Ein Kind steht vor einem abgesperrten Spielplatz. (Foto: dpa)

So können Eltern Kindern durch die Krise helfen

Daniel Weiland / Max Liedtke   27.04.2020 | 11:36 Uhr

Unter der Corona-Pandemie leiden vor allem die Kleinen: Ohne Kontakte zu Gleichaltrigen stockt ihre Entwicklung, warnen Erziehungswissenschaftlerinnen. Sie haben Tipps für Eltern während der Krisenzeit.

Seit mehreren Wochen sind Schulen, Kindergärten und Kitas wegen der Corona-Krise nun schon geschlossen - und während die Oberstufen schrittweise wieder starten sollen, müssen die Jüngeren vorerst zuhause bleiben. Für sie bedeutet das: Keine Kontakte zu Gleichaltrigen. Denn auch Treffen mit Freunden sind im Zuge der Ausgangsbeschränkungen nicht erlaubt.

Das Alleinsein wird aller Voraussicht nach Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder haben. Im schlimmsten Fall machen sie sogar Rückschritte in ihrer Entwicklung, sagt Professorin Eva Möhler, die Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie an der Homburger Uniklinik. Gerade hinsichtlich der Sozialkompetenzen, aber auch der Selbstständigkeitsentwicklung fehlten den Kindern nun wichtige Erfahrungen, die sie nicht mehr nachholen könnten.

Das sieht auch die Saarbrücker Erziehungswissenschaftlerin Nicole Burkert-Arbogast so: "Kinder brauchen Gleichaltrige für die Entwicklung". Außerdem fehlten wichtige Bezugspersonen wie Lehrerinnen oder Erzieher.

Struktur und Bewegung

Weil Eltern selbst unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie leiden, sind sie gleich doppelt gefordert: Wie sollen sie Homeoffice und Kinder unter einen Hut bringen? Beide Expertinnen geben deshalb Tipps.

Wichtig ist eine klare Tagesstruktur, rät Erziehungswissenschaftlerin Burkert-Arbogast: "Rituale wie Schlafenszeiten und Spielzeiten unterstützen in so einer ungewissen Zeit." Das gebe Kindern Halt. "Eltern können dafür sorgen, dass Regeln beibehalten werden, und Dinge erklären."

Jugendpsychiaterin Möhler rät, in die Tagesstruktur auch Zeit für Bewegung und vor allem frische Luft einzuplanen. "Das kindliche Gehirn braucht Tageslicht, um sich ordnungsgemäß zu entwickeln." Und zwar jeden Tag. Ob Garten oder Balkon, Hauptsache frische Luft.

Kontakte zu Freunden oder Großeltern können heutzutage per Videochat stattfinden. Ein vollwertiger Ersatz für echten Kontakt sei das aber nicht.

Auszeiten auch für Eltern

Dennoch müssen Eltern ihre Kinder nicht rund um die Uhr bespaßen. Denn auch sie brauchen Zeit für sich. "Keinem Kind kann es gut gehen, wenn es den Eltern nicht gut geht", erklärt Möhler.

Neben Zeiten der ungeteilten Aufmerksamkeit gehören deshalb feste Auszeiten zum Tagesablauf: "Kinder müssen auch lernen, dass sie nicht immer der Mittelpunkt sind". Das sieht Erziehungswissenschaftlerin Burkert-Arbogast genauso. "Eltern sollten nicht fortlaufend schauen, wie sie ihr Kind unterhalten können." Anregungen ja, Dauerbespaßung nein. Kinder dürften sich auch durchaus mal langweilen, denn "nur so entwickeln wir die Fähigkeit, Langeweile zu überwinden und etwas Sinnvolles zu tun."

Dabei dürfen Eltern ihren Kindern durchaus erklären, warum das Leben derzeit so anders ist als noch vor wenigen Wochen. "So, dass das Kind versteht, dass es nicht an der Familie liegt, sondern an den Ausgangsbeschränkungen", rät Möhler. Auch Burkert-Arbogast ist überzeugt, dass Eltern ihren Kindern die Krise nicht "vom Hals halten" müssen. "Die Kinder merken ja, dass etwas anders ist." Da brauche es Ehrlichkeit und Transparenz, aber keine Panikmache.

Wenn Eltern merken, dass sie selbst mit der Situation überfordert sind, sollten sie sich Hilfe holen - zum Beispiel beim Jugendamt oder anderen sozialen Einrichtungen.

Die Krise kann auch stärken

Die Erziehungswissenschaftlerin ist überzeugt: Die Corona-Krise bedeutet nicht zwangsläufig nur negative Erlebnisse. Denn Familien stünden die Krise gemeinsam durch, erklärt Burkert-Arbogast: "Wenn es positive Erlebnisse aus dieser Zeit gibt, dann sind das auch Erinnerungen, die die Kinder und Jugendlichen stärken können."

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