Fußballspieler-Portraits auf einem WM-Katar-Sammelheft (Foto: picture alliance/dpa | Marijan Murat)

Viele Saar-Städte verzichten auf Public Viewing zur WM

mit Informationen von Anke Birk   17.10.2022 | 14:10 Uhr

Die meisten Städte im Saarland verzichten auf Public Viewing zur WM in Katar - unter anderem aufgrund der Jahreszeit. Die saarländischen Kommunen stehen damit nicht alleine da. Auch bundesweit wird es kaum größere Veranstaltungen geben, unter anderem als Protest gegen Ausrichter Katar.

In den vergangenen Jahren war es zur Tradition geworden: In vielen größeren Städten konnten Fußball-Fans bei einer Welt- oder Europameisterschaft auf Großbild-Leinwänden die Spiele gemeinsam verfolgen. Bei der WM in Katar, die vom 20. November bis 18. Dezember stattfindet, werden solche Public Viewings wohl die große Ausnahme bleiben.

Video [aktueller bericht am Montag, 17.10.2022, Länge: 3:18 Min.]
Kommunen verzichten auf Public Viewing

Saarbrücken etwa verwies auf SR-Anfrage darauf, dass die Stadt schon bei den zurückliegenden Großturnieren kein eigenes Public Viewing organisiert habe. Das werde man auch in diesem Jahr nicht tun. Wer ein Public Viewing veranstalten wolle, müsse das beim Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz beantragen.

Weihnachtsdorf statt Fußball-Stimmung

In Homburg ist ebenfalls kein Public Viewing geplant. Durch den Termin in der Vorweihnachtszeit sei der Veranstaltungsplatz an einem Großteil der Spiele durch das Weihnachtsdorf belegt. Aufgrund der Witterung wolle man es zudem den Kneipen- und Gaststätten überlassen, kleinere Public Viewing-Veranstaltungen durchzuführen. So könne auch der durch die Corona-Krise gebeutelten Gastronomie die Möglichkeit gegeben werden, zusätzliche Umsätze zu generieren.

Viele Saar-Kommunen verzichten auf Public Viewing zur WM
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 18.10.2022, Länge: 03:05 Min.]
Viele Saar-Kommunen verzichten auf Public Viewing zur WM

Aufgrund der Jahreszeit hat auch Saarlouis nach eigenen Angaben bereits vor längerer Zeit entschieden, kein Public Viewing durchzuführen. In Neunkirchen ist nach Auskunft der Stadtverwaltung ebenfalls kein Public Viewing anvisiert.

Viele Großstädte verzichten auf Public Viewing

So wie im Saarland ist das Stimmungsbild auch in vielen Großstädten deutschlandweit. Die große Fanmeile in Berlin - sonst zu WM-Zeiten einer der Hotspots - wird es nicht geben, unter anderem wegen der Jahreszeit und der Unsicherheit über die weitere Entwicklung in der Corona-Pandemie. Auch in Köln, Düsseldorf, Dortmund und Bochum wird es kein winterliches Rudelgucken geben.

Protest gegen Ausrichtung in Katar

Ausdrücklich wegen der Ausrichtung der WM in Katar verzichten Frankfurt und Hanau auf ein Public Viewing. Der Wüstenstaat steht wegen Menschenrechtsverstößen und wegen des Umgangs mit Arbeitern aus anderen Ländern schon lange in der Kritik.

Menschenrechtsorganisationen gehen von tausenden verstorbenen Arbeitern auf den Baustellen aus - die genauen Zahlen sind unklar. Laut Statistiken aus Katar sind mehr als 15.000 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit seit der WM-Vergabe 2010 gestorben. Wie viele davon im Zusammenhang mit WM-Projekten stehen, wird nicht veröffentlicht. Der Welt-Fußballverband FIFA spricht von lediglich drei Arbeitern, die explizit aufgrund von Arbeitsunfällen beim Stadionbau gestorben sind.

Die Regierung des Emirats verweist auf eigene Reformen und weist Teile der Kritik zurück.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 17.10.2022.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja