Kinder in Vereinstrikots sitzen auf der Einsatzbank (Foto: Imago Images / Panthermedia)

Kinder vermissen Bewegung in der Corona-Pandemie

Melina Miller   28.05.2021 | 06:53 Uhr

Eingeschränktes Fußballtraining, kein Schulsport und ausgefallene Turniere: Viele Kinder und Jugendliche bewegen sich in der Corona-Pandemie deutlich weniger als zuvor. Laut dem saarländischen Kinderschutzbund ist auch problematisch, dass dadurch soziale Kontakte fehlen.

90 Prozent der Kinder in Deutschland haben während der Corona-Pandemie die Bewegung und den Sport vermisst. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Politik- und Sozialforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks und der Deutschen Sportjugend anlässlich des heutigen "Weltspieltages".

In den vergangenen Monaten sind durch die Hygieneauflagen in der Pandemie auch im Saarland viele Sportmöglichkeiten ausgefallen, zum Beispiel im Vereinssport oder in der Schule. Das hat laut Kinderhilfswerk einen großen Einfluss auf die physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Auswirkung auf Gesundheit und Psyche

Dieser Einschätzung schließt sich auch der Sprecher des saarländischen Kinder- und Jugendärzteverbandes, Dr. Benedikt Brixius, an. Der Bewegungsmangel wirke sich auf verschiedene Lebensbereiche von Kindern aus. Brixius stellt unter anderem fest, dass mehr Kinder mit Übergewicht in seine Praxis kämen oder sich ein bereits bestehendes Übergewicht in der Pandemie weiter verstärkt habe.

"Das liegt zum einen daran, dass diese Kinder aktuell keinen oder weniger Sport treiben. Zum anderen sehen wir aber auch, dass zum Beispiel aus Langeweile zuhause mehr gegessen wird", erklärt der Homburger Kinderarzt.

Problem: fehlende Sozialkontakte

Aber auch auf die Psyche der Kinder wirke sich der Bewegungsmangel und die Pandemie im Allgemeinen aus: "Meiner Einschätzung nach haben sich Depressionen bei Kindern, aber auch Angststörungen oder Ähnliches deutlich verstärkt", berichtet Brixius.

In seiner Praxis meldeten sich auch vermehrt Eltern, deren Kinder psychosomatische Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen aufwiesen. "Das sehen wir sonst beispielsweise häufig bei Stress in der Schule - oder eben jetzt in der Pandemie." Die Bewegung als Therapiemöglichkeit oder Ablenkung sei häufig weggefallen.

Auch Stefan Behr, Vorsitzender des Kinderschutzbundes im Saarland, weist darauf hin, dass sich die Pandemie massiv auf die psychische Gesundheit von jungen Menschen ausgewirkt habe. Das liege neben der fehlenden Bewegung vor allem an den fehlenden Sozialkontakten. Ziel müsse deshalb sein, diese Kontakte schnellstmöglich wieder aufzubauen.

"Aufholprogramm der Regierung reicht nicht"

Anfang Mai hatte die Bundesregierung bereits angekündigt, rund zwei Milliarden Euro in ein umfassendes "Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche" zu investieren. Mit dem Budget sollen unter anderem auch Sport- und Freizeitprogramme nach der Pandemie gefördert werden.

Für das Deutsche Kinderhilfswerk reicht dieser Betrag nicht aus. "Wir finden, dass hier viel zu wenig in umfangreiche Erholungsprogramme für Kinder investiert wird", sagt Pressesprecher Uwe Kamp. "Gerade jetzt muss mehr dafür getan werden, Kindern nach der Pandemie wieder ein unbeschwerteres Leben zu ermöglichen und soziale Kontakte zu fördern."

Kinderschutzbund fordert Mitbestimmung

Das sieht auch der saarländische Kinderschutzbund so - verweist aber darauf, dass dies mit den Kindern und Jugendlichen zusammen entschieden werden müsse. "Wir dürfen das nicht über den Kopf der Kinder hinweg entscheiden", betonte Stefan Behr.

Der Kinderschutzbund hat deshalb einen runden Tisch mit verschiedenen Verbänden vorgeschlagen, um zu erarbeiten, wie man die erlittenen Defizite nach der Pandemie wieder aufholen könne. Nach Angaben von Behr muss der nächste Schritt hierzu von der Politik kommen.

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