Sechs saarländische Oberflächengewässer hat der SR beproben lassen. (Foto: Niklas Resch/SR)

Die Fakten zu den beprobten Gewässern

Caroline Uhl / Niklas Resch   21.08.2018 | 18:00 Uhr

An sechs verschiedenen Gewässern im Saarland hat der SR Wasserproben nehmen und diese auf antibiotikaresistente Erreger untersuchen lassen. Diese Auswahl erfolgte nicht willkürlich, für jeden der ausgesuchten Flüsse, Seen oder Weiher gab es gute Gründe, einmal genauer hinzuschauen. Die beprobten Gewässer, die Untersuchung und ihre Ergebnisse in der Übersicht.

Alle Proben wurden am 3. Juli 2018 entnommen. Es wurde an jeder Probestelle mit einem neuen Paar Handschuhe gearbeitet. Das Gefäß, mit dem die Wasserproben gezogen wurden, wurde vor Benutzung an jeder Probestelle neu desinfiziert, anschließend drei Mal mit Wasser aus dem betreffenden Gewässer ausgespült. Dieses "Spülwasser" wurde jeweils weggekippt. Erst nach drei Spülvorgängen wurde das Wasser für die eigentliche Probe genommen, in sterile, verschließbare Gefäße gefüllt und sofort in Kühlboxen verfrachtet. Pro Probestelle wurden insgesamt vier Gefäße mit Wasser gefüllt.

Binnen 24 Stunden waren alle Proben im Labor am Institut für Funktionelle Grenzflächen (IFG) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), wo die Auswertung stattfand. Dort wendeten die Experten um den Mikrobiologen Prof. Dr. Thomas Schwartz in einem ersten Schritt ein Kulturverfahren an, basierend auf Selektivmedien für antibiotikaresistente Bakterien unterschiedlicher Spezies. Das heißt, sie gaben Wasser und Antibiotika auf kleine, runde Platten und prüften dann, auf welchen Platten trotz Antibiotikabehandlung Keime wuchsen. Im zweiten Schritt erfolgte ein molekularbiologisches Verfahren namens qPCR (quantitative Polymerase-Kettenreaktion). Damit wurden gezielt spezifische Resistenzgene aus der DNA der Gesamtpopulation nachgewiesen und quantifiziert. Das bedeutet, es wurde geschaut, ob und wie viele der klinisch relevanten Antibiotikaresistenzgene vorhanden sind. Damit lassen sich Aussagen treffen, wie die Resistenzen an andere Bakterien weitergegeben werden können.



Erbach - Homburg

Sechs saarländische Oberflächengewässer hat der SR beproben lassen - hier den Erbach. (Foto: Niklas Resch/SR)

Geografische Daten der Probestelle

N 49.2922
0 7.3096

Gewässer-Beschreibung

Im Quellbereich des Erbachs liegen einige Weiher für die Naherholung. Im Sommer verdunstet viel, sodass der Erbach oberhalb Homburgs in der heißen Jahreszeit nur sehr wenig Wasser führt. In den Erbach mündet eine kommunale Kläranlage für 75.000 Einwohnerwerte (angeschlossene Einwohner plus Nutzer aus Industrie und Gewerbe). Im Umfeld der Probestelle wird außerdem Landwirtschaft betrieben. Die Probenahme fand rund 700 Meter hinter der Kläranlage statt.

Untersuchungsergebnisse

Resistente Bakterien in Koloniebildenden Einheiten pro 100ml
Erbach
ESBL* E. coli 83
ESBL KEC** 17
ESBL Acinetobacter spp. 24
MRSA 200
VRE 226

* ESBL = erweitertes Spektrum an beta-Laktamase produzierenden Bakterien (beta-Laktamresistenz). Sie sind resistent gegen sogenannte Beta-Laktam-Antibiotika.
** KEC = Klebsiella spp., Enterobacter spp., Citrobacter spp.


Köllerbach - Völklingen

Sechs saarländische Oberflächengewässer hat der SR beproben lassen - hier den Köllerbach. (Foto: Niklas Resch/SR)

Geografische Daten der Probestelle

N 49.270122
O 6.875191

Gewässer-Beschreibung

Am Köllerbach liegen die kommunalen Kläranlagen Walpershofen und Püttlingen, ausgebaut für jeweils über 30.000 Einwohnerwerte (angeschlossene Einwohner plus Nutzer aus Industrie und Gewerbe). Bei trockenem Wetter führt der Köllerbach nur wenig Wasser, sodass das Abwasser nur wenig verdünnt wird.

Untersuchungsergebnisse

Resistente Bakterien in Koloniebildenden Einheiten pro 100ml
Köllerbach
ESBL* E. coli 44
ESBL KEC 17
ESBL Acinetobacter spp. 9
MRSA 70
VRE 75

* ESBL = erweitertes Spektrum an beta-Laktamase produzierenden Bakterien (beta-Laktamresistenz). Sie sind resistent gegen sogenannte Beta-Laktam-Antibiotika.
** KEC = Klebsiella spp., Enterobacter spp., Citrobacter spp.


