Videospiel auf einer Konsole (Foto: Pixabay/Pexels)

Jugendliche verbringen mehr Zeit mit Handy und PC

  02.08.2020 | 14:23 Uhr

Während der Corona-Pandemie haben Kinder und Jugendliche 75 Prozent mehr Zeit mit Spielen auf dem Handy oder Computer verbracht als vorher. Das geht aus einer aktuellen Mediensucht-Studie der Uniklinik Hamburg (UKE) hervor. Künftig könnte es bei Kinderärzten ein Mediensuchtscreening geben.

Nach einem Zwischenergebnis der UKE-Studie ist das Gaming bei fast 700.000 Kindern und Jugendlichen riskant oder pathologisch. Im Vergleich zum Herbst 2019 nahmen die Spielzeiten während des Corona-Lockdown werktags um 75 Prozent zu. Statt vorher durchschnittlich 79 spielten sie nun 139 Minuten. Am Wochenende gab es einen Anstieg um fast 30 Prozent auf 193 Minuten pro Tag.

66 Prozent mehr Facebook, Twitter & Co.

Ähnlich problematisch wie das Gaming sind die Social-Media-Aktivitäten. Im September 2019 zeigten demnach 8,2 Prozent der Befragten eine riskante Nutzung – hochgerechnet bundesweit fast 440.000 der Zehn- bis 17-Jährigen. Eine pathologische Nutzung wurde damals bei rund 170.000 Mädchen und Jungen (3,2 Prozent) festgestellt. Während des Corona-Lockdown stiegen die Social-Media-Zeiten werktags um 66 Prozent an – von 116 auf 193 Minuten pro Tag.

Die Krankenkasse DAK, die an der Studie mitgearbeitet hat, und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte bieten deshalb ab Oktober in fünf Bundesländern ein Mediensuchtscreening für Zwölf- bis 17-Jährige an. Das Saarland ist allerdings noch nicht dabei.

Neue Kampagne für gesunden Umgang

Die Grenze zum gesunden Umgang mit digitalen Medien werde zunehmend überschritten, so Daniela Ludwig. Kinder und Jugendliche nutzten sie, um sich abzulenken und ihre Langeweile zu bekämpfen. „Digitale Medien sollten kein Ersatz für echte Freunde, kein dauerhafter Unterhalter oder alleiniges Spielzeug von Kindern und Jugendlichen sein.“

Mit einer neuen Präventionskampagne „Familie.Freunde.Follower“ will Ludwig für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien werben. Mit einer Broschüre und einer neuen Internetseite soll sie „ein praktischer und hilfreicher Kompass für Eltern und Kinder im digitalen Universum“ sein. Unterstützt wird die Kampagne unter anderem von Kinderärzten.

Crosscode: Keine übertrieben lange Spielzeit

Beim saarländischen Spieleentwickler Radical Fish Games, der das Einzelspieler-Spiel „CrossCode“ für verschiedene Plattformen auf den Markt gebracht hat, kann man keine übermäßig langen Spielzeiten feststellen. Entwickler Felix Klein sagte dem SR, das Spiel sei vom Suchtpotential her vergleichbar mit einem langen Film oder einer Serie, es werde für gewöhnlich nur ein einziges Mal durchgespielt.

„Eine übertrieben lange Spielzeit wie bei anderen Spieltiteln ist daher eher ungewöhnlich“, so Klein. „Entsprechend haben wir zu Corona-Zeiten keinen eindeutigen Anstieg unserer Spielerzahlen bemerkt.“

Allerdings verweist Klein auf zahlreiche kostenlose Online-Spiele, die potentiell so gestaltet sein können, dass sie ein übermäßiges Spielverhalten fördern. „Oftmals sind es aber gerade die äußeren Umstände, die Jugendliche und Kinder zu übermäßigem Spielen verleiten. Diese sind hier durch die Corona-Pandemie eindeutig gegeben.“

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