Bildmontage zu Alkohol in der Schwangerschaft: Weinflasche und -Gläser neben einem Babybauch (Foto: pixabay/Quadronet_Webdesign, dpa/Felix Heyder, SR/Knöbber)

Irreparable Schäden durch Alkohol und Drogen in der Schwangerschaft

  20.07.2021 | 21:22 Uhr

Pro Jahr kommen in Deutschland jährlich rund 10.000 Kinder mit bleibenden Schäden auf die Welt, deren Mütter geraucht oder Alkohol getrunken haben. Das Landesinstitut für Präventives Handeln hat nun seine diesjährige Kampagne gestartet, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.

Es sei zwar grundsätzlich bekannt, dass Alkohol und Nikotin in der Schwangerschaft nicht förderlich seien. Dennoch, so Jasmin Arnold vom Landesinstitut für Präventives Handeln, fehle es bei vielen Schwangeren an dem „genauen Wissen, dass auch geringe Mengen schädigen können.“

Dabei sind die Gefahren für das sich erst entwickelnde Leben immens. Unterschiedliche Stoffe führen zu diversen Krankheiten und Behinderungen. „Man weiß zum Beispiel, dass rauchende Mütter häufiger Kinder haben, die an Leukämie und anderen Krebsarten erkranken, weil das Immunsystem schon in der Ausbildung beeinflusst wird“, sagt Professor Jens Möller, Chefarzt der Kinderstation am Klinikum Saarbrücken.

Amphetamine in der Schwangerschaft

Neben Alkohol und Nikotin sehen die Mediziner immer häufiger so genannte Partydrogen als Ursache für die zum Teil nicht mehr heilbare Schädigung Neugeborener. „Was wir in letzter Zeit oft bemerken, sind die so genannten Stimulanzien also Amphetamine, die ja auch bei der Abwassersituation in Saarbrücken in der Diskussion waren. Das reflektieren auch unsere Befunde bei Neugeborenen, die dann auffällig werden durch Entzugs-Symptome nach der Geburt“, erklärt Möller.

Video [aktueller bericht, 20.07.2021, Länge: 3:24 Min.]
Kampagne gegen Drogenmissbrauch gestartet

Laut Möller spielt beim Drogen- und Alkoholmissbrauch in der Schwangerschaft die soziale Herkunft eine große Rolle. „Wir haben in Saarbrücken vor sechs Jahren eine Studie gemacht, wo es so war, dass in der oberen Mittelschicht nur vier Prozent angegeben wurden und in den sozial problematischen Schichten hatten wir 27 Prozent Angabe von abhängig machenden Substanzen, die in der Schwangerschaft benutzt wurden.“

Hilfe für Betroffene

Für die Infokampagne hat das Landesinstitut für Präventives Handeln unter anderem einen Flyer zusammengestellt, der die Folgen von Alkohol- oder Drogenkonsum während der Schwangerschaft übersichtlich auflistet. Betroffene können sich demnach für ein vertrauliches Gespräch an die Gesundheitsämter der Landkreise und des Regionalverbands wenden. Das Online-Programm für Schwangere IRIS bietet zudem auch unter www.iris-plattform.de eine Onlineberatung an.

Über dieses Thema hat auch der "aktuelle bericht" am 20.07.2021 im SR Fernsehen berichtet.

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