Saar - Saarbrücken

Sechs saarländische Oberflächengewässer hat der SR beproben lassen - hier die Saar in Saarbrücken. (Foto: Niklas Resch/SR)

Geografische Daten der Probestelle

N 49.2234
O 7.0130

Gewässer-Beschreibung

Die Messstelle bildet die Belastung der Saar in einem Bereich ab, der stark für die Naherholung (Liegewiesen, Rudern, Angeln, Jachthafen) genutzt wird. Oberhalb des Messpunkts wird Wasser aus der Kläranalage Brebach in die Saar eingeleitet. Diese Kläranlage behandelt das Abwasser von 135.000 Einwohnerwerten (angeschlossene Einwohner plus Nutzer aus Industrie und Gewerbe).

Untersuchungsergebnisse

Resistente Bakterien in Koloniebildenden Einheiten pro 100ml
Saar
ESBL* KEC** 11
ESBL Acinetobacter spp. 21
MRSA 80

* ESBL = erweitertes Spektrum an beta-Laktamase produzierenden Bakterien (beta-Laktamresistenz). Sie sind resistent gegen sogenannte Beta-Laktam-Antibiotika.
** KEC = Klebsiella spp., Enterobacter spp., Citrobacter spp.


Würzbacher Weiher - Niederwürzbach

Sechs saarländische Oberflächengewässer hat der SR beproben lassen - hier den Würzbacher Weiher. (Foto: Niklas Resch/SR)

Geografische Daten der Probestelle

N 49.2459
O 7.1926

Gewässer-Beschreibung

Der Würzbacher Weiher ist kein offizielles Badegewässer. Er wird aber trotzdem von Besuchern zum Baden genutzt.

Untersuchungsergebnisse

Resistente Bakterien in Koloniebildenden Einheiten pro 100ml
Würzbacher Weiher
ESBL* KEC** 51
ESBL Proteus 15
MRSA 18

* ESBL = erweitertes Spektrum an beta-Laktamase produzierenden Bakterien (beta-Laktamresistenz). Sie sind resistent gegen sogenannte Beta-Laktam-Antibiotika.
** KEC = Klebsiella spp., Enterobacter spp., Citrobacter spp.


Bostalsee - Strandbad

Sechs saarländische Oberflächengewässer hat der SR beproben lassen - hier den Bostalsee. (Foto: Niklas Resch/SR)

Geografische Daten der Probestelle

N 49.5668
O 7.0668

Gewässer-Beschreibung

Der Bostalsee ist im Sommer bei sonnigem Wetter stark frequentiert. Er ist mit 120 Hektar Wasserfläche der größte von zwei offiziellen EU-Badegewässern im Lande. Bei der amtlichen Wasseruntersuchung erhalten seine Badestellen regelmäßig die Note "ausgezeichnet". Die Behörden testen das Gewässer auf möglicherweise krankmachende Keime wie E. coli. Es wird dabei aber nicht geprüft, ob die Keime eine Antibiotikaresistenz aufweisen.

Untersuchungsergebnisse

Resistente Bakterien in Koloniebildenden Einheiten pro 100ml
Bostalsee
ESBL* KEC** 11
ESBL Acinetobacter spp. 21
MRSA 80

* ESBL = erweitertes Spektrum an beta-Laktamase produzierenden Bakterien (beta-Laktamresistenz). Sie sind resistent gegen sogenannte Beta-Laktam-Antibiotika.
** KEC = Klebsiella spp., Enterobacter spp., Citrobacter spp.


Stausee Losheim - Strandbad

Sechs saarländische Oberflächengewässer hat der SR beproben lassen - hier den Stausee Losheim. (Foto: Niklas Resch/SR)

Geografische Daten der Probestelle

N 49.5208
O 6.7365

Gewässer-Beschreibung

Der Losheimer Stausee ist im Sommer bei sonnigem Wetter stark frequentiert. Er ist mit 31 Hektar Wasserfläche der kleinere von zwei offiziellen EU-Badegewässern im Lande. Bei der amtlichen Wasseruntersuchung erhält er regelmäßig die Note "ausgezeichnet". Die Behörden testen das Gewässer auf möglicherweise krankmachende Keime wie E. coli. Es wird dabei aber nicht geprüft, ob die Keime eine Antibiotikaresistenz aufweisen.

Untersuchungsergebnisse

Resistente Bakterien in Koloniebildenden Einheiten pro 100ml
Stausee Losheim
ESBL* Proteus 24
MRSA 18

* ESBL = erweitertes Spektrum an beta-Laktamase produzierenden Bakterien (beta-Laktamresistenz). Sie sind resistent gegen sogenannte Beta-Laktam-Antibiotika.

Panorama
FAQ: Resistente Keime in Saar-Gewässern
Eine Analyse im Auftrag des SR brachte Gewissheit darüber, was Experten schon vermuteten: In saarländischen Gewässern tummeln sich antibiotikaresistente Bakterien. Wie haben wir untersucht? Was haben wir gefunden? Was bedeutet das für die Bevölkerung?

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