Runde - und macht vielen Kinos zu schaffen: Warum vor allem das Hin und Her ein Problem ist, erzählen zwei saarländische Kinobetreiber.

"Es ist ganz komisch, wenn es hier nicht nach Popcorn riecht und die Kühlschränke nicht brummen", sagt Anna Reitze, Kinoleiterin des Saarbrücker Arthouse-Kinos Camera Zwo, als sie die Treppen in dem leeren Gebäude hochgeht. Zum zweiten Mal in diesem Jahr ist das Kino in der Saarbrücker Futterstraße geschlossen - mit weitreichenden Folgen. Verschobene Filmpremieren, eingeschränkter Betrieb, verunsicherte Kinogäste, Mitarbeiter in Kurzarbeit und Minusgeschäfte - das alles hänge zusammen.

"Kinos sind keine Schuhgeschäfte"

Ein großes Problem stelle vor allem das Hin und Her mit der Öffnung und Schließung der Kinos dar, sagt Kinobesitzer Peter Martin. Auch sein Kino, das Thalia Lichtspiele in Bous, befindet sich im erneuten Ruhemodus. "Kinos sind keine Schuhgeschäfte, die man auf und zu machen kann und die Schuhe bleiben solange einfach stehen." Ohne Planungssicherheit gehe kein Verleiher das Risiko ein, einen Film für die deutschen Kinos einzukaufen, erklärt er.

Für diese Planungssicherheit sei zum Beispiel eine deutschlandweit einheitliche Lösung von großer Bedeutung. Denn nur, wenn alle Kinos geöffnet seien, werde ein Film für Deutschland bereitgestellt, sind sich Martin und Reitze einig. Andernfalls würde sich das für die Verleiher nicht lohnen.

Filmpremieren verschoben

Kinoleiterin Camera Zwo lächelt in die Kamera. (Foto: Privat)
Anna Reitze, Kinoleiterin Camera Zwo

Zahlreiche Filmpremieren wurden in diesem Jahr verschoben, sowohl große wie der neue James Bond als auch kleinere. Durch den Drehstopp an vielen Filmsets könnte auch im nächsten Jahr eine Lücke entstehen, befürchtet Anna Reitze.

Mit den nicht gezeigten Filmen in diesem Jahr lasse sich diese Lücke zwar vielleicht ausgleichen, die Unsicherheit beschäftige aber die ganze Branche. "Wenn es so weitergeht, gibt es bestimmt nächstes Jahr einige Kinos weniger im Saarland", sagt Peter Martin.

Verluste über den Sommer

Nach der Wiedereröffnung im Juni habe Camera Zwo nahezu jeden Tag Verlust gemacht, sagt Anna Reitze, die das Kino als Festangestellte leitet. Denn durch die Hygienevorschriften und Abstandsregeln könnten nur rund 20 Prozent der insgesamt 458 Plätze in den sechs Kinosälen belegt werden: "Das reicht nicht, um damit was zu verdienen". Außerdem seien viele potenzielle Gäste aus Angst um ihre Gesundheit gar nicht erst gekommen.

Leerer Kinosaal (Foto: Peter Martin)
Kinosaal des Thalia Lichtspiele in Bous

Und auch in Peter Martins Kino in Bous war der Umsatz im Sommer nicht mit den vorherigen Jahren vergleichbar, sagt der Kinobetreiber in dritter Generation. Zwar habe er viele Stammkunden und aufgrund der besonderen Saal-Konstruktion auch mit eingehaltenen Abstandsregeln vergleichsweise relativ viele Plätze. "Geld verdienen sieht aber trotzdem anders aus." Martins Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit, die studentischen Aushilfen kann er momentan nicht beschäftigen, weil kein Bedarf da ist.

Abhängig von Hilfen

Was das Arthouse-Kino Camera Zwo im Moment am Leben erhalte, seien die staatlichen Überbrückungshilfen, erklärt Reitze. Camera Zwo habe im Sommer mehr als 75 Prozent Umsatzeinbußen gehabt und sei deshalb abhängig von der Unterstützung: "Natürlich würden wir das Geld aber lieber selbst einspielen."

Seit Mittwoch können nun die sogenannten "November-Hilfen" beantragt werden, die vom Lockdown betroffenen Unternehmen unter die Arme greifen sollen. Bis zu 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats sollen damit erstattet werden, die Hilfsmaßnahmen könnten außerdem bis in den Dezember verlängert werden. Damit habe das Kino nun im Prinzip sogar mehr Geld zur Verfügung als beispielsweise im August mit geringen Besucherzahlen und beschränktem Platz. "Besser fühlt sich das trotzdem nicht an", sagt sie.

Hoffen auf bessere Zeiten

Aufgeben kommt dennoch nicht infrage für Camera Zwo und Anna Reitze: "Für mich gibt es keinen Plan B." Mit Gutscheinverkäufen und anderen Aktionen möchte sie zeigen: "Wir sind weiterhin da". Peter Martin bietet seinen Kunden in dieser Zeit einen Popcornverkauf für zuhause an. "Außerem unterstützen uns viele Menschen, indem sie Gutscheine kaufen."

Martin möchte positiv bleiben für sein Traditionskino in Bous: "Ich bin kein Mensch, der negativ denkt. Für mich ist das Glas halb voll." Er hofft auf bessere Zeiten in Zukunft: "Auch wenn es dauern wird, bis das Geschäft wieder anläuft irgendwann - ich glaube fest an das Kino."

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